Der vierte Band einer großen Saga liegt mit diesem Buch vor uns. Während ich anfangs noch sehr sehr skeptisch war, ob ich diese Serie jemals zu Ende lesen würde, zu trivial und stereotyp erschien mir die Handlung, so entdeckte ich zu meiner großen Freude wie sich Williams mit jedem Band steigerte und hier eine sehr düstere, leicht melancholische und mit schwarzem Humor gespickte Geschichte aufbaute, die mit einem enormen Hintergrund und zahlreichen Details glänzte. Kurz gesagt: So wie aus dem unscheinbaren Prinzen Barrick im Laufe der Zeit ein Anführer eines fremden Volkes wurde, so wurde aus dem unscheinbaren Vorhaben Shadowmarch für mich einer der besseren Serien, die ich den letzten Jahren gelesen hatte. Die Vorfreude auf diesen vierten Band war dadurch durchaus vorhanden. Nicht zuletzt, da der Autor im dritten Band alle seine Figuren auf eine große epische Schlacht vorbereitete. Im vierten Band gelingt es dem Autor dieses Versprechen einzulösen. Shadowheart ist in vielerlei Hinsicht eine am besten strukturierten Geschichten, die ich seit langem gelesen habe. Am Ende der Handlung steht nicht ein sanftes Ausklingen, wie das leider so oft der Fall ist, sondern ein Feuerwerk der Ideen, was unsere Helden hier auf über 700 Seiten in eine aussichtslose Situation nach der anderen stürzt. Dabei sind nicht nur viele Überraschungen mit inbegriffen, vielmehr bleibt auch die Stimmung einer konstanten Bedrohung des Untergangs der vorhandenen Welt bestehen. Ich wurde daher nicht enttäuscht und kann allen Freunden des Autors nur empfehlen diesen Band zu kaufen.
Ohne viel von der Handlung zu verraten, bin ich jedoch nicht in jederlei Hinsicht zufrieden. Kritisch ist anzumerken, dass ich mich nach Lektüre der vier Bücher frage, ob das vorhandene nicht auch ohne Probleme in drei Büchern abgehandelt werden könnte. Letztendlich sind manche der Nebengeschichten zwar am Ende mit einer ungewöhnlichen Auflösung, sie tragen aber nur sehr wenig zur Gesamtgeschichte bei. In diesem Aspekt hätte der Autor viel mehr herausholen können, wodurch das Ganze gleichwohl noch länger geworden wäre. Dadurch wirkt so manche Nebenerzählung sehr seicht im Vergleich zu den beiden großen Handlungssträngen um Barrick und Briony. Bei diesen beiden ist gegen Ende anzumerken, dass sich der Autor zwar sehr viel Mühe gab ihre Geschichte und die Beziehung der beiden zueinander zu beschreiben, in einem entscheidenden Punkt wirken die Handlungen beider Charaktere allerdings sehr seltsam und definitiv nicht passend. Hier scheint es, dass Williams bereits zu Beginn im Kopf hatte wie die Geschichte enden sollte und mit aller Mühe versuchte die Geschichte dorthin zu führen. In diesem Fall ist er leider gescheitert. Wer sich an frühere Werke von Williams erinnert, dem kommt diese Problematik leider bekannt vor. Allerdings hat sich der Autor diesmal, wohl in Kenntnis seines Problems, sehr bemüht am Ende alles miteinander zu verknüpfen und mit der besagten Ausnahme gelingt ihm das auch.