01. Das Alphakapitel
02. Eine kurze Geschichte des Sex
03. Wie die Kunstabteilung der Goofy Foot Press um ein Haar vom nuklearen Winter erfasst worden wäre
04. Unanständige Wörter
05. Nicht zu unterschätzen: Das Sichausziehen
06. Über den Penis
07. Innenansichten eines Mädchens
08. Wie Männer & Frauen den Sex erleben
09. Sonnenuntergänge, Orgasmen & Handgranaten
10. Sexsäfte
11. Das Zen des Fingerfucking
12. Handarbeit: Jeder nach seinem eigenen Rhythmus
13. Wenn Sie es in der Gegenwart Ihres Partners tun
14. Nippel, Nippel, Nippel
15. Mit den Lippen lieben
16. Eis am Stiel & Penisse
17. Oralsex: Vulvas & Honigtöpfe
18. Körper- & Rückenmassagen
19. Horizontales Jogging (Geschlechtsverkehr)
20. Von hinten durch die kalte Küche
21. Freunde & Helfer: Oszillator, Generator, Vibrator, Dildo
22. Allgemeine Verwirrtheit oder: Wo Kopf & Körper zusammenstoßen
23. Was feminin, maskulin & erotisch ist
24. Goofy & Gay
25. Ich kannte die Braut oder: Langjährige Beziehungen
26. Sekten & Sex
27. Rasieren Buddhisten ihr Schamhaar?
28. Die Kultur & ihr Abseits
29. Sexphantasien
30. Onan, der Barbar
31. Liebesträume, feuchte Träume & süße Träume
32. Technobrüste & Schrumpfpimmelparanoia
33. Wenn die Rote Armee kommt
34. Saubere Jeans, enge Jeans, Slips & Boxershorts
35. Abtreibung
36. Empfängnisverhütung & linke Sexbazillen
37. Penislegasthenie oder: Wie Sie Ihre Standfestigkeit erhöhen
38. Wenn Ihr System abstürzt
39. Wie sag ich's meinem Kind
40. Dr. Dog & der gestohlene Toast
41. Sex auf dem Highway (One for the Road)
42. Goofy sagt good bye
1. Das Alphakapitel
Na gut, dieser Ratgeber ist also ganz anders als die üblichen Bücher über Sex. Er enthält keine Bilder von männlichen oder weiblichen Geschlechtsteilen, die so aussehen, als stammten sie von frischen Leichen, er versteckt sich nicht hinter einem ausgefallenen Sexvokabular und liest sich auch nicht so, als sei er von Pastor Fliege verfasst worden.
Dieser Ratgeber möchte Sie vielmehr dazu ermutigen, Dimensionen der Sexualität zu erkunden, über die sonst wenig gesprochen wird - sei es der emotionale Gewinn, der darin liegt, sich zusammen auszuziehen, sei es die Frage, warum ein Typ, der zuviel Wind um seinen Penis macht, Schwierigkeiten bekommen wird, seine Herzallerliebste zufrieden zu stellen. Zu den behandelten Themen gehören kühle Handarbeit und heiße Schwärmerei, Küsse über und unter der Gürtellinie, Vibratoren, Freundschaft, und auch der Sex auf der Autobahn wird nicht unberücksichtigt bleiben.
Was aber vor allem rüberkommen soll, ist die Überzeugung der Autoren, dass es kaum eine Rolle spielt, was Sie in der Hose haben, sofern es in Ihrem Kopf nicht etwas gibt, mit dem Sie es kurzschließen können.
Machen Sie's, womit Sie wollen
Da dies nun mal ein Buch über Sex ist, scheint es einigermaßen nahe liegend, einleitend eine Definition von dem zu geben, was wir im folgenden unter Sex verstehen wollen. Allerdings gleicht der Versuch, eine solche Begriffsverwendung zu formulieren, dem Anlegen eines Diaphragmas: gerade, wenn frau glaubt, jetzt sitze es aber, wird es zum Berserker. Man bedenke beispielsweise nur die folgenden vier Fragen, die mindestens beantwortet werden müssten, wenn man denn tatsächlich zu einer Definition des Wörtchens Sex gelangen wollte:
? Allgemein wird der Geschlechtsverkehr als der eigentliche sexuelle Akt angesehen, also als das einzig Wahre. Wenn dem aber wirklich so wäre, wie kommt es dann, dass Knutschen und Fummeln oder sogar Händchenhalten manchmal schöner und erfüllender sind?
? Fast jede sexuelle Aktivität kann schmerzhaft, widerwärtig oder langweilig sein, wenn man sie mit jemandem ausübt, der einen nicht richtig anmacht. Heißt das nicht letztlich, dass der körperliche Anteil am Sex weniger wichtig ist als der, der sich im Kopf abspielt?
? Warum kann eine bestimmte sexuelle Spielart von dem einen Paar als höchst erotisch, von dem nächsten dagegen als absolut abstoßend empfunden werden?
? Wie kann ein Song, ein Auto oder ein Kleidungsstück sexy sein?
Vor diesem Hintergrund haben wir wohlweislich darauf verzichtet, dem großen Esel Sex einen Definitionsschwanz anzuheften. Jede Definition von Sex müsste, so scheint es jedenfalls, sowohl Ihre ganze Individualität als auch Ihre besonderen Lebensumstände berücksichtigen. Anstatt so zu tun, als wüssten wir darüber Bescheid, möchten wir deshalb lieber folgendes anmerken:
In Sachen Sex und Intimität lernt man sein Leben lang nie aus. Auch die in vielen Jahren gesammelte Erfahrung schützt nicht vor verheerenden Fehlern. Das Nützlichste, was wir Ihnen auf den kommenden Seiten mitteilen können, ist das, von dem wir wünschten, wir hätten es vor zwanzig Jahren gewusst. Machen Sie damit, was Sie wollen.
Moral und was man in der Hose hat
In weiten Teilen Amerikas wird Moral auch heute noch danach beurteilt, ob man seine Hosen anbehält oder nicht. Außerdem wird Moral vorwiegend mit Religion in Verbindung gebracht. In Wahrheit gibt es sowohl Christen als auch Juden, Muslime und Atheisten, denen wir eine hohe Moral zubilligen können, während es andererseits sowohl Christen als auch Juden, Muslime und Atheisten gibt, für die dies nicht zutrifft. Das gleiche gilt für Menschen, die sexuell aktiv sind, und für solche, die es nicht sind. Aus der Perspektive dieses Ratgebers bemisst sich Moral an der Fähigkeit einer Person, die Wünsche und Nöte ihrer Mitmenschen zu respektieren. Wie sie ihre Sexualität auslebt, spielt dabei keine Rolle, es sei denn, sie bricht dabei anderer Leute Vertrauen oder verletzt ihre Rechte.
Verhütung & linke Sexbazillen
Das Kapitel über Verhütung und Ansteckungsgefahren wird so unterschiedliche Themen behandeln wie das von jenen hygienisch unzuverlässigen Rammlern, die über alles herfallen, was nicht rechtzeitig auf die Bäume kommt, oder das von den Maßnahmen, die man treffen kann, damit sich der Gummi gut anfühlt. Wir hoffen, dass die dort entfaltete Einstellung zur Sexualität Ihnen helfen wird, sowohl unerwünschte Schwangerschaften als auch ein allzu frühes Begräbnis zu vermeiden. Vorläufig sei nur daran erinnert, dass alles, was zu tun auf dieser Welt sich lohnt, tödlich ausgehen kann, wenn man dabei unbedacht vorgeht. Sex kann hingegen sehr viel weniger riskant sein als eine Fahrt auf der Autobahn oder sogar durch die Stadt. Es hängt letztlich davon ab, wie schlau Sie sich beim Sex anstellen - und wie blöde beim Autofahren.
Rote Flagge - Herzensangelegenheiten
...
Die Gefühle, die eine Romanze begleiten, können magisch, verzaubernd und einfach wunderbar sein. Genauso gut aber auch absolut schrecklich. Man kann nur hoffen, dass die Liebe einen mit Freuden überhäuft, aber manchmal ist es halt nicht so. Auch eine in Ehren gehaltene Beziehung kann zerbrechen oder sich verzehren und einen mit solchem Kummer zurücklassen, dass man sich wünscht, tot zu sein. Die Tränen scheinen dann so tief aus dem Innern herauszuströmen, dass man sich fragt, ob sie jemals wieder versiegen werden. Andererseits können Liebe und Sex zu einem geheiligten Austragungsmedium für alle möglichen Ängste und Krisen werden, ein Medium auch für Verzeihenkönnen und persönliche Reifeprozesse.
Es gibt viele Gründe, Sex zu machen; einige haben mit Liebe zu tun, andere nicht. Viele von uns tun es, weil es einfach riesig Spaß macht, vor allem, wenn man es mit jemandem treibt, der einem viel bedeutet. Manche Paare nutzen auch die Gelegenheit, einfach ihre körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen, sexuelle Spannung (alias Geilheit) abzuführen. Einige Menschen bieten Sex an, um ihren Partner zu erfreuen oder zu beschwichtigen, und einige sehen darin ein Mittel, Sicherheit oder einen bestimmten Status zu erlangen. Es kommt auch vor, dass man es treibt, um ein Kind zu zeugen. Diese Sorte Sex entfaltet sogar eine zusätzliche Dimension, in der sich die Partner unglaublich nahe kommen können.
Den jüngeren Lesern sei an dieser Stelle gesagt: Wenn die Herzensangelegenheiten des Jugendalters manchmal als unreife Schwärmerei abgetan werden, dann ist das ein reifer Blödsinn. Schwärmereien sind mitunter die stärksten Gefühle, die man im Leben überhaupt hat. Pflegt sie, haltet sie in Ehren. Was die Frage des Sex mit dem Jugendschwarm angeht, so wird sich dieser Ratgeber hüten, dazu ja oder nein zu sagen. Es mag wunderbar sein, muss es aber nicht. Macht euch jedenfalls klar, dass zu einer großen sinnlichen Erfahrung in der Regel mehr gehört als die schlichte Hydraulik des Einführens von etwas Hartem in etwas Nasses. Für manche Leute liegt zumindest das, was schöne sexuelle Erinnerungen von schlechten trennt, in solchen Unwägbarkeiten wie Spaß, Freundschaft, Liebe und Respekt.
Es mag auch hilfreich sein zu bedenken, dass sich mit zunehmendem Alter die sexuellen Erwartungen ändern können. Mit siebzehn zum Beispiel kann das reine Rumvögeln ohne Wenn und Aber das Allergrößte sein. Wenn man dann jedoch vierunddreißig wird, hat man einiges an Erfahrung unter dem Gürtel. Vielleicht möchte man jetzt, dass einen die Sexualität in andere emotionale Gefilde führt. Vielleicht sucht man jetzt andere Qualitäten in seinem Partner, als man es mit siebzehn getan hat. Zu hoffen ist allerdings, dass man, unabhängig vom Alter, im Sex immer etwas Besonderes zu erblicken vermag.
Tabellen, Diagramme & Sexerhebungen
Dieses Buch enthält keinerlei Tabellen oder graphische Darstellungen. Sollten Sie zu denen gehören, die auf derlei abfahren, bedenken Sie doch dies: Wie kann man den Wert eines liebevollen Blickes oder einer von Herzen kommenden Umarmung graphisch erfassen? Und versuchen Sie mal, in einer langlebigen sexuellen Beziehung ohne diese Dinge auszukommen! Anstatt die passenden Diagramme für möglichst alle Leser rauszusuchen, bemüht sich dieser Ratgeber vielmehr, die ganze Bandbreite von sexuellen Vorlieben und Obsessionen auszuloten, seien sie konservativ, eklektisch oder abgedreht. (Gibt es jemanden da draußen, der nur das eine oder das andere ist?)
Ähnliches gilt auch für die Umfragen und Erhebungen zu Fragen der Sexualität. Diese werden alle Jahre wieder veröffentlicht, immer mit dem Anspruch, die letztgültige statistische Erfassung dieses Gebietes darzustellen. Dazu führe man sich nur vor Augen, welche Probleme die US-Bundesregierung hat, eine genaue Volkszählung vorzunehmen, obwohl es da ja nur zwei Fragen zu stellen gibt: die nach der Adresse und die danach, ob das Herz noch schlägt. Wer kann sich, dies vor Augen, eine Truppe von fünf bis zehn Forschern bei dem Versuch vorstellen, die Sexualität von 250 Millionen Menschen zu dokumentieren? Selbst wenn sich Ihre sexuelle Aktivität auf das Masturbieren beschränkt, dürfte sie immer noch zu komplex sein, um von Tabellen, Diagrammen und Statistiken adäquat erfasst zu werden.
Abschließende Alphaanmerkung
Die meisten Menschen werden sich sicherlich darauf einigen können, dass Sex dann am besten ist, wenn er ehrlich, respektvoll und vergnüglich ist. Das gleiche sollte für Bücher über Sex gelten. Wir wollen doch sehr hoffen, dass Sie nirgends eine ehrlichere Einschätzung von Liebe und Sex finden als auf den folgenden Seiten, keine Publikation, die mehr Respekt für ihre Leser an den Tag legt als diese. Was aber die Sache mit dem Vergnügen angeht, so lesen Sie doch einfach weiter!
2. Eine kurze Geschichte des Sex
Dieses Kapitel versucht sich an einer knappen historischen Darstellung der Sexualität im modernen Amerika und erfasst den Zeitraum von den 50er bis zu den 90er Jahren dieses Jahrhunderts. Keine Sorge also, es wird nicht davon die Rede sein, wie George Washington einst den eisigen Potomac überquerte, wenngleich man sagen muss, dass Menschen jederzeit gewillt waren, zu ähnlich drastischen Maßnahmen zu greifen, wenn sie längere Zeit keinen Sex gehabt hatten.
Sex von den 50ern bis Mitte der 60er
...
Einige Autoren suggerieren einem, dass es in den 50er Jahren überhaupt keinen Sex gegeben habe, dass dieser vielmehr erst in den 60ern erfunden worden sei, als die Menschheit begann, Liebe statt Krieg zu machen. Das ist nicht wahr. Leute, die in den 50ern aufwuchsen, legen Wert auf die Feststellung, dass es jede Menge Sex gegeben habe. Nur habe man eben gewartet, bis man verheiratet oder jedenfalls volljährig war, ehe man zum Geschlechtsverkehr geschritten sei. Auch war es wohl so, dass man länger als später üblich miteinander ging, bevor man endlich zur Sache kam. Da die Jungfräulichkeit der Frau damals ziemlich hoch gehandelt wurde, ist es gut möglich, dass Handarbeit und oraler Sex in den Paarbeziehungen eine größere Rolle spielten als der Geschlechtsverkehr.
Sex in den 1950ern
Für weibliche Singles war das sexuelle Agieren in den 50ern eine echte Herausforderung, da sie zur Erfüllung der gesellschaftlichen Erwartungen zwar genug preisgeben sollten, um einen Mann bei Laune zu halten, aber wiederum nicht soviel, um sich einen schlechten Ruf zu erwerben. (Doch hat sich eigentlich in dieser Beziehung so viel geändert?) Einige Frauen haben sich diese Doppelmoral zunutze gemacht, andere empfanden sie als reine Unterdrückung. Es dürfte in jedem Fall interessant sein, sich mit Leuten zu unterhalten, die in den 50er Jahren sexuell aktiv waren.
Der Rolling-Stones-Orgasmus, von etwa 1966 bis 1977
Für junge Leute gab es in den späten 60ern bis tief in die 70er Jahre hinein mindestens drei verschiedene Arten von sexueller Erfahrung.
Die erste bestand darin, es sich selbst mit der Hand zu besorgen. Eine überaus aufrüttelnde und intensive Erfahrung, die für viel Entspannung und Zufriedenheit sorgte und gleichzeitig wenig Geschicklichkeit und Mühe erforderte. (Einige von uns, die zur Sonntagsschule gingen, versuchten das Masturbieren zur österlichen Fastenzeit einzustellen, und so bekam dann der Palmsonntag seinen Namen.)
Die zweite Methode war noch besser. Viel besser sogar. Sie kam nämlich dann ins Spiel, wenn man glücklich genug war, eine Liebste zu haben. Wenn sich die verschämten Blicke trafen, wenn man Händchen hielt, wenn sich die Lippen berührten, wenn man miteinander telefonierte. Der zweite Typus sexueller Erfahrung ließ einen ganzen Schwarm von Schmetterlingen in deinem Bauch Purzelbäume schlagen und sorgte dafür, dass du mit deinem Leben höchst zufrieden warst. Dann hämmerte es in deinem Herzen und haute dich fast von den noch ungeschickten Füßen.
Die dritte Art von sexueller Erfahrung setzte in dem Moment ein, wenn die zweite Art sich dem Geschlechtsverkehr zuzuwenden begann. Was im Englischen mit der sehr einleuchtenden Metapher »to go all the way« bezeichnet wird.
Doch wurde diese dritte sexuelle Erlebnisart nun als die allerbeste empfunden? Nicht immer. Nehmen Sie etwa den Fall des federführenden Autors dieser Zeilen, der sich noch gut daran erinnern kann, was es für ihn bedeutete, »den Weg bis zum Ende zu gehen«. Einen Steifen zu kriegen, war gewöhnlich kein Thema, aber man musste ihn ja auch noch in diesem Zustand halten, während man die Liebste so feucht zu bekommen versuchte, dass es zum Geschlechtsverkehr reichte. Und dann war man gezwungen, für den Rest des Vorgangs intensiv an Baseball zu denken, um der Peinlichkeit des zu frühen Kommens zu entgehen.
Jämmerlich. Ausgesprochen jämmerlich. Und unglücklich.
Viel schöner war es da doch schon, lange Spaziergänge zu machen, im Schlamm Football zu spielen, gegen diverse Gesetze und Vorschriften zu verstoßen und in Sommernächten seinen Kopf im Schoß einer speziellen Person zu betten, in ihr vom Mond und einer Milliarde Sternen erleuchtetes Gesicht zu starren. Zum allerbesten zählte auch das Musikhören - der Rock 'n' Roll wurde zum Mittelpunkt des Universums.
Zum Glück gab es aber auch eine Menge Leute, die sich ihren Spaß am Geschlechtsverkehr nicht nehmen ließen. Die Einführung der Antibabypille in den 60ern verstärkte das Gefühl der sexuellen Freiheit schließlich nicht unerheblich. Und es gab noch andere Faktoren, die den sexuellen Klimawechsel im Amerika jener Zeit begünstigten: die Invasion von britischen Rockbands, der Genuss von Marihuana bzw. LSD und anderen psychedelischen Drogen, die Medien, der Minirock, die Frauen- und die Antikriegsbewegung.
Die Klitoris, 1966 n. Chr.
Neben der Eroberung des Mondes bestand eine weitere Errungenschaft der Wissenschaft in den 60er Jahren darin, die Menschheit mit dem Wort »Klitoris« bekanntzumachen. Zwar war die Klitoris an sich durchaus keine Erfindung der 60er, doch gab es wenige, die sie hätten beim Namen nennen können, dafür aber viele Männer (und auch Frauen), die keinen blassen Schimmer von ihrer Funktion hatten.
Ein eher unseliger Aspekt dieser Neuentdeckung war, dass die Klitoris nun vielfach als Minipenis beschrieben wurde. Was dazu führte, dass einige Männer, im ehrlichen Bestreben, ihrer Partnerin Freude zu bereiten, die Klitoris mit der gleichen Intensität zu reiben begannen, mit der sie ihren männlichen Maxipenis behandelt wissen wollten. Dass eine solche Behandlung für die Frau sehr unangenehm sein kann, konnten sie ja nicht wissen.
Ungeachtet der bis zum heutigen Tag fortdauernden großen Klitorispanik sollte mann sich mit handfesten Aufmerksamkeiten doch etwas zurückhalten. Denn wenn es eine aus den 60ern zu überliefernde Lektion geben sollte, dann doch wohl die, dass man sich bei der Partnerin erkundigt, was sich für sie am besten anfühlt. Stattdessen waren wir Männer jedoch häufig von dem Gedanken besessen, »ihre Klitoris finden« zu müssen und machten uns dann ans Werk wie ein muslimischer Fundamentalist auf göttlicher Mission. Dennoch: Nach der Entdeckung der Klitoris konnte es kein Zurück mehr geben - so dachten wir jedenfalls.
Sex in den 80ern und 90ern - Vom Cash Flow in den Hintergrund gedrängt
Über den Sex in den 80er und 90er Jahren kann man schon einiges lernen, wenn man sich das Dilemma eines populären konservativen US-Präsidenten vergegenwärtigt, der zu der Zeit im Amt war. Gab doch dieser Präsident Millionen von Dollar an Steuergeldern aus, um ein Amt für Enthaltsamkeit zu schaffen, dessen Aufgabe es war, die Amerikaner für die Segnungen der Jungfräulichkeit zu begeistern. Wenige Jahre später jedoch sah man die Tochter des besagten Präsidenten, sein eigen Fleisch und Blut also, splitterfasernackt und mit gespreizten Beinen in einem bekannten Wichsmagazin für Männer posieren. Schicksal.
Einer seiner Nachfolger wollte da nicht nachstehen und feuerte, um sein eigenes moralisches Image aufzumöbeln, seinen Gesundheitsminister für eine Meinungsäußerung, die dieser zum Thema Masturbation abgegeben hatte. Und so formt sich das Erscheinungsbild des Sex im Amerika der letzten zwei Jahrzehnte: eine Art siamesischer Zwilling, dessen einer Teil sich puritanisch, der andere hedonistisch gibt. Vielleicht aber war es ja auch schon immer so, nur dass die Medien heutzutage diesen Sachverhalt so grell ins Blickfeld rücken, dass er nicht mehr zu übersehen ist. Wie auch immer, es ergibt sich die traurige Tatsache, dass uns die Erwähnung des Wortes »Sex« in den 90er Jahren nicht allein an Spaß oder Heilsames denken lässt, sondern ebenso an Krankheit.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.