Das mittlerweile 5. Soloalbum (das 4. war ein Internetalbum) vom Red Hot Chili Peppers-Gitarristen unterscheidet sich größtenteils deutlich von den vorherigen. War To Record Only Water For Ten Days auch noch nicht für jedermann geeignet und verständlich, so ist „Shadows Collide With People" ein allgemeinverträglicheres Album. Die Songs sind besser durchstrukturiert und auch für Leute, die mit dem Namen John Frusciante bisher nichts anfangen konnten, geeignet. Aber auch alte Fans werden das Album lieben (so wie ich). Zum ersten Mal wird John auch größtenteils von anderen Musikern unterstützt vor allem von Josh Klinghoffer, der auch auf „Omission" mitsingt und sonst mit für die Instrumente zuständig ist, den Peppers Kollegen Chad Smith, der alle Drums spielt und Flea (spielt Standbass auf „The Slaughter") und schließlich noch Omar Rodriguez von The Mars Volta (u.a. „Chances"). Ein Novum ist auch, dass John ein Album zum ersten Mal im Studio aufnahm. Man könnte denken, dass das die Atmosphäre Johns vorheriger Werke zerstört, weil die Songs zu „perfekt" klingen, das stimmt aber nicht. Außerdem gibt es diesbezüglich auch Ausnahmen.
Das Album ist allerdings sehr elektronisch beeinflusst, sehr viel, für manche zuviel, Synthesizer.
Der 6-min Opener „Carvel" beginnt mit seltsamen „Elektronikgeblubber" (diese Wassergeräusche ziehen sich übrigens durch das gesamte Album), verwandelt sich dann aber in eine richtige Rocknummer. Sehr gelungen! Hier fällt auch gleich auf, wie gut die „echten" Drums dem Album tun (bei TROWFTD gab es nur einen etwas nervenden Drumcomputer). „Omission" ist wie gesagt die größte Kooperation mit Josh, der er auch Leadvocals singt und nicht wie beim Rest nur Backgroundharmonien. Ein grandioser Song! Die beiden passen echt zusammen! Danach folgt mit „Regret" ein typischer alter Frusciante-Song. Minimalistisch mit Akustikgitarre und einem Text bestehend aus 6 Wörtern. Trotzdem sehr ausdruckstark. Komisch nur, dass John den Song selbst als „lustig" bezeichnet, da er überhaupt nichts bereut... Mit „Ricky" folgt einer meiner Lieblingstracks (wenn man da überhaupt welche raussuchen kann). Wunderschöne Melodie, grandioser Text, Hammeratmosphäre, hätte auch Hitpotential! Muss man selber hören.
Bei „Second Walk" traut ich erst meinen Ohren nicht. Das sollte ein John Frusciante Song sein? Extrem schnell, kraftvoll mit krächzender Gitarre??? Doch, ist es und zwar ein hervorragender. „Every Person" klingt wieder wie ein traditioneller Song. Akustikgitarre und Klavier. Es folgt das erste von 3 Instrumentalstücken mit „-00 Ghost 27". Sehr elektronische, verzerrte Soundfetzen. Laut John von seiner Verehrung für Bands wie Kraftwerk, Can und Neu! beeinflusst. Braucht Zeit. „Wednesday's Song" ist ein solides Stück, nichts besonderes gemessen an der Klasse des Albums. „This Cold" ist wieder für John ein Uptempo-Song. Brennt sich gleich ins Hirn. Das nächste Instrumental „Failure 33 Object" lässt einen auch wieder verwundern. Nix mit Gitarre. Eigenwillig.Blanke Elektronik. Aber eben doch wieder irgendwie passend. „Song To Sing When I'm Lonely" ist der vielleicht beste Song der Platte. Einmal gehört, will man ihn immer wieder hören. Einfach nur schön. Wundervolle Harmonien, einfach alles perfekt. Punkt. „Time Goes Back" ist ein sehr atmosphärischer Song. Für mich passt er am besten zum Cover-Artwork (mit The Slaughter). Handelt wie viele Songs von u.a. Naturerscheinungen. „In Relief" ist wieder ein Song mit Akustikgitarre und sehr cool und stimmungsvoll. Dem folgenden Song „Water" konnte ich zunächst nichts abgewinnen. Wieder sehr schnell. Aber mittlerweile liebe ich ihn auch. Sehr kraftvolles Ende dank Chad. „Cut-Out" ist ähnlich wie „In Relief". Einer meiner Lieblingssongs der Platte. „Chances" ist kurz, aber genial. Vor allem der Text. Das letzte Instrumental „23 Go Into End" ist das wahrscheinlich beste des Albums. Fast 7 Minuten lang kann man träumen. Man hört wieder Wasser, Möwen, dazu sehr gefühlvolle Musikuntermalung u.a. auch wieder Klavier. Sehr empfehlenswert. So einen Track hätte ich nie von John erwartet. „The Slaughter" klingt wie eine Liebeserklärung. Man hört sogar so etwas wie Wind. Toller Text, gelungener Abschluss, trotz Drumcomputer.
Wie man merkt fällt es mir schwer meine Begeisterung kurz in Worte zu fassen. Das Album ist einfach unglaublich schön von einem Menschen der sich scheinbar in anderen Sphären bewegt! Traumhafte Musik, intelligente ehrliche Texte (Themen: Gefühle, Tod, Natur, Gott...). Unbeschreiblich atmosphärisches Album. Muss man einfach gehört haben. Schön, dass es heutzutage noch solche gefühlvolle, ausdrucksstarke Musik gibt, bei der man merkt, dass dem Künstler etwas an seiner Musik liegt.
Danke John!