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4.0 von 5 Sternen
Guter Überblick über spannende Konzepte - kein Lehrbuch, 5. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Sexuelle und körperliche Gewalt: Therapie jugendlicher und erwachsener Täter (Taschenbuch)
Deegener vereint in seinem Buch Sexuelle und körperliche Gewalt" hauptsächlich sogenannte Werkstattberichte", d.h. behandelnde Therapeuten berichten von ihren Projekten in der Therapie mit Sexual- und Gewaltstraftätern. Der Leser gewinnt zahlreiche spannende Einblicke in verschiedene Behandlungsmodelle. Deegener lässt dabei bewusst unterschiedliche therapeutische Schulen zu Wort kommen, so dass jeder eingeladen ist, auch über seinen persönlichen Tellerrand zu schauen. Die Artikel sind allesamt gut lesbar verfasst und liefern einen prägnanten Eindruck in die tägliche Arbeit der Therapeuten. Schade nur, dass die Autoren der Beiträge nicht näher vorgestellt werden.
Diesem Buch - von 1999 - sei eine baldige Neuauflage gewünscht. Eine bessere Abstimmung der Beiträge aufeinander, v.a. ein inhaltliche Gliederung des Buches sind ebenso zu wünschen wie eine systematischere Darstellung der Ätiologie von Sexualstraftaten. Auch wäre ein Kapitel über die juristische Behandlung von Sexualstraftätern sinnvoll.
Für interessierte Leser folgen jetzt zusätzliche Informationen über die einzelnen Artikel:
Einleitend liefert Deegener einen Überblick über das Ausmaß (sexueller) Gewalt in Deutschland und ihre Behandlungsmöglichkeiten. Gut gelingt ihm dabei der Spagat zwischen populär- und wissenschaftlicher Ausführung.
Es folgt ein dank eines Fallbeispiels sehr anschaulicher Bericht von einer Station für junge Sexualstraftäter in den Rheinischen Kliniken Viersen.
Michael Heilemann erläutert im nächsten Kapitel einen Klassiker: das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) in der Jugendanstalt Hameln. Seine Neigung zu einer eher laxen Sprache und einer latenten Selbstbeweihräucherung zeigt sich zwar auch in diesem Beitrag, jedoch ist dieser wesentlich informativer und sachlicher verfasst als sein mit von Fischwasser-Proeck verfasstes Buch zum AAT.
Im nächsten Kapitel wird der familienorientierte Ansatz der Einrichtung Kind im Zentrum" in Berlin vorgestellt. Nach einem spannenden Einstieg in die Therapie des Täters UND seiner Familie verliert sich der Autor dieses Beitrags schnell in einer kaum verständlichen und nichts sagenden psychoanalytischen Terminologie (v.a. Lacan). So gerät die Darstellung des gruppentherapeutischen Konzepts viel zu kurz.
Ein sehr anschauliches Beispiel kognitiv-verhaltenstherapeutischer Tätertherapie findet sich hingegen im Beitrag über das Wiener Modell". - Einen ähnlichen, sehr bekannten Ansatz aus England, das SOTP, stellt Ruth E. Mann im hinteren Teil des Buches vor. Dieses Kapitel hätte aber durchaus ausführlicher ausfallen können.
Anschließend findet sich ein kurzer Überblick über die Arbeit der Beratungsstelle der AWO Duisburg für Inhaftierte / Entlassene und ihre Familien sowie der AWO in Düsseldorf. Hier gelingt auch z.T. eine sehr anschauliche Übertragung psychoanalytischer Konzepte auf die Problematik von Sexualstraftätern. Wertvoll ist aber besonders die differenzierte Darstellung der Behandlung im Spannungsfeld zwischen therapeutischem Anspruch, Justiz und Ethik.
In übersichtlicher Form wird im folgenden die Arbeit der PRO FAMILIA mit Sexual- und Gewalttätern in Schleswig-Holstein vorgestellt.
In einem Überblicksartikel werden dann verschiedene kommunale Ansätze zur Intervention bei häuslicher Männergewalt diskutiert. Dabei wird auch nüchtern über (Miss-) Erfolge der Behandlung gesprochen.
Ulrich Kobbé befasst sich anschließend mit Klinik, Praxis und Ethik der Behandlung im Maßregelvollzug. Leider ist ein roter Faden in seinem Beitrag kaum zu erkennen. Auch bleiben seine Schlussfolgerungen leider recht trivial und gleiten leicht ins pathetische ab. Spannend hingegen seine Ausführungen zum Erlernen von "Selbstversorgung" im Maßregelvollzug.
Der folgende Beitrag über die sehr bekannte Dr. Henri van der Hoeven Klinik in Utrecht ähnelt den anderen Artikeln über kognitive Behandlungsformen. Sehr informativ sind dabei die Ausführungen zu einer Typologie von Sexualstraftätern. Intensiv setzen sich die Autoren dieses Beitrags auch mit dem Konzept des Delikszenariums auseinander.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Informativ, 21. März 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Sexuelle und körperliche Gewalt: Therapie jugendlicher und erwachsener Täter (Taschenbuch)
Für die Arbeit mit gewaltätigen und sexuell straffällig gewordenen Jugendlichen gibt das Buch einen guten Überblick. Wer mit dieser Klientengruppe noch nicht gearbeitet hat, bekommt so viele Informationen. Hintergründe der Straffälligkeit werden beleuchtet. Viele Beiträge regen zum Nachdenken an. Empfehlenswert nicht nur für Profesionelle.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auch für Laien streckenweise verständlich, 30. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Sexuelle und körperliche Gewalt: Therapie jugendlicher und erwachsener Täter (Taschenbuch)
ist das Buch ein sehr umfassendes Werk zum Thema Therapie von Tätern des besonders in der Öffentlichkeit verrissenen Typus der Gewalttäter und Kindesmißhandler. In den unterschiedlichen Kapiteln, die inhaltlich sich mit verschiedenen Aspekten daraus befassen wird mit der Zeit begreifbar, daß diese Täter mit den in ihnen ruhenden Vorschädigungen nicht grundlos in unserer Gesellschaft lange unerkannt bleiben: sie sind dem Normalbürger erschreckend ähnlicher als es dieser es eigentlich wissen will. Viele Probleme dieses Tätertyps sind einem breiten Kreis der Normalbürger nicht fremd. Natürlich werden sie deshalb nicht automatisch zu Tätern, doch wie aus den vermuteten Dunkelziffern zu erahnen, ist die Thematik auch weitgehendst nicht gänzlich in die Öffentlichkeit gekommen: das Gros der Täter wird nicht angezeigt. Erst dadurch haben die traumatischen Folgen der Tat die Möglichkeit über Generationen weitergegeben zu werden, was ein viel vertretener Grund für die spätere Täterschaft ist: das fehlende Unrechtsbewußtsein. Deegener gelingt selbst für den Laien verständlich zu erklären, wie therapeutisch dem Täter auf die Sprünge geholfen werden kann, seine Täterschaft zu erkennen, was die Basis für die weitere Behandlung bildet. Leider ist in weiten Passagen der anderen Autoren nicht alles für den Laien verständlich, doch wenn man sich der Thematik auf dem fachlichen Wege nähern will, ist es ein sicherlich lesenswertes Buch. Eine überarbeitete Neuauflage wäre sicherlich wünschenswert.
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