Kurzbeschreibung
Bessser hätte es für ihn wohl nicht kommen können. Auch wenn die englischsprachige Veröffentlichung seines erfolgreichen Leseprojektes aus Hitlers "Mein Kampf" weit vor der neu aufgekommen Diskussion um ein Lachverbot über Hitler geplant war, sieht Serdar Somuncu jetzt die Zeit gekommen für einen weiteren Schritt in Sachen künstlerischer Vergangenheitsbewältigung und zieht die Veröffentlichung seiner aktuellen CD "Diary of a massmurderer - Mein Kampf" um einen Monat vor.
Dabei setzte sich Somuncu, der zuvor mit fast 1500 Lesungen aus Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf " weltweit auf sich aufmerksam machte, lange Zeit vor vielen anderen mit Hitler auf eine Art und Weise auseinander, die für manch einen ungewohnt und nicht zuletzt deswegen Tabu war. Ein Türke, der aus "Mein Kampf" liest und Hitler der Lächerlichkeit preisgibt, das war für viele ein Unding. Besonders aber für jene, die den Führer in Schutz nehmen wollten galt Somuncus Wirken als offene Provokation. So fanden seine Aufführungen nicht selten unter massivem Polizeischutz statt und wurden häufig Ziel von rechtsradikalen Protestkundgebungen. Somuncu aber lies sich davon nicht irritieren und las sogar mit kugelsicherer Weste. Mittlerweile haben sich die Diskussionen um seine Arbeit entschärft und Somuncu wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, so erhielt er unter anderem auch den Prix Pantheon in Bonn. Die Idee für eine englischsprachige Fassung seiner Lesung kam von einem Zuschauer aus den USA, denn auch dort gibt es nachwievor grosses Interesse an einer humoristischen Auseinandersetzung mit einem der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Für Serdar Somuncu ist diese Art des Umgangs mit diesem Thema indes nicht neu:
"Mich langweilen diese periodisch wiederkehrenden Debatten über den "richtigen" Umgang mit Hitler. Und ewig geht es dabei um die gleiche Frage : Stirnrunzeln oder Schenkelklopfen. Ob es Levys "Mein Führer" ist oder Chaplins "Großer Diktator" war, niemand wird uns Künstler davon abhalten unsere Interpretation des Gröfaz zu geben, so wie auch niemand ernsthaft unterstellen kann, dass wir mit unseren Arbeiten zu einer Verharmlosung des Holocaust beitragen wollten. Das ist eher das Wunschdenken einiger Selbstdarsteller, die immer im Zusammenhang mit solchen Debatten ihre Anteilnahme zeigen, indem sie drohend ihren Zeigefinger erheben, als wären sie das Gewissen einer orientierungslosen Nation. Konstruktive Vorschläge kommen von diesen Leuten meist nicht. Die Menschen in Deutschland, egal welcher Herkunft, sind keine Vollidioten. Mir ist lieber, die Leute lachen über Hitler, als das sie ihn vergessen. Deutschland ist erwachsen und sich seiner dunklen Seiten sehr bewusst. Es braucht keine Gedanken oder Witzpolizei, die einschreitet wenn der Deutsche vor sich selbst geschützt werden muss. Mehr als 60 Jahre danach, brauchen wir vielmehr einen zeitgemässen Umgang mit der Witzfigur Hitler und das bedeutet auch ein angstfreies Lächerlichmachen der Täter von dem gewissenlosen Lachen über die Opfer trennen zu können."
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