Ken ist der Prototyp eines Mannes, der von Beruf Sohn aus der britischen Oberschicht ist. Er kann sich eine Menge erlauben und fällt die Karriereleiter bis zu einem gewissen Punkt rauf, einfach, weil er einen guten Uniabschluss hat und aus einer guten Familie kommt. Leider überzieht er seine Chancen, denn er erwartet, dass ihm alles wie bisher in den Schoß fällt. Seine "statistisch signifikanten Chancen" (O-Ton Ken) überschätzt er und nach einer vergeigten Wette steht ein Mann mit Baseballschläger vor seiner Tür und fordert die Wettschulden ein. Besser also für Ken, bei seinem Vater in der sicheren Ferne Afrikas unterzuschlüpfen. Der versucht, den verloreren Sohn in seine Arbeit einzuweihen. Ken müsste also erstmals in seinem Leben gut zuhören und lernen, da die Arbeit immer eng mit tödlichen Gefahren verknüpft ist.
Dieser Kurzkrimi gefällt mir sehr gut, weil er auf zwei Personen reduziert ist und daher beim Showdown sehr intensiv wirkt. Vater und Sohn stehen in der Hitze Afrikas, aufeinander angewiesen, um zu überleben. Aber welche Strategie funktioniert am besten? Die Ruhe und Weisheit des Vaters, der die Lebensumstände vor Ort kennt - oder die des Sohnes, der mit Zockermanier alles auf eine Karte setzt?
Ich finde, dass Nesbo das Vater/Sohn-Kammerspiel sehr gut komprimiert hat und beiden Charaktere viel Farbe verliehen hat.
Die sonore Stimme von Milberg gefällt mir sehr gut und auch seinen Stil, vorzulesen, mag ich. Ruhig, unaufgeregt und er hat es nicht nötig, übertrieben zu modulieren. Er liest wirklich vor und versucht nicht, beim Lesen auf Biegen und Brechen in die fremden Rollen zu schlüpfen.