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Serge Gainsbourg: Für eine Handvoll Gitanes [Taschenbuch]

Sylvie Simmons , Jens Seeling
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Wer nicht provoziert, hat nichts zu sagen." (Serge Gainsbourg)

"Die faszinierendste Musikerbiografie des Jahres." (The Independent on Sunday)

"Ein in Stein gegossenes Meisterwerk." (Stephen Davies)

"Eine wundervolle Einführung in das Leben eines der unterschätztesten Künstler des 20. Jahrhunderts." (The Times)

"Die sagenhaft unterhaltsame Biografie des großen Enfant Terrible." (J.G. Ballard)

Klappentext

"Wer nicht provoziert, hat nichts zu sagen."
Serge Gainsbourg

"Die faszinierendste Musikerbiografie des Jahres."
The Independent on Sunday

"Ein in Stein gegossenes Meisterwerk."
Stephen Davies

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Sylvie Simmons ist eine der bekanntesten Musikjournalistinnen Großbritanniens. In den späten 1970er Jahren begab sie sich auf eine musikalische Pilgerreise nach Los Angeles, wo sie als Korrespondentin für britische Musikzeitschriften begann. Ihre Interviews und Artikel erschienen in zahllosen Büchern und Zeitschriften.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Das ist einfach geschmacklos!" Während ich auf dem engen Bürgersteig stehen bleibe, um die Kunstwerke an der Außenwand des Hauses Nummer fünf in der Rue de Verneuil zu fotografieren, drängelt sich eine makellos frisierte alte Dame mit einem zu ihr passenden Mini-Hündchen an mir vorbei. Das kümmerliche Tier demonstriert Verbundenheit mit seiner Herrin, hebt eines seiner winzigen Hinterbeinchen und hinterlässt einen dünnen Strahl Hunde-Urin auf dem gedrungenen Gesicht, das irgendjemand liebevoll auf ein freies Mauerfleckchen in der Nähe des Bodens gemalt hat. Die Straße liegt in Paris in der Gegend von Saint-Germain, einen Steinwurf von der Seine entfernt. Es ist eines jener Stadtviertel, in dem die kleinen Läden alte Meister und beängstigend teure Antiquitäten zum Kauf anbieten. Die Anwohner dieser gediegenen Straße ließen die Wand vor wenigen Monaten auf eigene Kosten reinigen. Sie haben jedoch nichts weiter erreicht, als dass irgendjemand nachts vorbei schlich und einen neuen Spruch ansprühte, der den Startschuss für die nächste Runde markierte.
Auch mehr als zehn Jahre nach dem Tod von Serge Gainsbourg führen die übereinander liegenden Malereien und Graffiti, die immer noch jeden Millimeter der Außenwand seines kleinen zweistöckigen Hauses bedecken, ein ausgeprägtes Eigenleben. Mittlerweile sind sie Thema einer eigenen Internetseite und füllen einen ganzen Bildband. Ein kräftig gewürzter und gut durchmischter Salat aus Farben, Stilen und Sprachen mit Liebesbotschaften neben Wortspielen und Gedichten. Comicartige Karikaturen des Künstlers drängen sich an realistische Porträts und phallische Strichzeichnungen. Überdies kommt eine metaphysische Debatte über die Existenz der Seele nach dem Tod zu dem Schluss, Serge könne gar nicht tot sein, sondern sei in den Himmel aufgestiegen, wo er zur Rechten des haschischrauchenden Gottes sitzt. Wäre es nicht ohnehin sein Haus gewesen, Gainsbourg hätte sich hier sicherlich absolut heimisch gefühlt.
Als er am 2. März 1991 knapp einen Monat vor seinem dreiundsechzigsten Geburtstag in seinem Schlafzimmer starb, trauerte ganz Frankreich. Brigitte Bardot, die mit ihm geschlafen hatte, hielt eine Grabrede; Präsident Mitterand, der dies nicht getan hatte, hielt ebenfalls eine. Er war "unser Baudelaire, unser Apollinaire", sagte der erste Mann des Staates. "Er erhob das Lied in den Rang der Kunst." Die Flaggen wehten auf halbmast. Ein Symbol, das dem Popgenie weit weniger entsprach, als jene Gitanes-Päckchen und Flaschen voll Whisky und Pastis, die von den vielen Menschen, denen es gelungen war, die Polizeiabsperrungen rund um die Rue de Verneuil zu überwinden, als Zeichen ihrer Verehrung hinterlassen wurden.
"Frag irgendjemanden in Paris", sagt Nicolas Godin von der französischen Popgruppe Air, "und alle können sich an das erinnern, was sie gerade taten, als sie hörten, dass Gainsbourg gestorben war. Es war ein richtiger Schock. Denn er war immer da, ein Teil unserer Kultur. Ständig war er im Fernsehen und machte etwas Verrücktes. Er war ein Poet. Er war ein Punk. Und er wollte Whitney Houston vögeln."
Der Mann, der aussah wie eine elegante Schildkröte, die man mit einem obszönen, kettenrauchenden Wolf gekreuzt hatte, war außerdem Sänger, Songwriter, Gewinner des Grand-Prix-d'Eurovision, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchschreiber, begnadeter Filmkomponist, Fotograf, Künstler, Schriftsteller, Intellektueller, Populist, Provokateur, Clown, Gefühlsmensch, Liebhaber, Trinker und der Mann, der im Alleingang den französischen Pop befreite.
"Ich möchte dich vögeln." Jenes berüchtigte Angebot des triefäugigen, damals sechsundfünfzigjährigen an seinen Mitgast Whitney Houston in perfektem Englisch live und zur besten Sendezeit in einer Familienshow vorgetragen, verband alle seine Obsessionen: Doch obwohl - oder gerade weil - er sich absolut den Zigaretten, dem Alkohol, der Sinnlichkeit und der Provokation verschrieben hatte, war sein musikalischer Output über mehr als drei Jahrzehnte erstaunlich groß. Dazu gehörten eine Reihe von Neuanfängen, die David Bowie geradezu langweilig aussehen lassen: Klassische Musik, Chanson, Jazz, Girlpop, Rock, Reggae, Disco, Rap. Sie spiegeln eine tiefe Kenntnis all dieser musikalischen Traditionen wider, denen er zwar mit tiefem Respekt begegnete, sie aber zugleich so für sich vereinnahmte, dass etwas vollkommen Einzigartiges daraus entstand.
Seine Liedtexte waren irrsinnige Meisterstücke franglischer Mehrdeutigkeiten und rhythmische, lautmalerische Wortkaskaden. Sexuelle Besessenheit, Inzest, Furzen, Koprophagie, Literatur, Philosophie, Grammatik, faschistische Konzentrationslager, Trottel und Tankerunglücke, all diese Dinge waren willkommene Themen für seine Songs. Songs, die sowohl von den Leuten auf der Straße gepfiffen, als auch in Gedichtbänden abgedruckt und an Universitäten interpretiert wurden. Außerhalb von Frankreich war Gainsbourg allerdings nur wegen eines einzigen Liedes bekannt: >Je t'aime, moi non plus<, sein Nummer-Eins-Hit aus dem Jahre 1969, den er zusammen mit der englischen Schauspielerin Jane Birkin aufgenommen hatte. "Gainsbourg war mit einer Eigenschaft geschlagen, die sich als mächtiges Hindernis auf dem Weg zum Rockstar herausgestellt hat. Ein schlimmeres Adjektiv als blind, taub und tot: französisch", schrieb Robert Chalmers in der britischen Zeitung The Independent.
Das britische Vorurteil gegenüber französischer Popmusik, das genauso tief und weit geht, wie das französische Vorurteil gegenüber englischem Essen, reicht bis in die Swinging Sixties zurück. England hatte damals die Beatles, die Rolling Stones und Fish'n'Chips, während Frankreich Sacha Distel, die Singende Nonne und Pâté de foie gras hatte. Zumindest war es das, was man gemeinhin zu hören bekam. Einige englische Musikjournalisten konnten sich von dieser Voreingenommenheit leider nur schwer lösen. Man schaue sich nur den Nachruf auf Gainsbourg im Guardian an: "Er hatte ein typisch französisches Gespür für Rock: überhaupt keines."
Dass Engländer in Fremdsprachen notorisch schlecht sind, ist in dieser Hinsicht sicherlich auch nicht besonders hilfreich, aber weit größere Hindernisse sind unsere unterschiedlichen Kulturen und die gegensätzlichen Auffassungen darüber, was cool ist. Durch den dauernden Ansturm neuer, angesagter Mode und Musik, sorgt das von den englischsprachigen Ländern beherrschte internationale Musikgeschäft für eine sich ständig verfeinernde und unaufhörlich wandelnde Definition von Coolness. Indem er sich außerhalb dieses Rahmens bewegte, hat sich Gainsbourg einem größeren anglophonen Publikum verweigert. Infolgedessen war er jedoch in der Lage, die allgemeinen Grundsätze der Coolness einschließlich der damit verbundenen Regeln und Grenzen einfach zu ignorieren.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Das ist einfach geschmacklos!" Während ich auf dem engen Bürgersteig stehen bleibe, um die Kunstwerke an der Außenwand des Hauses Nummer fünf in der Rue de Verneuil zu fotografieren, drängelt sich eine makellos frisierte alte Dame mit einem zu ihr passenden Mini-Hündchen an mir vorbei. Das kümmerliche Tier demonstriert Verbundenheit mit seiner Herrin, hebt eines seiner winzigen Hinterbeinchen und hinterlässt einen dünnen Strahl Hunde-Urin auf dem gedrungenen Gesicht, das irgendjemand liebevoll auf ein freies Mauerfleckchen in der Nähe des Bodens gemalt hat. Die Straße liegt in Paris in der Gegend von Saint-Germain, einen Steinwurf von der Seine entfernt. Es ist eines jener Stadtviertel, in dem die kleinen Läden alte Meister und beängstigend teure Antiquitäten zum Kauf anbieten. Die Anwohner dieser gediegenen Straße ließen die Wand vor wenigen Monaten auf eigene Kosten reinigen. Sie haben jedoch nichts weiter erreicht, als dass irgendjemand nachts vorbei schlich und einen neuen Spruch ansprühte, der den Startschuss für die nächste Runde markierte.Auch mehr als zehn Jahre nach dem Tod von Serge Gainsbourg führen die übereinander liegenden Malereien und Graffiti, die immer noch jeden Millimeter der Außenwand seines kleinen zweistöckigen Hauses bedecken, ein ausgeprägtes Eigenleben. Mittlerweile sind sie Thema einer eigenen Internetseite und füllen einen ganzen Bildband. Ein kräftig gewürzter und gut durchmischter Salat aus Farben, Stilen und Sprachen mit Liebesbotschaften neben Wortspielen und Gedichten. Comicartige Karikaturen des Künstlers drängen sich an realistische Porträts und phallische Strichzeichnungen. Überdies kommt eine metaphysische Debatte über die Existenz der Seele nach dem Tod zu dem Schluss, Serge könne gar nicht tot sein, sondern sei in den Himmel aufgestiegen, wo er zur Rechten des haschischrauchenden Gottes sitzt. Wäre es nicht ohnehin sein Haus gewesen, Gainsbourg hätte sich hier sicherlich absolut heimisch gefühlt.Als er am 2. März 1991 knapp einen Monat vor seinem dreiundsechzigsten Geburtstag in seinem Schlafzimmer starb, trauerte ganz Frankreich. Brigitte Bardot, die mit ihm geschlafen hatte, hielt eine Grabrede; Präsident Mitterand, der dies nicht getan hatte, hielt ebenfalls eine. Er war "unser Baudelaire, unser Apollinaire", sagte der erste Mann des Staates. "Er erhob das Lied in den Rang der Kunst." Die Flaggen wehten auf halbmast. Ein Symbol, das dem Popgenie weit weniger entsprach, als jene Gitanes-Päckchen und Flaschen voll Whisky und Pastis, die von den vielen Menschen, denen es gelungen war, die Polizeiabsperrungen rund um die Rue de Verneuil zu überwinden, als Zeichen ihrer Verehrung hinterlassen wurden."Frag irgendjemanden in Paris", sagt Nicolas Godin von der französischen Popgruppe Air, "und alle können sich an das erinnern, was sie gerade taten, als sie hörten, dass Gainsbourg gestorben war. Es war ein richtiger Schock. Denn er war immer da, ein Teil unserer Kultur. Ständig war er im Fernsehen und machte etwas Verrücktes. Er war ein Poet. Er war ein Punk. Und er wollte Whitney Houston vögeln."Der Mann, der aussah wie eine elegante Schildkröte, die man mit einem obszönen, kettenrauchenden Wolf gekreuzt hatte, war außerdem Sänger, Songwriter, Gewinner des Grand-Prix-d'Eurovision, Schauspieler, Regisseur, Drehbuchschreiber, begnadeter Filmkomponist, Fotograf, Künstler, Schriftsteller, Intellektueller, Populist, Provokateur, Clown, Gefühlsmensch, Liebhaber, Trinker und der Mann, der im Alleingang den französischen Pop befreite."Ich möchte dich vögeln." Jenes berüchtigte Angebot des triefäugigen, damals sechsundfünfzigjährigen an seinen Mitgast Whitney Houston in perfektem Englisch live und zur besten Sendezeit in einer Familienshow vorgetragen, verband alle seine Obsessionen: Doch obwohl - oder gerade weil - er sich absolut den Zigaretten, dem Alkohol, der Sinnlichkeit und der Provokation verschrieben hatte, war sein musikalischer Output über mehr als drei Jahrzehnte erstaunlich groß. Dazu gehörten eine Reihe von Neuanfängen, die David Bowie geradezu langweilig aussehen lassen: Klassische Musik, Chanson, Jazz, Girlpop, Rock, Reggae, Disco, Rap. Sie spiegeln eine tiefe Kenntnis all dieser musikalischen Traditionen wider, denen er zwar mit tiefem Respekt begegnete, sie aber zugleich so für sich vereinnahmte, dass etwas vollkommen Einzigartiges daraus entstand.Seine Liedtexte waren irrsinnige Meisterstücke franglischer Mehrdeutigkeiten und rhythmische, lautmalerische Wortkaskaden. Sexuelle Besessenheit, Inzest, Furzen, Koprophagie, Literatur, Philosophie, Grammatik, faschistische Konzentrationslager, Trottel und Tankerunglücke, all diese Dinge waren willkommene Themen für seine Songs. Songs, die sowohl von den Leuten auf der Straße gepfiffen, als auch in Gedichtbänden abgedruckt und an Universitäten interpretiert wurden. Außerhalb von Frankreich war Gainsbourg allerdings nur wegen eines einzigen Liedes bekannt: >Je t'aime, moi non plus<, sein Nummer-Eins-Hit aus dem Jahre 1969, den er zusammen mit der englischen Schauspielerin Jane Birkin aufgenommen hatte. "Gainsbourg war mit einer Eigenschaft geschlagen, die sich als mächtiges Hindernis auf dem Weg zum Rockstar herausgestellt hat. Ein schlimmeres Adjektiv als blind, taub und tot: französisch", schrieb Robert Chalmers in der britischen Zeitung The Independent.Das britische Vorurteil gegenüber französischer Popmusik, das genauso tief und weit geht, wie das französische Vorurteil gegenüber englischem Essen, reicht bis in die Swinging Sixties zurück. England hatte damals die Beatles, die Rolling Stones und Fish'n'Chips, während Frankreich Sacha Distel, die Singende Nonne und Pâté de foie gras hatte. Zumindest war es das, was man gemeinhin zu hören bekam. Einige englische Musikjournalisten konnten sich von dieser Voreingenommenheit leider nur schwer lösen. Man schaue sich nur den Nachruf auf Gainsbourg im Guardian an: "Er hatte ein typisch französisches Gespür für Rock: überhaupt keines."Dass Engländer
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