Kirlian Camera sind definitiv Ikonen des Dark Wave und haben im Laufe ihrer 30-jährigen Karriere u.a. einige der "schönsten traurigen" Stücke überhaupt komponiert.
Irgendwo ständig zwischen Genie und Wahnsinn pendelnd schafft es Mastermind Angelo Bergamini immer wieder der Welt (na ja, oder sagen wir lieber "einer kleinen treuen Fanschar") musikalische Kleinode zu schenken (hier z.B. "Odyssey Europa"). Die Alben sind allerdings in der Regel schwer am Stück konsumierbar, da auch reichlich anstrengendes Material zum Repertoire der Band gehört.
Bei "Shadow Mission HELD V" handelt es sich neben "Pictures from Eternity" vielleicht um ihr zugänglichstes Werk, welches man durchaus auch "genrefremden Musikinteressierten" empfehlen könnte (vielleicht ein Versuch, ein wenig massenkompatibler zu werden?). Besonders "Heldenplatz" in seiner hier vorliegenden "tanzbaren Version" dürfte vielen gefallen, die ansonsten vielleicht allenfalls nur den KC-Kultsong "Eclipse" schonmal irgendwo gehört haben. Zwar ist der morbide Charme des Originals nicht zu toppen, aber das zusätzliche Violinenintro und der clubtaugliche Mix sind schon klasse. Auch die spärlich instrumentierte Version des aus dem Ende der Syd Barrett-Ära stammenden Pink Floyd Psycho-Trip-Songs "Julia Dream" (eines der schönsten Floyd-Stücke überhaupt) hat ganz besondere Reize (sofern man über den schlimmen italienischen Akzent der Sängerin hinweg hört).
Tja, kommen wir zu den negativen Aspekten. Die Spielzeit ist recht gering. Die letzten beiden Remixe sind zudem überflüssig. Die wirklich neuen Songs sind in der Unterzahl. Letztendlich hat man das Gefühl, es handelt sich lediglich um eine aufgepeppte Single bzw. "Heldenplatz"-Neuveröffentlichung. Zudem war ich doch sehr erstaunt, als ich sah, dass dieses Album, welches angeblich "streng auf 1.000 Exemplare limitiert" sein sollte, nach kurzer Ausverkaufsphase jetzt wieder überall angeboten wird. Außerdem finden sich die meisten Stücke mittlerweile auch auf den ständig neuen "Best of und Remix-Compilations". Ich gönne ja allen "Independent-Künstlern", die von ihrer Kunst gar nicht oder zumindest immer weniger leben können, wirklich jeden Euro. Mit einer solchen Veröffentlichungsstrategie stößt man allerdings den wenigen treuen Fans doch merklich vor den Kopf. Ich hoffe nicht, dass das alles Anzeichen eines "letzten Aufbäumens/Ausverkaufs" sind...