Was man aus den vorangegangenen Bewertungen - ob nun positiv oder negativ - entnehmen kann, ist ein großes Fragezeichen in Bezug auf die Aussage und das Genre des Films.
Die Antwort ist wie ich finde ganz einfach: Der Film ist in keine Schublade zu stecken. Am Anfang wird herzlich gelacht und man wähnt sich in einem äußerst kultigen, britischen Schwarzhumorstreifen, doch dann nimmt der Film eine überraschende Wendung. Protagonist Gal von seiner Vergangenheit eingeholt. Der alternde "Gangster im Ruhestand" wird vom psychopathischen Mittelsmann Logan zu einem weiteren Job genötigt. Nach und nach entwickelt die Story Elemente eines Psychothrillers. Besonders gelungen ist dabei der fließende Übergang, perfekt hervorgerufen durch die Rolle des Logan. Am Anfang muss man lachen über die von Ben Kingsley phantastisch gespielte kauzige Art des Mannes, dann wird aus Spaß langsam ernst, bis die angespannte Atmosphäre und die gewalttätige Unberechenbarkeit Logans einem die Kehle zuschnürt.
Das Gewissen von Gal wird von einer grotesken Phantasiegestalt dargestellt, einem mannshohen, entstellten Hasenmenschen. Auch hier spielt das Drehbuch mit dem Zuschauer. Ist die Gestalt ein Gag zum Lachen, oder sind die Phantasie-Sequenzen bedrohliche Psychoschocker?! Die meisten Zuschauer dürften zurecht letzteres empfinden. Auch der Job, den Gal schließlich doch annimmt, ist ein Trip durchs Ungewisse, sowohl für den Protagonisten, als auch für den Zuschauer. Befindet man sich immernoch in einer Komödie, oder in einem zum Zerreissen gespannten Thriller, bei dem man nicht weiß, ob Gal lebend herauskommt?
Der Story ist deshalb - für mich im positiven Sinne - außergewöhnlich und herausragend. Der Film selbst ist auf seine handwerklichen Künste bezogen, wie etwa Ton, Kamera, Schnitt etc, ganz großer Sport. Er trägt die Handschrift des Werbe-Filmers Jonathan Glazer, der mit dem Streifen sein vieldekoriertes Filmdebut feierte. Hervorragend auch, wie schon erwähnt, die Schauspieler, allen voran Ben Kingsley. Fazit: Unbedingt ansehen!