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Herausgegeben von Thomas Eller,
mit Fotografien von Willi Rose und einem Text von Petra Bopp
Harry N. Abrams, New York 2004
192 Seiten
ISBN 0-8109-5590-3
Aus einem Konvolut von mehr aus 500 s/w-Fotografien, die der Obergefreite Willi Rose aus dem 2. Weltkrieg zurückbrachte, hat der Künstler Thomas Eller 250 ausgewählt und zu einer subtilen Bilderzählung der Fronterfahrung eines einfachen Soldaten zusammengestellt. Die Zusammenstellung, die sowohl chronologische, wie thematische Einblicke gewährt, entwickelt sich an einer sorgfältig recherchierten Zeitleiste entlang, deren kriegsbedingte Brüche und Inkonsistenzen klar dargestellt werden. Die Bildrecherche macht verschiedene Bildsequenzen an Ereignissen fest, wie der Sprengung des Manytsch-Damms am 27. Juli 1941, oder der Schlacht um Artemowsk am 31. Oktober 1941. Die prägnantesten Fotos entstanden jedoch nicht im Gefecht und die Schwierigkeit, die privaten Fotografien mit der Zeitleiste zu synchronisieren, schärft den Blick für die Sichtweise des Fotografen.
Die Kamera verfolgt in langen Sequenzen die Gefangennahme von Rotarmisten. In Einzelportraits mit fast Eisensteinschen Qualitäten konfrontiert die Auswahl und Präsentation im Buch einen namenlosen Gefangenen mit einem deutschen Offizier in der Stunde seiner höchsten Dekorierung mit dem eisernen Kreuz. Die Kameraperspektive hebt beide auf dieselbe Stufe. Der eine jedoch trägt einen Namen, der andere geht in der grauen Masse eines Gefangenentransportes unter.
Die Kamera richtet sich außerdem auf die alltäglichen Verrichtungen und erscheint als magisches Gerät, mit Hilfe dessen die Gräuel des Krieges ferngehalten werden. In der Sammlung befindet sich nur eine Leiche und kein einziges Hakenkreuz. Das Unheil des 2. Weltkrieges ist nur ex negativo präsent. Es ist der Blick, die Bewegung und die extreme Perspektive der Kamera, die die Sammlung auch vom fotografischen Standpunkt aus interessant machen. Ohne diese prekäre ästhetische Verdichtung der Bildmotive, bliebe das Buch von partikularem Interesse.
Die Zusammenstellung der Bilder macht jedoch deutlich, was die Kamera nicht sieht.
Einige gezielt gesetzte Zitate aus Ernst Jüngers „Kaukasischem Tagesbuch", in denen die im Buch porträtierten Generäle charakterisiert werden, machen die unsichtbaren Grausamkeiten hinter den Bildern sichtbar.
Petra Bopp legt in ihrem Aufsatz die Entstehungsbedingungen für Privatfotografien deutscher Soldaten dar. So wird deutlich, dass jeder zehnte deutsche Soldat eine Kamera mitführte und es an der Front rege Tauschbörsen gab. Das fand alles mit der Unterstützung des Reichspropaganda Ministeriums statt, das in den Fotografien eine willkommene Verbindung der Soldaten zur „Heimatfront" sah.
Thomas Eller, der in New York lebt, schildert in seinem Vorwort den Entstehungsprozess des Buches als Auseinandersetzung mit deutscher Schuld in Amerika. Die wegen der Tauschbörsen unsichere Autorschaft der Bilder, stellt für ihn eine frustrierende Schwierigkeit dar, deutsche Täterschaft im persönlichen Kontext zu verorten. Die Frage, wer die die Bilder „geschossen" hat, wird zunehmend zu Frage, wer die Verbrechen begangen habe.
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