Der Charakter des Thomas Lieven ist völlig falsch dargestellt. Im Buch - das ich sehr schätze - ist Thomas Lieven ein weltgewandter, souveräner und gewissenhafter Mensch, der vor allem mit seiner Intelligenz und seiner grandiosen Kochkunst die ganzen tumben Militärs und Agenten austrickst. In diesem Film hingegen ist er ein trotteliger Tollpatsch, dessen Kochkünste in nur einer einzigen Szene ganz zu Anfang überhaupt zur Sprache kommen und dabei wird noch nicht mal gegessen.
Die weiblichen Figuren entsprechen auch nicht dem Buch. So wird z.B. aus der gerissenen, vampartigen Marseiller Bandenchefin mit sehr individuellem Kleidungsstil ein pummeliges Zimmermädchen, das nicht mal in Ansätzen gerissen ist. Wenn man das Buch nicht gelesen hat, fehlt einem der komplette Zusammenhang, denn ein durchgehender Handlungsstrang ist nicht zu erkennen.
Die Figuren (auch die der Geheimdienst-Mitarbeiter) werden gar nicht erklärt und es tauchen auch weitere Figuren auf, die es im Buch gar nicht gibt, die aber die ohnehin chaotische Handlung noch weiter chaotisieren.
So ist der Film eine Aneinanderreihung von verkrampft ulkigen Szenen ohne jeden Bezug zu der Handlung im Buch. Es muß nicht grundsätzlich so sein, daß ein Film die Handlung im Buch 1:1 übernimmt - das ist bei dem Umfang dieses Buches auch schlicht nicht möglich - aber dann muß eben etwas Eigenes entstehen und man muß sich in der Kunst des Weglassens üben.
Wer das Buch schätzt und kennt, der sollte sich diesen Film versagen. Für diejenigen, die das Buch nicht kennen und den Film zuerst schauen, wird das Buch danach eine Offenbarung sein.