Mit "Magyk", dem ersten Band ihrer Trilogie um Septimus Heap, ist der englischen Autorin Angie Sage ein wortwörtlich zauberhaftes Debüt gelungen.
Zum Inhalt wurde in anderen Rezensionen ausführlich Stellung genommen, im Mittelpunkt steht meiner Ansicht nach das Findelkind Jenna, das mit Mitgliedern seiner Ziehfamilie und der Außergewöhnlichen Zauberin bei Nacht und Nebel vor hinterhältigen Meuchlern aus der Burg fliehen muss. Sie schleppen dabei eher versehentlich einen schüchternen Zehnjährigen mit, der dadurch unfreiwillig zu einem Desserteur der Jungenarmee wird und gar nicht davon begeistert ist, mitten in den Sümpfen in der Hütte einer Weissen Hexe zu landen.
Die Geschichte ist übrigens in sich abgeschlossen, aber ich denke, wer dem Zauber von Angie Sage erlegen ist, wird froh darüber sein zu hören, dass es noch zwei Fortsetzungen geben wird.
Aufgrund der Thematik - Zauberei - und dem Genre Jugendliteratur liegt ein Vergleich mit Harry Potter nahe; muss aber gar nicht sein. Vorweg: Septimus muss sich hinter Harry sicher nicht verstecken, ist aber - und das ist eigentlich ein Vorteil - anders!
Denn Zauberei ist nicht gleich Zauberei, und während die Harry Potter-Abenteuer in der heutigen Zeit in eine Art 'angepassten' England spielen, lebt die Zaubererfamilie Heap in einer völlig neu geschaffenen, mittelalterlichen Welt.
Außerdem ist Sages Stil etwas einfacher als der von Rowling und auf ein etwas jüngeres Publikum zugeschnitten als die späteren Potter-Bände.
Wie aber alle guten Kinder- und Jugendbücher können auch ältere Leser ihren Spaß damit haben.
"Magyk" verbreitet unglaublichen Charme. Die größte Stärke des Romans sind sicherlich die (teilweise arg skurrilen) Charaktere: die mächtigste Zauberin des Landes hat einen Lila-Tick und einen Faible für Python-Stiefel, die Weisse Hexe der Sümpfe kocht für ihr Leben gern, aber nicht unbedingt gut ... es gibt Botenratten, Panzerkäfer, einen schüchternen Kind-Soldaten, einen cleveren Hund, freundliche Geister, geschwätzige Wirtinnen, Waldhexen, Werwölfe, Wasserschlangen und und und...
Die Autorin taucht mit uns in eine Welt ein, die mich begeistert hat.
Außerdem gelingt es ihr geschickt, trotz ihres einfachen Sprachstils Stimmung zu erzeugen und sowohl Szenen zu erschaffen, über die Kinder begeistert sein werden (z.B. eine kuriose Rutschpartie) als auch Sequenzen, über die sich Erwachsene köstlich amüsieren können,
Sie nimmt sich Zeit, dem Leser kurze Einblicke in die Köpfe fast aller handelnden Figuren zu gewähren und betrachtet die Ereignisse mit einem leichten Sarkasmus, der vor allem ältere Leser zum Schmunzeln bringen wird.
Warum es statt wohlverdienter vier Sternen sogar fünf gibt:
Mit der Aufmachung des Buches hat sich der Hanser Verlag alle Mühe gegeben. Ein herzliches Dankeschön dafür! Gerade in der heutigen Zeit ist das leider selten geworden. Neben dem liebevoll gestalteten Einband (der sogar direkten Bezug zum Roman nimmt) ist das Buch mit zahlreichen schönen Skizzen und einer Karte ausgestattet und über die Papierqualität kann man auch nicht meckern.
Preis-Leistungsverhältnis ist also wirklich in Ordnung...
Rundum also im Gesamtpaket sehr empfehlenswert! Bitte mehr davon!