Das Buch zieht einen bereits auf den ersten Seiten in den Bann. Es ist ein äusserst spannender Plot um „Andy Cage", ein an Multipler Persönlichkeitsstörung leidender junger Mensch, der einen sehr ungewöhlichen Lösungsansatz gefunden hat, um sich mit seiner Persönlichkeitsstörung zu arrangieren: Andy hat die Leitung des Körpers an „Andrew" übertragen und betrachtet seinen Körper losgelöst von der Seele als pure Hülle. Der „Körper" hat eine ähnliche Funktion wie ein Haus, welches von den verschiedenen Seelen des Andy Cage bewohnt wird. Da ist Aaron, Andrews Vater, der eine leitende Position unter den Seelen eingenommen hat und die vernünftige, verantwortungsvolle Instanz ist. Er hat beispielsweise die Regel aufgestellt, dass Andrew keinen Alkohol trinken darf. Seferis hingegen ist die „böse" Seele, ein selbstsüchtiger aggressiver Typ, der den Körper nie übernehmen darf und in Verbannung durch Andrews Vater leben muss. Dann haben wir noch Jake, eine Seele auf dem Stand eines 5 jährigen Jungen, Adam, den sarkastischen Kommentatoren und Tante Sam, die sensible Kunstliebhaberin. All diese Seelen bewohnen in einem durchorganisierten Arrangement den Körper des Andy Cage und stehen mit Andrew in Dauerkommunikation - Andrew hat die Rolle des Mittlers zwischen dem Haus (der inneren Wohngemeinschaft des Andy Cage) und der von außen wahrgenommenem Realität übernommen.
Andrews Leben wird plötzlich durch das Erscheinen von Penny durcheinander gebracht. Penny, eine junge Arbeitskollegin leidet auch an Multipler Persönlichkeitsstörung - nur hat sie das selbst noch nicht erkannt und verhält sich dementsprechend schizophren. Gemeinsam mit Andrews Hilfe versuchen die beiden Ordnung in Pennys Leben zu bringen und ihr auch ein inneres Haus zu bauen, um die verschiedenen Seelen miteinander in Einklang zu bringen. In diesem höchst dramatischen Prozess wird Andrews scheinbare Abgeklärtheit durcheinander geworfen und in seiner Vita tauchen mit einem Mal mysteriöse Ungereimtheiten auf, die er noch aufarbeiten muss.
Dieses ungewöhnliche Konzept bietet viel Stoff für spannende Lektüre ungeachtet der medizinischen Fundiertheit. Ich kenne mich mit MPS nicht genug aus, um beurteilen zu können wie realistisch dieses Arrangement ist, welches Andy Cage mit Hilfe seiner Therapeutin ausgearbeitet hat und ob sich echte MPS-Patienten in diesem Buch wieder finden aber selbst wenn das Buch rein fiktiven Ursprungs ist, mindert es die Originalität und Qualität der Geschichte nicht.
Der Schreibstil ist trotz des kompliziert scheinenden Themas flüssig und klar und es bereitet keine Probleme das Buch in der Originalausgabe auf Englisch zu lesen. Wer diese Geschichte interessant fand, sollte auch Wally Lambs „ I know this much ist true" auschecken.