Das Buch startet mit einer sehr gelungenen Charaktereinführung. Der Protagonist wird in einem Perspektivwechsel vorstellt, was die Sache am Anfang sehr spannend macht. Desweiteren ist das Thema für sich - es geht um eine Metamorphose, so viel kann ich sagen - sehr reizvoll und hat mich an einen sehr frühen Roman aus der Serie (ich glaube "Wechselbalg") erinnert.
Damit kommen wir auch schon zu den Stärken des Romans, nämlich die liebevolle und detailintensive Beschreibung der Shadowrun-Welt und ihrer Milieus in der ADL. Alles wird einem sehr plastisch und für den Leser sehr fantasieanregend dargestellt.
Die Story selbst ist tauglich, wenn auch mit den üblichen Motivationslücken. So wird nicht klar, warum Humanitech sich ausgerechnet den Protagonisten ausgesucht hat usw.
Wirklich schwach empfand ich dieses überzogene Shadowrunner-Gepose. Da nennen sich sich erwachsene Menschen in Deutschland "Shark", "Toxic" oder "Phoenix" und erwarten auch noch, dass diese Albernheiten penibel eingehalten werden.
Richtig nervig, waren am Ende jedes Kapitals die orakelnden Kartenlegerprognosen, die wahrscheinlich geheimnisvoll wirken sollten stattdessen aber sehr herausgepresst und konstruiert wirkten.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Roman aufgrund seiner detailreichen Ausgestaltung des Deutschlands in der Zukunft sehr viel Spaß macht. Der Plot ist o.k. und die Orakelseiten sollte man ungelesen überblättern. Es ist eben nur ein Shadowrun-Roman und dieser hier ist sehr solide Unterhaltungsliteratur.