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Serie Piper, Bd.1, Macht und Gewalt
 
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Serie Piper, Bd.1, Macht und Gewalt [Taschenbuch]

Hannah Arendt , Gisela Uellenberg
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 20., Aufl. (August 1970)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349220001X
  • ISBN-13: 978-3492200011
  • Originaltitel: On Violence
  • Größe und/oder Gewicht: 19,3 x 11,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 20.277 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Neue Taschenbücher

Ein neues Outfit

25 Jahre Taschenbuchreihe «Serie Piper»

In 25 Jahren kann sich eine Taschenbuchreihe bis zur Unkenntlichkeit wandeln. So ist es in gewisser Weise der Serie Piper ergangen. Sie veränderte sich durch Nebenserien und Sonderreihen mit jeweils anderem Outfit so gründlich, dass sie immer unübersichtlicher wurde. Mehr und mehr verlor sie ihre – wie man heute sagt – Corporate Identity und damit ihre Attraktivität. Um diese wiederzufinden, musste etwas getan werden. Das Jubiläum – 25 Jahre Serie Piper – kam da gerade recht. Die Bände der Serie Piper (SP) haben zum Jubiläum ein neues Layout bekommen. In der Fülle der Taschenbuchreihen werden die SP-Bände dank ihrer markanten Ausstattung nicht mehr untergehen, sondern ordentlich Eindruck machen. Sie werden nicht mehr zu übersehen sein.

In neuem Gewande sollen von Oktober 1995 bis März 1996 sechzig Titel aus 25 Jahren Serie Piper vorgelegt werden. Die ersten zehn Bände der Jubiläumsedition «The Best of Piper» konnten rechtzeitig zur Buchmesse erscheinen. Unter ihnen befindet sich auch jener Band, mit dem im August 1970 die Serie Piper ihren Anfang nahm: mit der Studie «Macht und Gewalt» von Hannah Arendt (1906–1975). Gelesen mit dem Blick auf die grossen globalen Veränderungen seit 1989, erweisen sich Arendts Analysen vielfach als prophetisch hellsichtig.

In den Band wurde auch ein Interview aufgenommen, das Adelbert Reif mit Hannah Arendt geführt hat. Arendt zeigt sich darin «wirklich schockiert», als Reif auf marxistische Intellektuelle verweist, die der Meinung sind, «dass der Sozialismus trotz aller Verfremdungen immer wieder aus eigener Kraft im Stande ist, sich zu regenerieren». Die Herrschaft Stalins eine «Verfremdung» zu nennen sei, erwidert die Philosophin, «ein Euphemismus, mit dem man nicht nur Tatsachen, sondern ungeheure Verbrechen unter den Teppich kehrt». Ein solcher «Jargon» verändere Tatsachen, indem er Verfremdung nenne, was nichts anderes gewesen sei als «ein Verbrechen von gigantischen Ausmassen».

Hannah Arendt war davon überzeugt, dass Wirtschaftsreformen den Sozialismus nicht mehr retten können. Denn den Menschen gehe es nicht um ökonomische, sondern um politische Reformen: «Worum es ihnen geht, ist Freiheit mit allem, was dazu gehört: eine geltende Verfassung, gesetzlich gesicherte Rechte, Pressefreiheit, Mitbestimmungsrecht; vor allem das Recht zu sagen, zu schreiben und zu drucken, was ihnen beliebt.» Die Sowjetunion werde immer «zuschlagen», wo sich dieses «Streben nach Freiheit» manifestiere. Aber sie könne nicht mehr überall zuschlagen, denn – so Arendt 1970 – «als Grossmacht sitzt sie nicht mehr so fest im Sattel». 1989 fiel sie dann, um bei diesem Bild zu bleiben, endgültig aus dem Sattel der Weltgrossmacht, weil das Streben nach Freiheit nicht mehr zu unterdrücken war.

Zu den anderen SP- Editionen, die im neuen Outfit eine neue Auflage erleben, gehören zum Beispiel der Roman «Das Geheimnis der Pineta» von Carlo Fruttero und Franco Lucentini; von Edith Wharton der Roman «Zeit der Unschuld», den Martin Scorsese 1993 verfilmt hat; als ein weiteres Buch zum Film figuriert Jim Carrolls Roman «In den Strassen von New York» auf der SP-Bestenliste; «Die Entdeckung der Langsamkeit» von Sten Nadolny – mit 1,7 Millionen verkauften Exemplaren der Gesamtauflage ein Bestseller – findet sich ebenso darunter wie Reinhold Messners Bericht über sein Bergsteigerleben «Die Freiheit aufzubrechen, wohin ich will»; ausserdem noch von Paul Watzlawick der Versuch, eine Antwort zu geben auf die Frage «Wie wirklich ist die Wirklichkeit?»; oder von Karl Jaspers der erste Band eines nicht vollendeten Opus, das einer «unerhörten Aufgabe» gewidmet ist: «Die grossen Philosophen».

Die unerhörte Aufgabe des Buches sieht Jaspers darin, durch die grossen Philosophen «uns den Raum erhellen zu lassen, in dem wir selbst wirklich werden»: «Wir möchten in die Welt der Grossen gelangen, als Hörende, Lernende und Liebende dort Heimatrecht erwerben dadurch, dass wir in ihrer Gesellschaft, der besten, die wir finden können, zu dem gelangen, was sie selbst sein können.» Dass die Gesellschaft der Philosophen die beste aller möglichen gesellschaftlichen Welten sein soll, mag man in idealistischer Hochstimmung freudig behaupten. Dass es aber in dieser Gesellschaft oft so furchtbar menschlich oder allzu menschlich zugeht wie in anderen menschlichen Gesellschaften, weiss man auch. In ihr herrscht «die kategorische Impertinenz». So lautet der Untertitel einer Sammlung mit Verbalinjurien, die sich Philosophen gegenseitig – heimlich oder öffentlich – angetan haben. Der Philosoph Steffen Dietzsch hat sie herausgegeben: «Philosophen beschimpfen Philosophen – Die kategorische Impertinenz seit Kant» (Reclam Leipzig). Und wie sie sich beschimpfen; z. B. als «Spassmacher», «Sesselfurzer», «Playboy», «Wirrkopf», «Moraltrompeter», «Plattkopf», «Dreiviertelskopf», «Begriffskrüppel», «Maschinist», «Magister Dunkelhut» usw. Man sieht: Philosophen beweisen Geschmack und erweisen sich als geistreich auch dort, wo es um ihren besonderen Beitrag zur Sitten- oder Unsittengeschichte der Menschheit geht.

Rainer Hoffmann

Kurzbeschreibung

Hannah Arendt hat dieses Buch, das 1970 erstmals erschien, im Angesicht des Vietnamkrieges und unter den Eindruck weltweiter Studentenunruhen geschrieben. In diesem Essay zeigt sie die Abgrenzungen und Überschneidungen der politischen Schlüsselbegriffe Macht und Gewalt. Sie analysiert die theoretischen Begründungen von Gewalttätigkeit und die gewalttätigen Aktionen in Vietnam, in den Rassenkonflikten der USA und bei den Studentenrevolten in aller Welt. Die alte Theorie von Krieg und Gewalt als Ultima ratio der Macht wurde - wenigstensim zwischenstaatlichen Bereich - durch die Kernwaffen ad absurdum geführt. Hannah Arendt formuliert scharf und provozierend aus unserer Wirklichkeit gewonnene Erkenntnisse über die Funktionen von Macht und Gewalt in der Politik

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Dieses Buch hat Hannah Arendt unter dem Eindruck der Studentenrevolten 1968 und dem Vietnamkrieg geschrieben. Für uns heute ist dieses relativ kleine Bändchen ein wichtiges Zeitzeugnis einer intelligenten Frau, die ihr Leben lang nichts anderes wollte als verstehen ("Ich will verstehen!").

Warum der Titel "Macht und Gewalt"?
Es geht zuerst um die klare Unterscheidung der Begriffe Macht, Gewalt, Kraft, Autorität, Stärke. Auch Gehorsam und Zwang kommen am Rande vor. Darüber hinaus beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, in wieweit der Verlauf des Vietnamkriegs oder der Studenten"revolution" vorauszusehen waren - und was noch viel wichtiger ist: was wir daraus lernen können.
Darin enthalten ist auch eine Abrechnung mit Sartre, dem sie (zu Recht vermutlich) eine gewisse mangelnde Begriffschärfe und sogar Naivität vorwirft. Außerdem die Zusammenfassung einiger wichtiger (damals) aktueller Werke zum Thema Gewalt, Revolution, Macht und Krieg.

Wem kann man dieses Buch empfehlen?
Jedem Studenten der Fächer Soziologie, Politik, Psychologie, Pädagogik. Und darüber hinaus allen Menschen, die sich im Gebrauch der Sprache üben und entwickeln möchten. Es ist ein sehr angenehm zu lesenes, fast unterhaltsames Buch, obwohl es das Thema in sich hat. Dennoch reicht es nicht an Hannah Arendts "Vita activa" heran. Hier erkennen wir weniger Hannah Arendt, die Philosophin oder Theoretikerin. Mehr die Zeitzeugin und Journalistin. Und auch in diesen Rollen bleibt sie eine unvergessliche Autorität.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Kein Satz der politischen Philosophie ist nach der Auffassung Hannah Arendts unzutreffender als "Alle Macht kommt aus den Gewehrläufen". Denn Macht, für die Autorin der Grundbegriff des Politischen überhaupt, erwächst als Er-Mächtgung immer aus der Zustimmung der frei handelnden Angehörigen des politischen Systems. Macht ist das deswegen das lebendige Fluidum des Politischen, derer man sich aber niemals sicher sein kann, weil die Er-Mächtigung jeden Tag durch das freie Handeln der Menschen erneuert werden muss.
Gewalt gehört dagegen nicht mehr in den Bereich des freien Handelns, im Gegenteil: der Einsatz der werkzeughaften Gewalt betrifft den Menschen nur als Angehörigen der Ding-Welt. Mit anderen Worten: wer im politischen Bereich Gewalt anwenden muss, hat seine Macht bereits verloren. Totalitäre Regimes oder Diktaturen beruhen also nicht auf Macht sondern auf Eliminierung der einvernehmlichen Er-Mächtigung durch den Einsatz der Gewalt. Von daher erwächst aus den Mündungen der Gewehren selbstverständlich auch keine Macht sondern immer nur neue Gewalt, die sich aber nur so lange halten kann, bis ihr eine noch größere Gewalt entgegentritt (Bürgerkrieg) . Oder das System implodiert, wenn die Drohung des Gewalteinsatzes verschwindet. Die Auflösung des Ostblocks lässt grüßen.
Das sind, in wenigen Worten zusammengefasst, die klassischen Bestimmungen von Macht und Gewalt als Eckpunkte des Politischen, die mit den Kategorien aus Arendts "Vita Activa" oder "Über die Revolution" aus Engste korrespondieren. Sie heben sich wohltuend ab von den Begriffsverwirrungen linker und rechter Verdummer und machen den Kopf frei für ein wirklich freiheitliches Verständnis der politischen und geschichtlichen Wirklichkeit. Meine Meinung: Eine Pflichtlektüre für jeden sozialwissenschaftlich Interessierten schon im ersten Semester.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr gute Begriffsklärung 29. Dezember 2006
Von Leserin
Format:Taschenbuch
Der längere Essay "Macht und Gewalt" klärt, ausgehend von den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre, die beiden genannten Begriffe als voneinander getrennte Phänomene unseres politischen und gesellschaftlichen Lebens. Die Definitionen, die Hannah Arendt mittels ihres präzisen und scharfsinnigen Denkens findet, gehen über die Studentenrevolte hinaus und sind grundlegender Natur. Für jeden, der sich mit Macht als Phänomen und Gewalt als Mittel zum Zweck auseinandersetzen möchte, ist mit diesem einführenden Band als Grundlegung bestens bedient. Mithin gewinnt man en passant einen sehr guten Einblick in Hannah Arendts Denkungsweise, die sprachlich und intellektuell ein Hochgenuss ist. Die Klarheit ihres Denkens und die Qualität ihrer Aussagen bestechen auch heute noch und heben sich wohltuend vom heutigen verquasten und oft inhaltsarmen Diskurs ab.
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