Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mit den Auswirkungen der Castingshows beruflich indirekt konfrontiert werde. Interessieren tun mich diese Shows jedoch persönlich überhaupt nicht, aber wie dort mit den Hoffnungen junger Menschen umgegangen wird, wie begeisterungsfähige Individuen zu Zappelmarionetten gemacht werden, habe ich schon immer verabscheut.
In der Meinung, in diesem Buch "Hintergrundinformationen" in Form einer Schlammschlacht und reißerischen Darstellungen von Drogen- und Sexexzessen zu finden und möglicherweise auch eine Abrechnung mit einem Dieter B., habe ich es mir gekauft.
Ich wurde angenehm überrascht! Grimm und Kesici schreiben sich zwar ihren Frust von der Seele, Sex und Drogen kommen auch vor, aber der Blick hinter die Kulissen ist eher ein ernüchternder Bericht über das Showbusiness, nicht nur bei den Castingshows.
Vorab: DSDS kommt kaum vor. Warum es ausdrücklich im Titel genannt ist, kann ich nur vermuten.
Gut gefallen hat mir, dass die beiden schreiben, wie ihnen die Schnäbel gewachsenen sind. Das führt zwar oft zu einem holprigen Stil, spricht aber hoffentlich das Zielpublikum an: junge Menschen, die sich vorstellen, mit einer Castingshow kommt Geld und Ruhm. Einige Weitschweifigkeiten hätte ich als Herausgeber übrigens gestrichen, so das immer wieder vorgetragene Mantra, man sei ja "ein Rocker" und wolle "nichs als Musik machen".
Ernüchternd sind die Schilderungen allemal. Dass bei einer Castingshow nichts dem Zufall überlassen bleibt, der "Superstar" durch Verträge geknebelt wird und anschließend vollkommen fremdbestimmt ist, zum Beispiel. Eiskalte Manager, Plattenbosse, die sich das ganze Geld einsacken und massenweise falsche Freunde. Geschockt war ich auch durch die Schilderung, dass die Band Nu Pagadi wie moderne Skalven gehalten wurde, in klapprigen Bussen (die sie selbst mieten mussten!) durch die Gegend gefahren werden und in schäbigen Hotels in Mehrbettzimmern hocken. Kein Wunder, sie sollen für die Manager Geld bringen und keins verbrauchen.
Kaum ist die kurze Karriere beendet, ist man weniger als vorher. "Nur so zum Spaß" sei er mit Flaschen beworfen worden und in einem Schnellrestaurant von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als "Schwuchtel" beschimpft und mit Schlägen bedroht worden, berichtet Markus Grimm, der aus seiner Homosexualität nie einen Hehl gemacht hat. Und dann sind da die Schulden. Ein "Superstar" muss vieles selbst bezahlen, seine Promotion z.B. Aber auch das Finanzamt hält die Hände weit auf. Reich wird man nicht.
Wer immer noch vorhat, bei einer Castingshow mitzumachen oder erwägt, CDs von Castingbands zu kaufen, sollte erst dieses Buch lesen.