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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Am Rande des Wahnsinns und mittendrin, 18. Februar 2003
"Vergeßt euer Leben davor, nichts ist mehr wichtig, hat Bedeutung, außer, daß ihr es schaffen müßt, 24 Stunden durchzuhalten. In einer großen Stadt, in der wirklich nichts Gutes passiert, alleine, müßt ihr laufen, und ihr wißt nicht, ob ihr am Ende draufgeht oder ob dann der Horror erst beginnt..." Sibylle Berg schreibt wie Gott, denn sie ist Gott, bzw. wirkt so. Ihre Bücher sind einzigartig. Hat man einmal angefangen, ein Buch von ihr zu lesen, will man es nicht mehr aus den Händen geben - nein - man will darin versinken, ein Teil ihrer Prosa werden, sich von ihrer Kreativität begatten lassen. Einige Menschen kommen sicher nicht auf ihre Themen und ihre Schreibweise klar, denn sie schreibt unkaschiert, wie das Leben in Wirklichkeit ist, worüber der Mensch hinweg sieht, was eigentlich wichtig ist. In "Sex II" geht es um sie, Sibylle Berg (33), sie schreibt von einem Morgen, an dem sie aufsteht und nichts mehr so ist, wie mal war, wie es schien. Sie hat plötzlich die Gabe bzw. den nicht endenden Fluch, durch Wände und Menschen zu sehen. Sie glaubt sich auf einem LSD-Trip zu befinden, weiß nicht, ob es gut ist, was mit ihr dort passiert. Nur eins weiß sie, sie muß nach draußen. Doch dies scheint fatal, als sie durch alles sehen kann. Krankenhäuser, Krankenschwestern, Penner, Sterbende, Treppen, Gemäuer, soziale Unterschichten... durch alles kann sie sehen. Alles, was sie sieht, wird von ihrer Ich-Perspektive abgehoben, in eine neue Geschichte gepresst. Einige der Geschichten bilden einen Zusammenhang zur nächsten. In diesem Buch wird der Traum geschildert, den eigentlich ein jeder von uns hat. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt bzw. sich gewünscht, zu sehen, was ein Mensch wirklich ist, einfach hinter seine Fassade schauen zu können. Zum Beispiel die Künsterlin von nebenan. Sie wirkt wirklich freundlich, hat nach außen hin ein wunderbares Leben. Doch niemand weiß, daß sie ihre kleine Tochter seit Geburt an in einem Verließ im Keller gefangen hält. Solche Dingen und Themen durchleben die Leser gemeinsam mit der Person aus der Ich-Perspektive. Wie wir es aus Bergs Büchern kennen, wir viel gestorben, geschimmelt, abgeschnitten, gelitten, gelogen, ge****t, zerstückelt, gematscht, geliebt, verlassen, gekotzt, geschleimt, beleidigt - so wie im wirklichen Leben auch. Wer aber noch nie ein Buch von Sibylle Berg gelesen hat, wird Probleme haben, da die Bücher "Sex II" und "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot" eben mit der typischen Stilart geschrieben wurden. Es gibt nur Punkte als Satzzeichen, die Sätze sind eher kurzgehalten, ab und zu ist es etwas schwer, dem Buch zu folgen. Aber das wird man lieben. Man wird sich freuen, ein Buch in den Händen zu halten, das anders ist, als die Bücher, die wir kennen. Hier wird der Roman neu erfunden, hier lebt das Leben undzensiert. Das neue Buch "Amerika" ist ganz anders geschrieben, als die beiden Vorgänger. Man kann der Geschichte besser folgen und es wird nicht soviel gestorben oder vergewaltigt. Eben ein anderer Roman, bei dem es auch Frage- und Ausrufezeichen gibt. Ein ganz neuer Berg eben. Fang am besten mit "Sex II" an, dann habt ihr gute Karten.
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