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Eigentlich erstaunlich. Damals war ein eher hierarchischer Stil wie der des Forschers Robert F. Scott üblich: Er galt als mürrisch, herrschsüchtig und steif; in militärischer Tradition stellte er das Ziel über Menschenleben. Shackleton dagegen führte unautoritär und demokratisch, er galt als herzlich, humorvoll und gerecht. Besonders sein unerschütterlicher Optimismus und sein Einfühlungsvermögen für seine Männer halfen ihm in der Antarktis. Seine Crew dankte es ihm mit großer Loyalität.
Schon in Shackletons Kindheit, so spekulieren die Autorinnen, wurden die Weichen gestellt, die ihn zu einem ungewöhnlichen Anführer machen würden: Der introvertierte Junge wuchs komplett in der Gesellschaft von Frauen (darunter acht Schwestern sowie Tanten und Großmütter) auf, bekam dadurch vielleicht so etwas wie eine weibliche Sensibilität mit. Womöglich weckten auch die Schwierigkeiten, die er bei der Eingewöhnung ins Seemannsleben hatte, bei ihm Mitgefühl für Leute, denen es schlecht ging. Jedenfalls bewies Shackleton später ein Händchen dafür, seine sehr heterogene Crew trotz der zahlreichen lebensgefährlichen Krisen immer wieder zu motivieren und bei guter Stimmung zu halten.
Der Mix zwischen Biografie und Ratgeber ist dem Autorinnenduo gelungen, und das Ergebnis liest sich kurzweilig. Man merkt dem Buch die solide Recherche an; es greift stark auf Originalquellen zurück und hinterfragt so manche hübsche Anekdote. Den Lerneffekt für Manager sichern dazwischen geschobene Merksätze und die Zusammenfassungen nach jedem Kapitel. Unter der Überschrift "Praktische Umsetzung" haben die Autorinnen außerdem kurze Reportagen über Geschäftsleute, die Shackletons Vorbild inspiriert hat, eingefügt -- vom Marineminister bis hin zum Börsenhändler. --Sylvia Englert -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Wärme im ewigen Eis
Wie ein Polarforscher seine Truppe in verzweifelter Lage motivierte
Im Jahr 1914 brach der Polarforscher Ernest Shackleton mit 27 Männern auf, um erstmals den antarktischen Kontinent zu durchqueren. Die Mission scheiterte, das Expeditionsschiff wurde im Packeis zerquetscht. Die Besatzung rettete sich auf eine einsame Felsklippe. Shackleton trennte sich von seiner Crew und legte in einem winzigen Rettungsboot 800 Seemeilen bis zur nächsten bewohnten Insel zurück. Dort organisierte er Hilfe für seine auf dem Felsen gefangenen Männer.
Das Buch analysiert, mit welchen Methoden Shackleton seine Mannschaft in der vermeintlich ausweglosen Lage führte. So versuchte er, auch Fehlschlägen eine positive Seite abzugewinnen - und sei es nur die schlichte Erkenntnis, dass man den soeben gemachten Fehler bestimmt nicht wiederholen werde. Zudem verhinderte Shackleton durch ständige Gespräche, dass sich die hungrige, frierende Crew in Fraktionen aufspaltete. Ein spannender Expeditionsbericht mit bedenkenswerten Ideen zum Thema Führung.
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