--- Inhalt und Kritik ---
War das vorherige Album von Robin Thicke voll von handgemachtem Soul im Stil der späten 70er und frühen 80er, ändert sich dies auf SEX THERAPY: THE SESSION ein wenig. Am PC erstellte Hip-Hop-Beats können vernommen werden, der Synthetikanteil ist deutlich höher als bei seinem 2008er Werk SOMETHING ELSE. Man höre zur Bestätigung dieses Eindrucks nur in die Titel SHAKIN' IT 4 DADDY und ELEVATAS herein.
Zum Glück ist in anderen Tracks noch der Einsatz gewisser Instrumente zu hören, die einen Song erst ins Genre R'n'B und Soul einordnen lassen (beispielsweise MRS. SEXY mit seinem dezenten Schlagzeug, leisen Streichern und Trompeten).
Im Gesamteindruck dürfte man dennoch Thickes Tendenz erkennen in den Mainstream-Pop hineinzurutschen. Dadurch büßt er zwangsläufig an Individualität und an seiner früheren Ambition zur Rückkehr des klassischen Souls ein. Das ist bei einem Künstler mit so viel Potenzial wie Robin Thicke in der Tat schade.
Trotz der eher qualitätsminderen Entwicklung weiß der Sänger dann aber doch im Großteil der Tracks zu überzeugen. Der Titeltrack SEX THERAPY, ebenso wie ROLLACOASTA mit Estelle und DIAMONDS mit Game wissen sich konstant im Ohr zu verankern.
Dazu kann Thicke mit seiner samtnen Stimme, die irgendwo zwischen Michael Jackson und Justin Timberlake anzusiedeln wäre, so ziemlich jedes Gefühlsspektrum abdecken, das mit den Themen Liebe und Sex verbunden ist. Entweder sinnlich fordernd oder einschmeichelnd sanft, Robin Thicke gelingt es immer seinen Tracks Leben einzuhauchen. Dadurch schneidet SEX THERAPY: THE SESSION dann am Ende doch nicht so schlecht ab.
--- Kurz zum CD-Booklet ---
Das CD-Booklet enthält Porträtaufnahmen des charismatischen Sängers mit anzüglichen, kecken Gesichtausdrücken. Das passt wunderbar zum Konzept der Platte. Auf das Abdrucken der Songtexte wurde leider verzichtet.
--- Fazit ---
Kurzum ist SEX THERAPY: THE SESSION ein äußerst eingängiges Werk, das die vorigen Ambitionen von Robin Thicke zu einem eher organisch angelegten Sound ein wenig unterwandert. Wegen seiner poppig-synthetischen Ausrichtung wäre das Album erstklassiges, kurzlebiges Chartmaterial. Robin Thickes Stimme gibt dem Qualitätspfeil dann aber doch die Richtung nach oben. Denn ohne sein Zutun wäre SEX THERAPY an den meisten Stellen nix Besonderes, sondern etwas vollkommen Austauschbares. Dem ist letztendlich nicht so, deswegen vergebe ich dreieinhalb Sterne dafür.
Für das nächste Album wünsche ich mir, dass Robin Thicke wieder verstärkt auf echte Instrumente setzt um seine 1A-Stimme, die für den Soul prädestiniert scheint, ins rechte Licht zu setzen.