Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Jaume Cabré - Senyoria, 28. August 2009
Der Präsident des Königlichen Gerichts von Barcelona Don Rafel Massó i Pujades, auch "Senyoria" genannt versucht eine schnelle Verurteilung des Dichters Andreu Perramon, der einer Gewalttat verdächtigt wird und deswegen im Gefängnis landet, zu erreichen. Der Einzige, der Andreu vor dem Galgen retten kann, ist sein Freund und Musiker Nando Sorts, der sich aber zu dieser Zeit auf einer Reise mit dem Militär befindet.
Jaume Cabré erzählt in drei Teilen die Geschichte von verschiedenen Personen, die in irgendeinem Bezug zu "Sa Senyoria" stehen.
Zunächst ist unklar, welchen Grund Rafel Massó hätte, dass er Andreu Perramon tot sehen will, oder was die parallel erzählte Geschichte des alten Mannes Ciset mit dem allen zu tun hat. Erst später lichtet sich das Ganze und man ist als Leser sehr über die Zusammenhänge und Hintergründe überrascht.
Durch Komik und Ernsthaftigkeit im Wechsel schafft Cabré es, dass man von der Geschichte völlig gefangen genommen wird und er schafft es mit zusätzlicher Spannung, vor allem zum Ende hin, dass man ganz von der Handlung gefesselt ist.
Cabré gelingt es auch durch detaillierte Beschreibungen Barcelonas eine unglaublich dichte und packende Atmosphäre zu schaffen.
Leider war "Senyoria" von Jaume Cabré stellenweise etwas zäh durch dessen ausschweifende Schilderungen astrologischer Begebenheiten und Fakten, da Rafel Massó nicht nur Gerichtspräsident, sondern auch Hobbyastrolog ist und des Öfteren seine Angebetete Baronin Donya Gaietana durch sein Teleskop beobachtet - natürlich ganz ohne dem Wissen seiner Ehefrau Donya Marianna!
Nichtsdestotrotz gefiel mir "Senyoria" sehr gut und ich freue mich schon sehr auf weitere Werke dieses großartigen Autors!
4 von 5 Sternen!
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Das schon 1991 im Original erschienene Buch kommt bei weitem nicht an "Die Stimmen des Flusses" heran, 1. Oktober 2009
Der spanische Autor Jaume Cabre, der vor einiger Zeit mit dem Roman "Die Stimmen des Flusses" in Deutschland einen großen Erfolg hatte, hat das vorliegende, vom Suhrkamp Verlag nun nachgeschobene Buch schon 1991 im Original veröffentlicht. Dort hat sich der Roman gut verkauft und wurde mit mehrer Literaturpreisen ausgezeichnet.
Der Roman spielt im Barcelona des Jahres 1799; er beschreibt eine historische Liebesgeschichte im Kleid eines historischen Krimis. Beide Genres sind aktuell en vogue und so muss man kein Prophet sein, um vorauszusagen, das sich auch dieses Buch gut verkaufen wird.
Im Mittelpunkt des Romans steht der Präsident des Königlichen Gerichts in Barcelona, Don Rafael Massó i Pujades, der größten Wert darauf legt, dass ihn alle mit der ihm gebührenden Bezeichnung ansprechen: Senyoria - Euer Gnaden. Don Rafael isst gerne und zu viel, hat sich in eine junge bezaubernde Baronin verliebt, betrügt seine Frau, betrachtet die Sterne und hat stets Angst, irgendjemand könnte seine gesellschaftliche Stellung in Gefahr bringen.
Eines Tages also nun kommt die berühmte französische Sängerin Marie de l'Aube Desflors nach Barcelona, um vor den versammelten Honoratioren ihre Kunst zu präsentieren. Neben einer eindrucksvollen Stimme verfügt sie auch über eine nicht zu bändigende sexuelle Energie. Sie lacht sich den jungen Dichter Andreu Perramon an und verbringt mit ihm die Nacht.
Nach dieser Nacht ist die Sängerin tot. Andreu wird verhaftet und eingekerkert. Er beteuert seine Unschuld, niemand glaubt ihm. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die politischen Kräfte darauf geeinigt haben, an ihm ein Exempel zu statuieren und ihn schnell verurteilen wollen. Der einzige, der ihn entlasten könnte ist sein Freund Nando, ein junger Komponist, der aber leider gerade im Krieg ist und von den Nöten seines Freundes nichts weiß.
Jaume Cabre hat diese Geschichte spannend erzählt. Doch die Figuren leiden unter ihrer statischen Beschränkung. Keine Menschen sind das mit ihren Sorgen, Nöten und Begierden, sondern sie gleichen Karikaturen. Was an vielen Stelen langweilt und verärgert ist ein mitunter sehr schwafeliger Schreibstil. Ein Beispiel:
"Das Jahr hat 365 Tage. Zieht man die zweiundfünfzig Freitage und dreiundfünfzig Sonntage ab, die nicht zu gebrauchen sind, weil an dem einen des Leiden Christi gedacht wird und der andere der Tag des Herrn ist, so bleiben zweihundertsechzig. Von diesen wiederum gehen die Tage der Fastenzeit ab, bekanntermaßen vierzig an der Zahl, wobei zu bedenken ist, dass wir ja die Freitage und Sonntage schon abgerechnet haben, so dass man summa summarum auf dreißig Fastentage kommt. Nach Abzug dieser dreißig Tage bleiben immer noch erfreuliche zweihundertdreißig Tage über."
Cabres neues Buch ist eine leichte Lektüre, die aber bei weitem nicht an die hohe Kunst von "Die Stimmen des Flusses" herankommt. Man hat den Eindruck, hier habe der Verlag ohne weitere Prüfung und ohne ein neues Buch von Cabre zur Verfügung zu haben, in die Erfolgsspur des letzten Bestsellers rechtzeitig zur Buchmesse ein weiteres Werk setzen wollen in der Hoffnung auf viele nachahmende Käufer. Die meisten werden von diesem Buch enttäuscht sein. Es reicht nicht an "Die Stimmen des Flusses" heran.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ursachen und ihre Wirkung, 6. September 2009
Bereits in seinem früheren Roman zeichnet sich Jaume Cabré durch überaus rasche Szenenwechsel, kurze Töne und bestechende Gesellschaftskritik aus - diesmal im Barcelona um die Jahrhundertwende 1799 im Zeitalter der Romantik.
Nach einem gesellschaftlichen Ereignis im Hause des Marquis Dosrius wird der französischen Sängerin, dem Ehrengast des Abends, der Nachtigall Marie de l'Aube Desflors umgebend von Betrunkenen oder in Tiefschlaf gefallenen die Kehle aufgeschlitzt. Diese Tat wird dem jungen, am Mord unschuldigen Dichter Audreu Perramon zum Verhängnis - wohl gemerkt die Indizien deuten auf ihn: so vergisst er ein Medaillon mit seinem Namen nach der Liebesnacht im Hotelzimmer der Nachtigall, zudem wird ein versiegeltes Schriftstück in seiner Wohnung sicher gestellt - das zwar mit dem Mord nichts zu tun hat, den Präsidenten des Königlichen Gerichts "Senyoria" Don Rafel Massó i Pujades höchst selbst aber eines Verbrechens bezichtigt. Stück für Stück bringt Cabré Tatsachen ans Licht, die schlussendlich nicht den Mord an der Nachtigall ins Zentrum des Geschehens rücken, sondern eine ganz andere Tat.
Rasant schnell wechselt Cabré seine Szenen, seine Schauplätze und Protagonisten, führt damit seine Handlung einer Spannungsspitze zu, die nicht so sehr in der Aufklärung des Mordes als im gesellschaftlichen Verfall des Don Rafel gipfelt - in der Ausprägung von Gewissensbissen, in den höchsten Anstrengungen, eine begangene Tat zu verschleiern, den Fängen der Justiz zu entkommen, selbst wenn man diese verkörpert. Senyoria wird als unsympathischer Widerling charakterisiert, als Emporkömmling, als Voyeur und kleiner Perverser und ganz besonderer Feigling. Die Hetzjagd die im dritten und letzten Teil auf ihn eröffnet wird, lässt kein Entkommen zu, drängt ihn an die Wand - selbst die heilige Beichte wird ihm am Ende die Absolution nur bedingt erteilen.
Der Mörder der Nachtigall wird nicht gefasst, auch die Wideraufrollung des Verfahrens bringt diesen nicht ans Tageslicht - schlussendlich ist die Nachtigall höchst nebensächlich. Für mich Leser wäre eine Aufklärung dennoch von Interesse gewesen - so habe ich zwar einen Verdacht, diesen jedoch nicht bestätigt gefunden (ein Stern minus).
Obwohl Cabré mit einem bedrückenden Justizirrtum aufwartet, mit einer Vielzahl berechnender, hinterhältiger Menschen, entspringen seine Charaktere und ihre Gesellschaft einer äußerst schelmischen und satirischen Feder. Der Roman und seine Tonart erinnern mich ein wenig an den großen Meister Dumas - das schadet kein bisschen, sonder zeigt ein Barcelona im Ausklang von Aufklärung und Revolution. Die schöne und stimmige Übersetzung rundet diesen gelungenen Roman ab.
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