... ist es ja schon, das Album. Für viele Neo-Prog-Fans offenbar ein Problem. Klar, die durchaus sehr komplexen Arrangements der Vorgängeralben sind etwas klareren gewichen. Auch tritt Nolans Keyboard vor Mitchells Gitarrenarbeit in weiten Bereichen zurück und lässt das Album doch sehr Hard-Rock-lastig daherkommen. Die Songs sind insgesamt kürzer, Epen wie Solomon, Moviedrome oder Opera Fanatica fehlen komplett.
Ach ja: Wo ist der typische Arena-Opener? Kein Song Fade-in? Stattdessen A-capella? Und das von dieser Stimme? Cool! Ich mochte Wrightson, Carsons Stimme war mir manchmal ein wenig zu speziell, ich mochte Sowden, aber Manzi ... wow!
"The Seventh Degree Of Separation" bringt weniger Experimente mit als frühere Alben, aber muss das auch immer sein? Ich geb's zu, ich höre Musik tatsächlich manchmal einfach so. Ohne Kopfhörer und ohne geschlossene Augen. Und ohne die diebische Freude, dass ich die Komplexität "verstehe"... Die CD allerdings als Mainstream zu beschreiben (muss ja auch nicht unbedingt negativ sein, oder?) denke ich, wäre dann doch ein wenig übertrieben.
Klar hätte mich über ein Überbombastkracher mit (noch)triefende(re)m Pathos und schrägen Arrangements gefreut. Der hätte dem Album schon gut getan, zugegeben! Aber das Teil funktioniert.
Ist es das Album, auf das ich jetzt sechs Jahre lang Füße-scharrend gewartet habe? Ich weiß es nicht. Vermutlich eher nicht so. Auch ob ich nach dem fünfzigsten Mal hören immer noch was Neues entdecke, wage ich zu bezweifeln.
Momentan kann ich nur sagen: Toll produziertes, in sich stimmiges Album mit großartigem Sänger und durchgängig guten Songs. Vermutlich die kompakteste Scheibe der Band.
Ich bin wirklich gespannt, welche Halbwertszeit die CD für mich hat. Und da ich z.B. öfter "Contagion" statt "The Visitor" (das ich als das innovativere/bessere Album ansehen) in den Player werfe, bin ich zuversichtlich, dass "The Seventh Degree Of Separation" im Regal auch in den nächsten Jahren nicht einstauben wird...