Im weitläufigen Metal-Genre gibt es einige Bands, deren Scheiben grundsätzlich immer eine Empfehlung wert sind. Eine dieser Acts sind zweifellos die New Orleans-Depribolzen von CROWBAR, die in ihrer 20jährigen Karriere nur gutklassige Alben herausgebracht haben. Manchmal kann es bei Kirk Windstein & Co. nur halt mal etwas länger dauern, bis ein neuer Longplayer "eingetütet" wird. Das musikalische Resultat war dabei aber stet eine Klasse für sich. Durchhänger ? Fehlanzeige!
Gleiches gilt selbstverständlich auch für das brandneue Album "Sever the wicked hand", für das CROWBAR sich diesmal sogar geschlagene 6 Jahre (!) Zeit gelassen haben. Auch diesmal hat Gitarren/Mikro-Koloss Kirk Windstein wieder fast seine gesamte Hintermannschaft durcheinandergewürfelt - dies hat aber zum Glück keinen Einfluss auf die schwermütig-depressiven Songaufbauten, die irgendwo in einer Schnittmenge aus Doomcore, Sludge und scharfkantigem Slo-Mo-Metal nichts als pures Leid ausschwitzen. Ein deutsches Musik-Magazin hat den typischen CROWBAR-Stil kürzlich als "Emo für Männer" beschrieben. Tja, und treffender kann man "Sever the wicked hand" wohl auch nicht einordnen. Nur das hier die Emotionen nicht mit Kajalstift oder nöligem Heulsusen-Singsang unters Volk gebracht werden - hier regiert über 52 Minuten die massive Brechstange.
Dieser 12-Tracker kommt über die volle Distanz komplett ohne Ausfälle aus, und bietet dem geneigten CROWBAR-Fan exakt das, was er an dieser Band so schätzt. Depressive Song-Ungetüme wie "Cleanse me, heal me" , "As I become one" , "Protectors of the shrine" , "Isolation (desperation)" oder das großartige Instrumental "A farewell to misery" sind nicht nur musikalisch harter Tobak, sondern zudem auch eine textliche Aufarbeitung von Kirk Windsteins Leben mit allen Tiefschlägen. Beißender Frust , Selbstzweifel , Seelenschmerz , tiefe schwarze Löcher...ein selbstkritischer Umgang mit seiner Alkoholsucht, die sich "als roter Faden" durch alle Lyrics dieses 12-Trackers zieht. Dabei glänzt der schwergewichtige Frontmann einmal mehr durch sein unvergleichliches Reibeisen-Organ, das immer dann am besten ist, wenn er vereinzelte Melodien in seine Stimme legt. Als Beispiel hierfür sind vor allem die vor Verzweiflung schreienden "Echo an eternity" oder der famose 6-Minüter "Liquid sky and cold black earth" (Hammer!) genannt, die ihre Ohrwurmqualitäten bereits nach dem ersten Durchlauf entfalten. Mit den ruppigen "Sever the wicked hand" und "The cemetary angels" haben CROWBAR dann noch zusätzlich einige Hassbatzen auf der Pfanne, die aus dem Zeitlupen-Korsett ausbrechen, um herrlich rabiat die Hardcore-Wurzeln des Quartetts zu Tage zu fördern. Feine Sache !!!
Fazit: CROWBAR haben auf "Sever the wicked hand" ihren Stil gewiss nicht neu erfunden. Im Gegenteil, sie bleiben sich selbst treu und kredenzen dem Hörer das vielleicht beste Machwerk seit dem göttlichen "Odd fellows rest". Aus kommerzieller Sicht wird Kirk Windstein mit seinen anderen beiden Bands KINGDOM OF SORROW und DOWN - der Erstling "Nola" ist hier zeitlos empfehlenswert - langfristig erfolgreicher sein. Mit CROWBAR kann er sich jedoch vollends gehen lassen, um seine Trauer und alle emotionalen Widerstände auszudrücken. CROWBAR ist die Maschine - "Sever the wicked hand" ist das Ventil. Selten bereitet es mir solche Freude, in den Fluten des Leides zu versinken. 5 Sterne !!!