Eine Kernfrage menschlichen Lebens stellt die Motorik dar. Sie befähigt den Menschen letztlich sowohl in psychischer als auch physischer Hinsicht, sein Leben als eigenen Entwurf zu gestalten. Dies zeigt sich umso mehr, wenn diese durch Alter oder Behinderung nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Zumeist wird erst dann die zentrale Bedeutung dieses Bereiches für das menschliche Leben sicht- und erlebbar. Für Auszubildende, Studierende aber auch Praktiker in Gesundheits-, Pflege-, Sozial- und Heilberufen steht daher das weite Feld menschlicher Motorik immer im Fokus, geht es doch darum, die motorischen Möglichkeiten und Fähigkeiten des Einzelnen so zu gestalten, zu fördern und, wo nötig, therapeutisch zu beeinflussen, dass der Betroffene ein Höchstmaß an Individualität leben kann. Die Autoren des vorliegenden Bandes haben in diesem Werk den Versuch gewagt, den Gesamtbereich menschlicher Motorik in regulärer wie abweichender Entwicklung darzustellen und konkrete Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen. Ausgehend von der Evolution über die menschliche Entwicklung in körperlicher, geistiger und seelischer Hinsicht bis hin zu Abweichungen in den Bereichen der Niederleistung und der Hochleistung berücksichtigt das Werk umfassend alle Bereiche der Motorik. Dies macht die Lektüre im Übrigen schon für den Leser interessant, der sich einmal mit der Frage des eigenen Lebens und seiner Entwicklung befassen möchte. Der Band ist, wie man es vom Verlag gewohnt ist, aufwendig gestaltet. So unterstützen die zahlreichen Abbildungen, Schaubilder und Tabellen den Lernenden außerordentlich, um sich dem Bereich der menschlichen Motorik unter allen seinen Aspekten anzunähern. Selbstverständlich darf in einem Buch mit diesem Anspruch auch ein Überblick zu der faszinierenden Vielfalt praktischer Anwendungsbereiche nicht fehlen. Die Autoren enttäuschen auch in diesem Bereich nicht. Verfahren der motorischen Diagnostik und Therapie runden das Werk ab. Erfreulicherweise wird die Vielzahl der vorhandenen mototherapeutischen und motopädagogischen Verfahren in Tabellenform beschrieben. Gerade für den Praktiker stellen diese Übersichten einen großen Gewinn dar, will und muss er sich doch häufig genug einen schnellen Überblick verschaffen, wenn im konkreten Fall eine bestimmte Therapieform als Empfehlung benannt wird. Angesichts der Fülle einen auch nur annähernden Überblick zu behalten, ist letztlich nur dem Fachmann aus der Therapie möglich. Wenn jedoch gerade in der Behinderten-, aber auch Altenhilfe interdisziplinäres Denken und Handeln gelingen soll - und das ist eine zentrale Forderung in unserer Zeit, um für die begleiteten Menschen zu einem bestmöglichen Ergebnis zu kommen -, müssen letztlich alle Handelnden mindestens in groben Zügen wissen, wovon die Rede ist, aber auch, welche Alternativen gegebenenfalls zur Verfügung stehen. Auch hierzu stellt das Werk einen wichtigen Beitrag dar. Man wünscht dem Buch viele Leser: Den Lernenden an Fach- und Fachhochschulen ebenso wie den Praktikern, die ihr Interesse am lebenslangen Lernen ebenso wenig verloren haben, wie ihr Interesse, im Dienst an und für den Menschen wo immer möglich gute Ergebnisse zu erzielen.
Dr. Ulf-Henning Janssen für Berufsverband Heilerziehungspflege in Deutschland e.V.