Fast genau 17 Jahre nach dem Tod des "schnellsten Rennfahrers aller Zeiten" ist der mit Spannung erwartete Dokumentarfilm "Senna", der beim Sundance-Filmfestival bereits den Publikumspreis erhalten hat und als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, nun auch bei uns zu sehen.
Der Film wurde ausschließlich aus Originalaufnahmen zusammengesetzt; neuere Kommentare sowie Aussagen von Familienmitgliedern und anderen Weggefährten werden lediglich als Tonspur aus dem Off dem authentischen Bildmaterial hinzugefügt.
Durch die Fülle des Materials (den Realisatoren haben das gesamte vorhandene Formel-1-Archiv sowie diverse Privataufnahmen der Famile Senna zur Verfügung gestanden) und einen fantastischen Schnitt entsteht jedoch fast der Eindruck eines Spielfilmes, was die Dokumentation ungemein fesselnd macht und sie deutlich über das Niveau üblicher Fernsehdokumentationen hinaushebt.
Neben den atemberaubenden Aufnahmen der Bordkameras, die die Geschwindigkeit und das Gefühl des Rennfahrens geradezu greifbar machen, sind vor allem auch diverse Fahrerbesprechungen und sonstige Hintergrundinformationen, die in der Regel kaum veröffentlicht werden, ausgesprochen aufschlussreich und informativ und gestatten Einblicke in den Rennfahrsport, die man bei den üblichen Fernsehübertragungen in der Regel so nicht geboten bekommt.
Der Film erzählt angenehm geradlinig Sennas Formel-1-Karriere von seinem ersten Rennen 1984 in Monaco über den Grand Prix von Brasilien 1991, bei dem er mit enormer Willenskraft trotz Getriebeschadens gewann und hinter der Ziellinie noch im Cockpit ohnmächtig wurde, bis zu dem verheerenden Wochenende in Imola 1994.
Für einen Film über ein Idol bemüht er sich weitestgehend um Objektivität, was vor allem bei der Schilderung der jahrelangen Konkurrenz zu Sennas Erzrivalen Alain Prost deutlich wird.
Trotz dieser Objektivität ist der Film tief bewegend, was jedoch nicht auf effekthascherischer Inszenierung beruht, sondern alleine auf dem Wissen um das tragische Ende.
Wenn zum Beispiel Sennas Mutter zu Beginn der Karriere ihres blutjungen Sohnes darum bittet, Gott möge ihn beschützen oder wenn Ayrton Senna in Interviews berichtet, wie vieles er noch vorhabe und daß er ja noch so viel Zeit habe, verursachen diese unkommentierten Aufnahmen bereits ganz von selber einen Kloß im Hals.
Der Film erliegt selbst zum Ende hin nicht der Versuchung, in eine tränenschwangere Glorifizierung auszuarten.
So wird der Beginn des tragischen Wochenendes in Imola zwar effektvoll mit etwas dramatischer Musik unterlegt und natürlich zeigt man auch Bilder der trauernden rund 3 Millionen Menschen, die bei Sennas Beerdigung in Brasilien die Straßen säumten, aber der Film bleibt immer eine weitgehend sachliche und geradlinige Dokumentation, die ihre Wirkung allein durch die charismatische Persönlichkeit Sennas und das fantastische Filmmaterial erzielt und während des Abspannes viele Privataufnahmen Sennas am Strand, beim Wasserskifahren und beim Jetskifahren mit seinem Neffen Bruno zu schwungvollen lateinamerikanischen Klängen zeigt.
Sehr gut gelungen ist auch der Soundtrack; sehr sparsam wird das authentische Motorengeheul mit dezenter, nie aufdringlicher Hintergrundmusik und ein wenig südamerikanischer Musik ergänzt.
Einziger winziger Wermutstropfen ist, daß ich mir nebenher ein wenig mehr Informationen über den Privatmann Ayrton Senna, den Familienmenschen, den gläubigen Katholiken, den Lebemann und den diverse caritative Einrichtungen unterstützenden Wohltäter gewünscht hätte.
Aber gut, der Film ist halt in erster Linie eine Sportlerdokumentation und eventuell war die Famile Senna, die den Realisatoren ja großzügig privates Material zur Verfügung gestellt hat, gegen die weitergehende Veröffentlichung privater Hintergründe, eine Entscheidung, die natürlich zu respektieren ist.
Dies schmälert aber in keiner Weise die Tatsache, daß "Senna" eine fantastisch gemachte Dokumentation ist, die nicht nur für Formel-1-Fans absolut empfehlenswert ist.
Abschließend noch ein Hinweis für diejenigen, die eventuell zwischem dem Kauf einer "normalen" DVD oder einer Blu-ray schwanken sollten, das teilweise fast 30 Jahre alte Material, dazu zum Teil mit Bordkameras oder Handkameras aufgenommen, entspricht von der Qualität her natürlich nicht den heutigen Standards.
Ich vermute daher, daß der Kauf einer Blu-ray hier evt nicht unbedingt lohnt, sondern man mit der "normalen" DVD genausogut beraten sein wird.