Dieser tolle TV-Zweiteiler der zurecht mit zwei Emmys (u.a. für die Filmmusik) ausgezeichnet wurde, wird bei jedem Zuschauer viel Anklang finden, der sich für die hochwertige Verfilmung von geschichtlichen Stoffen interessiert. Also wer z.b. TV-Mehrteiler wie "Wind und Sterne" (über James Cook) oder "Christoph Columbus" gesehen hat, ergänzt seine Sammlung über Entdecker perfekt.
Aufgeteilt in zwei Teile a 100 Min. hält sich die Handlung nicht mit unnötigem Balast auf, sondern es steht von Anfang an klar im Vordergrund, was Shackeltons Ziel ist. Gekonnt wird Shackelten hier auch nicht als der Überflieger dargestellt. Ich für mich war der Ansicht, dass so eine Expedition zusammen zu stellen, für Leute wie Amundsen, Scott oder eben Shackelten einfach gewesen wäre, dass sie sowas wie Nationalhelden waren, weil sie oft so dargestellt werden. Aber wenn man hier sieht, wie Shackelton auf Betteltour z.b. bei alten Damen gehen, aber auch auf Gewitztheit zurückgreifen muss, um die Expedition zu finanzieren, wird man eines besseren belehrt. Das allerdings auf sehr unterhaltsame Art, weil der Humor hier nie zu kurz kommt. Wenn der Film schon bei den ersten Szenen mit einem Vortrag Shackeltons anfängt und er Fotos zeigt und dazu sagt: "Hier sehen sie einen Kaiserpinguin bei der Besichtigung eines Hundes," sorgt das für einen humorvollen Einstieg und macht neugierig und ja, der Film hat über die ganze Lauflänge einen herrlichen natürlichen Humor, der viel zum Unterhaltungswert beiträgt.
Shackelton wird hier auch nicht eindimensional dargestellt, sondern, man lernt ihn als enthusiastischen Forscher kennen, der an seinen Zielen festhält, aber auch als liebevollen, leicht überdrehten Familienvater, als auch jemanden, der seine Frau betrügt, auf der Expedition als Führer, der Verständnis für seine Männer hat und für Zusammenhalt sorgt, aber auch knallhart durchgreift, wenn es die Sitation (Lebensmittelknappheit z.b.) erfordert. Dieser Facettenreichtum ist Kenneth Branaghs genialem Spiel zu verdanken. Er verkörpert jede der genannten Seiten mit 100% Überzeugungskraft.
Aber die gesamte Besetzung überzeugt durch unterhaltsames Spiel. Kleiner Tip für Fans von "Fluch der Karibik" Mr. Gibbs Darsteller Kevin McNally spielt auch hier mit - als Schiffskapitän.
Perfekt gelungen ist der ganze Look des Films. Die ganze Ausstattung spiegelt perfekt die Welt Anfang des 20. Jahrhunderts wieder. Sehr gelungenes nostalgisches Flair.
Die arktischen Bilder sind bisweilen atemberaubend schön (eine Pracht z.b. die ganz mit Schnee verkrustete Endurance), aber es werden einem als Zuschauer auch die Gefahren der Expedition durch Kälte, Nahrungsnot, Treibeis oder Schneestürme sehr gut verdeutlicht und speziell Tierfreunde werden bei einigen Entscheidungen Shackeltons schwer schlucken müssen.
Alles in allem ein Ereignis unserer Geschichte, dass sehr real für den Zuschauer aufbereitet wurde und das ALLES hat. Humor, Abenteuer, Gefahr, Dramatik, Emotionen.