"Seufzer und Freiheit" ist ein Buch, das im Kontext seiner Zeit nicht ohne visionäre Kraft auf den Leser wirkt.
Allen "herzlichen" Phrasen unsrer Gesellschaft zum Trotze verflachen wir, im Denken, im Fühlen, im Zwischenmenschlichen. Was der Mensch braucht, ist eine Kehrtwende, die Renaissance einer Kultur konsequenter Selbstreflexion und Innerlichkeit, die im Zeichen einer neuen Auffassung von Glück und seiner Aussendung steht. Zurück zur Menschlichkeit, die sich nicht allein speisen lässt aus dröger Universitätsphilosophie und den formlosen Verheißungen unserer hurra-materialistischen Welt.
Das Buch der beiden Philosophen Hosang und Wehrt teilt sich in drei Teile auf. Im ersten Abschnitt verfolgt der Leser den fiktionalen Dialog zweier Sinnsucher in der Oberlausitz, der die eklatanten Mängel der geistigen Verfassung (Verwirrung?) unsrer Zeit aufzeigt. Erstmals wird hier auf Jacob Böhme verwiesen, den "ersten deutschen Philosophen", dessen Philosophie der Einfühlung und des Herzens entscheidende Impulse für ein neues Denken vermitteln kann. Im zweiten Abschnitt ist man konfrontiert mit aphoristisch gehaltenen Zersetzungen, die jeder, der sich ernsthaft an der Philosophie versucht, erfährt. Diese hoffnungslose Zerfaserung des "Denkens selbst" lässt den, der sie nachzuvollziehen gedenkt, nur mit den Trümmern der Philosophie zurück: mit Empfindungen, von verzweifelten Gedanken flankiert.
Abgeschlossen wird das Werk durch einen Dialog der beiden Autoren, in dem nicht nur die Inhalte des Buches erneut reflektiert werden, sondern auch der Versuch gestartet wird, das Zukünftige anzudenken. Was können wir von Böhme und Epikur in die Zukunft mitnehmen?
Die Autoren haben sich mit "Seufzer und Freiheit" keine einfache Aufgabe gemacht; dennoch freut es, dass dieses Buch ehrlich, ohne akademische Abgehobenheit und mit überzeugtem Eifer an den Leser herantritt.
Zuletzt ein Wort von Kafka, das den Zweck und die Wirkung der Lektüre veranschaulicht:
'Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.'