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Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung: Heterosexualität - Homosexualität - Transgenderismus und Paraphilien - sexueller Missbrauch - sexuelle ... - sexueller Mißbrauch - sexuelle Gewalt [Gebundene Ausgabe]

Peter Fiedler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

11. August 2004
Auch in unserer "aufgeklärten" Gesellschaft herrscht beim Thema Sexualität ein gewisses Unbehagen und großes Unwissen - besonders bei Fragen der sexuellen Abweichung und der sexuellen Übergriffe. Peter Fiedler bietet einen sachlichen und fundierten Überblick über ein vielschichtiges Themenfeld (inkl. Prävention und Behandlung sexueller Delinquenz). Sexueller Missbrauch von Kindern und sexuelle Gewalt gegen Frauen sind seit Jahren öffentliche Dauerthemen. Dabei gerät auch die Wissenschaft unter Druck, sich mit den Ursachen dieser Straftaten sowie mit den Möglichkeiten der Behandlung von Tätern auseinander zu setzen. Allerdings sind die Ursachen sexueller Delinquenz nicht in den sexuellen Orientierungen oder Präferenzen der Menschen zu suchen (etwa in den sog. Perversionen). Eine wichtigere Rolle spielen Erziehung und Umgebung sowie mediale und subkulturelle Einflüsse. Diese Erkenntnisse können bei der (integrativen) Behandlung von Sexualstraftätern genutzt werden. Das Buch informiert über Unterschiede zwischen - sexueller Orientierung und der Vielgestaltigkeit sexueller Interessen des Menschen und - sexueller Delinquenz als Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Es versteht sich als Mischung aus Lehrbuch und Stellungnahme.

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Pressestimmen

"Ich bin sehr angetan von diesem Buch. Es besticht durch seine konsequente forschungsorientierte und nicht 'ideologische' Sichtweise, die natürlich politische Diskussionen auslösen wird, da hier Ideologien eine wichtige Rolle spielen. Peter Fiedler wird nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, ganz nach dem Motto von Klaus Grawe: 'Von der Konfession zur Profession'. Ich hoffe, dass dieses Buch sehr viele Leser findet und dass damit die Diskussion um 'Sexualstraftäter' und deren Behandlung auf einer wissenschaftlichen und nicht ideologischen Basis geführt werden kann. Dies ist sicherlich im Sinne der Betroffenen wichtig, und zwar nicht nur der Täter, sondern auch der Opfer." Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis "...Von daher gehört dieses Buch in jedem Fall in die Handbibliothek einer Beratungsstelle und sollte von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter wenigstens so weit gekannt werden, dass im Bedarfsfall darauf zurückgegriffen werden kann." Beratung Aktuell, Junfermann, Paderborn "Pervers oder normal? Keiner weiß darüber so richtig Bescheid. Der Sexleitfaden des Heidelberger Psychologieprofessors Fiedler geht dieser Frage ohne Tabu auf den Grund. Der Begriff 'pervers' muss neu interpretiert werden." Sie + Er; SonntagsblickMagazin; auch Beilage überregionaler Schweizer Tageszeitungen

Über den Autor

Peter Fiedler ist Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Heidelberg. Forschungsschwerpunkte und Fachpublikationen zur Ätiologie und Behandlung psychischer Störungen, insbes. Persönlichkeitsstörungen, Depression, dissoziative Störungen, posttraumatische Störungen und Paraphilien.

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5.0 von 5 Sternen Psychopathia sexualis nova 15. Dezember 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Zu Recht nennt Andreas Marneros dieses Buch in seinem "Geleitwort" eine "Bibel für Sexualwissenschaftler, Psychologen und Psychiater". Es handelt sich um eine umfassende Darstellung sexueller Identitiäts-, Orientierungs- und Präferenzstörungen, um eine "Literaturarbeit" im besten Sinne des Wortes. Im Zentrum steht dabei der klinisch-therapeutische Aspekt, flankiert von historischen und rechtlichen Betrachtungen. Fiedler entwickelt hier keine neue Metatheorie sexueller Störungen, sondern kritisiert und diskutiert die vorliegenden Theorien, v.a. unter Bezugnahme auf empirische Studien.

Dass trotz der unzähligen Referenzen auf empirische Arbeiten das Buch lesbar und sogar sehr gut lesbar geblieben ist, kann dabei gar nicht genug betont werden. In der guten Lesbarkeit sehe ich paradoxerweise aber auch eine gewisse Gefahr. Denn Fiedler jongliert so souverän mit den empirischen Daten, dass ihm der Leser wohl oder übel vertrauen muss. Das Datenmaterial ist so gekonnt in die Argumentationslinie eingebaut, dass ein suggestiver Sog entsteht. Eine Nachvollziehbarkeit oder kritische Überprüfung seiner Quellen ist kaum möglich. Und als Leser vergisst man nur allzu schnell, dass hier ja nicht die Daten selbst sprechen, sondern dass es sich um Fiedlers Interpretation der Daten handelt.

In Teil I (Kapitel 1 und 2) gibt er einen - an Foucault orientieren - historischen Abriss über den Umgang mit Sexualität bzw. die damit verknüpften Disziplinierungsstrategien. In Teil II beschäftigt er sich mit sexueller Identität, Orientierung und Rolle. Dieser Teil besteht aus einem einführenden Kapitel mit Begriffsdefinitionen und sozialpsychologischen Daten (Kapitel 3), einem umfangreichen Kapitel über die Entwicklung sexueller Orientierung (Kapitel 4), in dem unterschiedlichste Erklärungsmodelle diskutiert werden und einem eher medizinisch orientierten Kapitel über Transsexualität und Intersexualität (Kapitel 5). Teil III gibt eine umfassende Darstellung der Paraphilien, beginnend mit einem historisch-kritischen Überblick (Kapitel 6). Danach werden die "nicht-problematischen Paraphilien" (Kapitel 7), sowie die "gefahrvollen Paraphilien" (Kapitel 8) dargestellt. Teil IV beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit psychiatrisch-forensischen und therapeutischen Themen. Fiedler gibt zunächst einen Überblick über die rechtliche und gesellschaftliche Dimension von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt (Kapitel 9) und beschäftigt sich danach mit der Diagnostik (Kapitel 10), Ätiologie (Kapitel 11) und Therapie (Kapitel 12) von psychischen Störungen im forensischen Kontext.

Im Buch wird durchgängig sowohl mit dem DSM IV TR als auch der ICD 10 gearbeitet. Fiedler übernimmt aber nicht einfach die Diagnosen, sondern diskutiert diese beiden Standard-Manuals immer wieder kritisch und zeigt die historische Entwicklung von Diagnoseschemata auf. Im Buch wird auch durchgängig - zum Teil sehr ausführlich - auf Rechtsaspekte Bezug genommen, Das betrifft Themen wie das Gesetz über eingetragene Lebenspartnerschaften, Insemination, Adoption, Pflegschaft, das Transsexuellengesetz oder die forensische Beurteilung von Sexualvergehen im Hinblick auf Haftstrafe oder psychiatrische Verwahrung.

Besonders gut gefallen hat mir, dass Fiedler sich erst gar nicht bemüht hat, eine pseudo-objektive Haltung einzunehmen. Jedes Sprechen über Sexualität und ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Störungen ist, wie Fiedler immer wieder zeigt, nicht zu trennen von wissenschaftlichen und vorwissenschaftlichen Paradigmen, kulturellen Moralvorstellungen und nicht zuletzt subjektiven Überzeugungen und Werten. Fiedler positioniert sich hier, auch persönlich, wenn er etwa homosexuelle Orientierung als "normal" oder Fetischismus, Transvestitismus oder Masochismus als "unproblematisch" bezeichnet.

Wie entscheidend eine solche vor-klinische Haltung ist, zeigt sich nicht zuletzt an den vorgeschlagenen Therapiemodellen. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob beispielsweise die Zielsetzung einer Therapie Bestätigung oder Korrektur einer sexuellen Orientierung ist. Überhaupt hat mich das pragmatische Therapieverständnis von Fiedler überzeugt, also die Betonung der Einheit von Theorie, Praxis, Evaluierung der Praxis und Anpassung der Theorie.

Gibt es etwas, was in diesem Buch nicht angesprochen wird? Zwei Aspekte könnte ich nennen. Zum einen beschäftigt sich Fiedler (bei der Sexualdelinquenz) hauptsächlich mit der Täterpsychologie. Über die Opferseite erfahren wir hingegen eher wenig. Zum anderen vermeidet Fiedler weitgehend die Diskussion gesellschaftstheoretischer oder sozialphilosophischer Implikationen. Ich möchte das bei einem Buch mit fast 500 eng beschrieben Seiten nicht als Fehler kritisieren, aber doch festhalten.

Ich glaube, dass dieses Buch unverzichtbar ist für jede Diskussion über sexuelle Störungsbilder. Unverzichtbar gerade dann, wenn man die oft spannenden psychoanalytischen Theorien zu diesem Thema im Kopf hat. Fiedler stellt dann mit nüchternen Daten sicher, dass sich die Theorien nicht verselbstständigen - vielleicht zum Leidwesen der Theoriegebäude, aber sicher zum Wohle der Betroffenen
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein aufklärendes und aufgeklärtes Lehrbuch! 23. August 2012
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Hallo,
ich bilde mich derzeit zum systemischen Therapeuten fort und konnte mich zunehmend des Eindruckes nicht erwehren, dass das so wichtige Thema Sexualität in der Fortbildung unterbelichtet bleiben wird. Auf Empfehlung kaufte ich mir das Buch von Herrn Fiedler und bin begeistert. Durch die klare Sprache, dem guten Aufbau und der starken inhaltlichen Breite hebt sich das Buch von so manch anderem Lehrbuch in der Psychologie wohltuend ab.
Peter Fiedler startet im ersten Teil mit einer Einführung in das Thema sexuelle Orientierung und definiert, was eine sexuelle Abweichung eigentlich ausmacht (Kapitel 1). In dem ebenfalls einführenden Kapitel 2 legt er die geschichtlichen Hintergründe zum Thema dar und entwickelt seinen Definitionsapparat für den weiteren Gang des Buches weiter. Teil II befasst sich in drei Kapiteln mit der Geschlechtsidentität. Der teilweise politisch wirkende Text ist meines Erachtens nach von sehr hoher Aktualität, insbesondere im Zusammenhang mit Vorurteilen gegenüber Homo- oder Bisexualität, Transgenderismus, Intersexualität oder in der derzeitige Diskussion um die Gleichstellung von "Homoehen". Das Buch ist ein wahrer Gewinn und das nicht nur im wissenschaftlichem Sinn. Teil drei (Kapitel 6 bis 8) setzt sich nun mit sexuellen Präferenzen und sexuellen Störungen auseinander. Auch hier zieht sich der aufklärende Charakter weiter durch, oft mit einer Spitze gegen die Psychoanalytik in den jeweiligen Unterkapiteln der Erklärungsmodelle und Behandlungskonzepte. Teil 4 (Kapitel 9 bis 12) stellt systematisch das Feld der sexuellen Straftaten dar. Auch hier geht Fiedler streng entlang seiner gesetzten Definitionen vor, berücksichtigt auch die rechtlichen Aspekte und gliedert sodann die letzten drei Kapitel entlang der logischen Linie psychische Störungen bei Sexualstraftätern (Kapitel 10) - integrative Erklärungsmodelle für Sexualdelinquenz (Kapitel 11) und psychologische Behandlung von Sexualstraftätern (Kapitel 12).
Zusätzliches Plus des Buches ist die Reichhaltigkeit an empirischen Nachweisen, so dass die Leserin und der Leser einen nahezu kompletten Überblick über den Forschungsstand bekommt und so nach der Lektüre besser in der Lage ist, so manch aktuelle Diskussion (z.B. zum Thema Rückfall) exakter verorten, also die häufig zu beobachtende politische und öffentliche Aufgeregtheit von der Faktenlage trennen zu können.
Viele Grüße
Stephan Peters
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