PETRA (#7/2009)
Laith Al-Deen - SESSION In gerade mal 13 Tagen nahm der Soul-Star Cover-Versionen seiner 13 Lieblingssongs auf. Von Springsteens "I'm On Fire" bis hin zu "Luka" von Suzanne Vega. "Session" klappert und knarzt, klingt spontan, rau und ehrlich. Musik, die ins Herz trifft. (4 von 5 Petra-Kronen)
Kurzbeschreibung
Mit einer tiefen Verbeugung vor fast einem Jahrzehnt mit dem Schallbau-Team und mit der Zuneigung der Fans, hat sich Laith Al-Deen mit seinem „Best Of“-Album im letzten Jahr in eine neue Zeitrechnung verabschiedet. Er bricht auf zu neuen Ufern, die auch die anderen Kanten seines Profils fordern werden - oder wie er es selbst formuliert: „Es gibt noch so viel mehr, das ich mag und das möchte ich die Leute wissen lassen.“
Das 2009 erscheinende Album „Session“ ist eine Platte, deren Konzept das reine Lustprinzip ist. Alle Songs, die Laith gemeinsam mit Alex Auer, Tommy Baldu, Michael Paucker und Lillo Scrimali interpretiert und in nur dreizehn Tagen aufgenommen hat, sind Stücke die er liebt, mit denen er aufgewachsen ist und die im Studio „einfach funktioniert“ haben. Und genau das macht auch den besonderen Reiz des Albums aus: es ist vollkommen frei von Genre-Gesetzen und anderen Eitelkeiten: Stings „If I Ever Lose My Faith In You“, „I´m On Fire“ von Bruce Springsteen und die rockende „Evelin“ von Nationalgalerie werden ebenso gefeiert, wie Sinatras „It Was A Very Good Year“ eine neue Huldigung erfährt. Auf engstem Raum eingespielt, oft einfach aus gemeinsamem Jammen entstanden und mit der markanten Intensität von Laith Al-Deens Stimme, ist der tatsächliche „Session“-Charakter der Produktion hörbar und gewollt. Noch mehr als sonst steht Laith hier auf und hinter dem „Klapperfaktor“ und sorgt für eine Art „Motown-Feeling“.
Ein bisschen oldschool also, manchmal gar psychedelisch klingt das neue Album und beeindruckt mit einer ganz neuen Seite von Laith. Und das ist nur der Anfang: er hält es für möglich, dass sich mancher wundern wird, über das, was in den nächsten Jahren noch von ihm kommen wird.
Aber das findet er spannend.
Erster Eindruck: ach, wie hübsch, eine Schmeichelstimme auf sehr ansprechender, bluesiger Instrumentierung und klasse Melodien. Doch sobald es einem dämmert, dass es sich bei "Session" um ein reines Coveralbum handelt, kann man nicht anders, als Vergleiche mit den Originalen anzustellen. Und dann tut es schon ein bisschen weh, wie Al-Deen in "You gotta be" die Silben dehnt. Diese süßliche Sanftheit, mit der der Mannheimer auf den Worten herumrutscht, hat wenig mit Des'rees Hit von 1994 zu tun. Und wo ist das Existenzielle von Nationalgaleries "Evelin" geblieben, wo der gruselige Unterton von Springsteens "I'm on Fire"? Das ist doch alles viel zu nett, was Al-Deen da macht. Das passt gut zu Al-Deen - aber nicht immer zu den Liedern, die er sich rausgepickt hat. Wer ohnehin Fan ist oder einfach eine ansprechend vorgetragene Auswahl an schönen Songs sucht, für den ist "Session" okay, aber die einzelnen Interpretationen stehen trotz einiger interessanter instrumentaler Herangehensweisen fast alle hinter den Originalen zurück. (kab)
Der Künstler über die CD
Das Album „Session“ ist für mich auf Grund der teilweise zeitgebundenen Spontaneität etwas Besonderes. Durch die verschiedenen Versionen bekommt man ein Bild meiner musikalischen Vergangenheit und Vorlieben (zumindest teilweise). Wir haben gemeinsam in einem Raum, zur gleichen Zeit und auf Tonband, sprich analog, aufgenommen, was einen ganz speziellen Reiz hat. Hab ich 1995 zum letzten Mal gemacht. Will man etwas im Song korrigieren oder ändern, muss man ihn noch Mal neu aufnehmen, oder sich für eine Version mit kleinen Fehlern aber viel Charakter entscheiden. Ihr werdet feststellen, dass die Platte etwas rauscht und euch teilweise daran erinnern, dass das früher üblich war. Dafür transportiert die Scheibe eine Wärme, die jedes Nebengeräusch rechtfertigt. Genauso interessant war es, englischsprachige Songs aufzunehmen. Erst ungewohnt, dann (ent)spannend. Die Worte anderer zu interpretieren, die Größe so mancher Komposition zu erkennen, während man den Song auseinander nimmt. Alles in allem eine tolle Zeit, die mich ein Stück dorthin zurückgebracht hat, wo ich vor einer ganzen Weile einen großen Traum in Angriff genommen habe. Ich bin gespannt, ob ihr die „Session“ genauso genießt, wie ich und freu mich auf die Tour im Oktober...