Yo, man! Vielleicht zuerst mal die passende Kurzkritik meiner Frau im Kino: "Mann, was für ein Poserfilm!"
Genau. Die Sprüche, die Gesten, die Klamotten, die Klischees, die Blicke, einfach alles war unglaublich... Cool? Und da ist auch das Problem dabei: Es IST Unglaublich. Am Anfang gings nämlich noch. Aber nachdem so etwa nach 20 Minuten klar war, daß der Jackson-Shaft den gesamten Rest des Films auf keinen Fall mehr anders reden, laufen, die Sonnenbrille auf und absetzen wird als in dieser Eiswürfel erzeugenden, bedeutungsschweren Coolness, war mir klar: Jetzt kann ich entweder abschalten, weil das nie ein ordentlicher Krimi mehr wird, oder ich lehne mich zurück und erfreue mich halt an der gestylten Kameraführung und den ausschweifend ausgestalteten Gewaltdarstellungen (im Gegensatz zur praktisch nicht vorhandenen Erotik, die eigentlich unbedingt zum 70er Shaft gehörte - aber da sind die Amis ja inzwischen prüder als der Papst).
Ich tat zweiteres, und siehe da, ich konnte dem Streifen doch noch etwas abgewinnen. Er hatte eine gute Story, die halt nur leider nie richtig zum Tragen kam und hatte die seit langem besten "Stadt"-Szenen, die ja inzwischen selten sind, weil eine Großstadt als Hintergrund ein riesiges logistisches Problem ist und auch nicht per Computer simuliert werden kann. Der Stil, auch wenn wie gesagt unfreiwillig komisch, war in sich stimmig und durchgängig. Identifikationsmöglichkeiten gabs freilich bei diesen überzeichneten Figuren nicht und so kam auch nur verhaltene Spannung auf.
Die DVD scheint mir gut ausgestattet zu sein (und kriegt daher ein Extra-Sternchen) und ich bin extrem gespannt darauf, ob mein negativen Eindrücke womöglich (wie so oft) nur an der deutschen Synchronisation liegen. Hochdeutsch sprechende Stadt-Thugs die trotzdem jeden Satz mit Yo! anfangen kommen nämlich schon ziemlich blöd rüber...