Mein Hörvergleich der beiden o.g. Kopfboxer. Als bisheriger AKG-Benutzer befand sich ursprünglich noch der K 701 in meiner engeren Wahl, der jedoch auf Grund des niedrigen Nennwiderstands und der evtl. einhergehenden Probleme bei Verlängerung des Kabels, im Vorfeld ausschied. Angeschlossen habe ich beide Hörer am entsprechenden Eingang meiner Rotel Vorstufe (kein separaten Kopfhörerverstärker) Probegehört habe ich die beiden Geräte, nach Einspielzeit, mit Futter aller Musikrichtungen (Rock bis Klassik), wobei ich hierfür nur hochwertige Aufnahmen verwendet habe. 4-5 Ohren also. Ihr kennt die Fachzeitschrift ;-) Ebenso spezielle CD's deren Aufnahmen ohne Kompressoren oder Abregler die volle Dynamik in die Hörer schicken. Somit (dachte ich) ist dieser Vergleich nur für Audiophile mit entsprechender Gerätschaft interessant. Weniger für jene, die einen I-Pod oder PC als Quelle nutzen wollen. Ich sollte mich irren ;-)
Vorbemerkung
Für beide 5 Sterne!
Denn beide sind für ihre Preisklasse sehr gut. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede, sodass es für jeden von uns gilt, die Entscheidung über einen persönlichen Hörtest zu fällen. Das Ergebnis wird dann auch individuell verschieden sein, da Hörgewohnheiten (persönliche Klangvorlieben), Einsatzbereich (Musikrichtung), sowie Quelle (High End bis I-Pod) das Hörerlebnis maßgeblich in die eine oder andere Richtung beeinflussen werden.
Verpackung/Auftritt/Verarbeitung
Hier tun sich beide nichts. Der Sennheiser kommt in einer edlen Schatulle, der Beyerdynamic gar in einer Kunstledertasche - also für die Reisenden unter uns ;-) Optisch sind beide ansprechend, was für die Preisklasse Standard sein sollte. Der Sennheiser wirkt designtechnisch etwas harmonischer, oder in neudeutsch - cooler.
Verarbeitungstechnisch bieten ebenfalls beide das gute Made in Germany, wobei der DT 880 in der Hand ein klein wenig klappriger wirkt und auch seine Bügelweitenverstellung (zu leichtgängig) etwas weniger Vertrauen weckt. Die nächste Freundin also nach Kopfgröße auswählen - dann haben wir kein Problem damit ;-)
Tragekomfort
Hier punktet mir eindeutig der Beyerdynamic. Diese Kopfboxen fühlt man fast nicht und dennoch schließen sie sauber um die Ohren, obschon sie laut Datenblatt mehr wiegen und mehr Bügeldruck erzeugen sollen. Den Sennheiser jedoch fühle ich sehr deutlich. Aber - und entgegen meiner anfänglichen Befürchtung - er wird auch nach Stunden des Hörens, nicht lästig. Der DT 880 ist also ein Hörer für den großen Ohrensessel, in dem man auch gleich einschlafen kann. Der HD 650 hingegen verträgt durchaus Bewegung. Ich gehöre z. B. zu denen, die auch mal mit unkontrollierten Zuckungen vor der Anlage rumhüpfen ;-)
Kabel/Stecker
Der Sennheiser ist zweiseitig, der Beyerdynamic, einseitig angebunden. Mir eigentlich Wurst, auch wenn High Ender mitunter die einseitige Kabelanbindung ablehnen. Gut jedoch ist der Klinge-Adaper-Stecker des DT 880, wohingegen der HD 650 einen unnötigen Kabel-Adapter anbietet. Beider Varianten jedoch vergoldet und mir ebenfalls Wurst, da ich nicht vorhabe den Kopfhörer an einen I-Pod anzuschließen.
Klang
Und nun - wer hätte das gedacht - trennen sich die Wege der beiden Kopfboxer deutlich. Ich werde nun auch nichts verallgemeinern, sondern auf jede Musikrichtung kurz eingehe.
1. Klassik / Symphonie (List: Les Preludes / Tchaikovski: 1812)
Hier wirkt der DT 880 für mich luftiger. Er hält die Instrumente auseinander und macht mir das Orchester transparent. Er reproduziert auch die feinen Nuancen einer schwingenden Cello- oder Basssaite einwandfrei. Beim Finale wirkt er mir jedoch ein wenig stressig. Der Sennheiser löst nicht so gut auf, bleibt dafür aber auch unter Druck sauber.
2. Klassik / Oper (Arien: Netrebko / Garanca)
Auch hier wirkt der Beyerdynamic auf mich transparenter und lässt die Stimme einer Frau Netrebko "schöner" klingen. Der HD 650 bleibt neutral, fast langweilig, kennt dieserhalb aber eben auch keinen Stress wenn Anna oder Elina Gas geben.
3. Pop/Jazz/Rock (u.a. Dire Straits/Melissa Etheridge/Art of Noise)
Hier sticht für mich eindeutig der HD 650 und der Beyerdynamic zeigt mir, womit er die die o.g. Transparenz erkauft. Der DT 880 hebt die Höhen und teils auch Bässe an, was fast bei jeder Aufnahme die S-Laute zischeln lässt und mir auf Dauer das Hören zu anstrengend macht. Damit erklärt sich mir auch der o.g. und auch hier vorhandenen Stress in lauten Passagen. Zudem verdrängt er mir die Gesangsstimme zu sehr, die (wenn vorhanden) der Bezugspunkt eines gesamtmusikalischen Bildes ist. Der Sennheiser hingegen, lässt mir die Stimme wie sie ist, wirkt homogener, bleibt auch in lauteren Passagen sauber und differenziert und macht ordentlichen Druck, ohne Bässe zu vermatschen.
4. Test CD's (Klassik/Jazz/Pop - ohne Kompressor oder Abregler)
Lange Rede kurzer Sinn. Die Aufnahmen mit ungeregelter, also ursprünglicher Dynamik, bestätigen für mich nur das oben Genannte. Der DT 880 überzeichnet mir zu sehr und wirkt anstrengend, wohingegen der Sennheiser selbst die kritischen Geräusche eines Bottelneck auf Stahlseiten sauber abbildet. Der Beyerdynamic setzt mir die Kirchenorgel zu weit zurück. Der Sennheiser stellt sie samt ihren spürbaren Luftdruck sauber in den Raum bzw. Kopf. Dagegen scheint mir der DT 880 die leisen Percussion Szenen besser aufzulösen.
Ich habe mir dann noch die Mühe gemacht und auch zwischen meinen Virgo's (Audio Physik) und den Kopfmuscheln hin und her gehört, mit dem für mich selben Ergebnis.
Mein Plus für den DT 880: er wertet mittelmäßige Aufnahmen auf und kann dadurch möglicherweise Verwender mittlerer Musikanlagen oder auch I-Pod bzw. PC Hörer, besser bedienen. Auch reine Kopfklassik- und Leisehörer sollten den Beyerdynamic auf jeden Fall in die engere Wahl nehmen und probehören.
Hochwertige Aufnahmen-Anlagen-Ketten mögen den frequenztechnischen Kunstgriff des DT 880 weniger. Und wer wie ich, Musik so gut wie aller Stilrichtungen hört, Klassik jedoch nur über die Lautsprecher (Räumlichkeit gibt's im Kopfhörer nicht), die Kopfboxen somit eher zu später Stunde für einen Lauthöranfall benötigt, wird möglicherweise den Sennheiser bevorzugen. Wie ich ;-)
Dennoch: Gut sind beide!