Martin Darting ist auf einer Mission. Auf einer Mission gegen Beliebigkeit und willkürliche, nicht nachvollziehbare Aussagen zu probierten Weinen ("lecker"). Im Bereich Weingenuss, Weinliteratur, Weinkritik u.dgl. ist dies auch sehr zu begrüssen, reden doch nicht nur Laien, sondern auch erfahrene Weinverkoster und -journalisten mitunter aneinander vorbei.
Darting geht es in seinem Büchlein, das zu recht Aufmerksamkeit erregt hat, um objektiv nachvollziehbare Verkostungseindrücke, die auf einer von ihm entwickelten Systematik beruhen. Ausschlaggebend sind für ihn deskriptive und analytische Schilderungen, die im Gegensatz zur üblichen Weinprosa eine nachvollziehbare Einordnung der verkosteten Weine ermöglichen sollen.
Folgerichtig unterteilt Darting die Degustation in Riechen, Fühlen und Schmecken. Er beurteilt Komponenten wie Alkohol, Zucker und Säure getrennt, unterteilt Aromen in Gruppen wie fruchtig, blumig etc. Dass auch bei einem so analytischen Ansatz das subjektive Empfinden nicht völlig eliminierbar ist, ist ihm bewusst.
Soweit fand ich diesen Ansatz stimmig und einleuchtend. Für Laien ist das eine sehr lehrreiche Einführung ins Thema. Für erfahrene Verkoster hingegen wirken die Thesen sehr knapp und für praktische Zwecke nicht anschaulich genug. Insofern hätte dieser theoretische Überbau aus meiner Sicht zwingend von Beispielen oder sogar Übungen - etwa in einem Anhang - begleitet werden müssen, um bereits erworbene Fähigkeiten auch wirklich vertiefen zu können.
Fazit: Für Laien top, für Fortgeschrittene dagegen nicht so geeignet - 4 Sterne.
Anbei noch das Inhaltsverzeichnis. Anhand der Seitenzahlen kann der geneigte Leser das insgesamt sehr komprimierte Format nachvollziehen:
Vorwort 9
Einleitung 10
1 Was ist Geschmack? 11
1.1 Über Geschmack reden 12
2 Warum wird die Sinneswahrnehmung Geschmack so wenig beachtet 13
3 Wahrnehmungs- und Dokumentationssysteme, oder warum es so schwer ist, objektiviert über Geschmack zu sprechen 14
3.1 Zur Praxis: 14
3.2 Ist-Situation der Wein- und Produktbeschreibung 14
4 Die Trennung von Dokumentation und Beurteilung 16
4.1 Empfindung und Wahrnehmung 16
4.2 Kalibration 16
4.3 Objektivität/Relativität 17
4.4 Unterschiedliche Gewichtung bei der Geschmacksbildung von Aroma und schmeckbaren Produktinhaltsstoffen 18
5 Der Geschmack 19
6 Die Sensoanalytik 21
6.1 Erste Schritte der praktischen Sensoanalytik 21
6.1.1 Quantitative, deskriptive Analyse QDA 22
6.1.2 Zielgruppenorientierte Produktbeschreibung 23
6.1.3 Herkunft und Terroir 23
6.1.4 Food Pairing 23
6.1.5 Dynamik 24
6.1.6 Aromazuordnung 24
6.1.7 Preis-Leistung 24
6.1.8 Anwendung 24
6.1.9 Lagerpotential 24
6.1.10 Qualitätseinschätzung 24
6.1.10.1 Was bedeutet Qualität? 26
6.1.10.2 Traubenunabhängige Beeinflussungen des Weinaromas