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Ernest Tidyman schuf diesen neuen Typ des farbigen Ermittlers Anfang der 70er Jahre. Insgesamt sollten dann, wegen des frühen Todes des Autors, nur sechs Detektivstorys erscheinen. Dem Verlag Pendragon ist es zu verdanken, dass wir John Shaft in der ungekürzten, harten Originalübersetzung genießen dürfen; eben den schwarzen Outlaw-Detectiv überhaupt, der sich in seiner Jugend in Harlem durchboxte und diesem Sport auch als Erwachsener gern und häufig frönt. Gestählt durch Ghetto und Vietnamkrieg lebt der Detektiv im dreckigen, drogenverseuchten und stets kriminellen New York. Zuhälter, Prostituierte, Kleinkriminelle, Gangsterbosse und der Abschaum der Hinterhöfe kreuzen täglich seinen Weg.
Vielen Generationen von Lesern ist mit ihm das Bild des schwarzen Privatschnüfflers, der sich sein Gesetz selber schafft, für alle Zeit visuell eingebrannt. Der sich prügelnde, um sich schießende Black-Bad-Guy war vermutliche der erste selbstbewusste Schnüffler, der die einmal eingeschlagene Schlag-Richtung ohne Rücksicht auf menschliche und materielle Verluste durchgezogen hat. Tod, Gewalt, Zerstörung und etliche One-Night-Stands machen ihn aus Sicht der politischen Klasse zu einem inakzeptablen Vertreter der schwarzen Spezies.
Shaft verkörpert den Schnüffler auf einmalige Art und Weise. Sein Sprachstil und Habitus ist oft ruhig, eher still, unspektakulär und wirkt manchmal sogar gelangweilt. Bis es plötzlich zur Explosion von Hass und Aggression kommt. Eine tickende Zeitbombe! Shaft handelt nicht aus Leidenschaft, Hingabe oder moralischer Passion. Er macht seinen Job, hat seine Prinzipien, nicht mehr und nicht weniger. John Shaft bewahrt sich einen Rest Anstand, der in der Welt um ihn herum völlig abhanden gekommen zu sein scheint. Shaft bleibt stets distanziert, wenn auch gefühlvoll, doch unterkühlt nach außen, was gerade die Frauen anzieht, wie gleichsam abstößt. Shaft ist ein Mann ohne Illusionen, aber mit einem undefinierbaren Ehrenkodex ausgestattet. Dadurch wird er zum Kult, jedoch als solches nicht zum Sympathieträger breiter Massen, was ihm auch zuwider wäre. Insgesamt liegt hier eine der aufrichtigsten Krimireihen aus dem Genre der Detektivgeschichten vor.
Diese Klassiker moderner Krimiliteratur sollte man gelesen haben, da sie tiefschwarzes amerikanisches Kulturgut darstellen.
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