Eine Sache vorweg: Ja, es wird bis hin zum Grotesken, Unfairen übertrieben, es ist überhaupt keine Dokumentation, und ein richtig gutes Lektorat hätte statt 192 wohl eher 160 Seiten bestehen lassen.
Und erst letzten Donnerstag gab es in der real existierenden Bahn einen so freundlichen Zugbegleiter, dass fast der Verdacht auf chemische Stimmungsaufheller aufkeimte. Und der Rezensent weiß und schätzt, dass die Bahn das angenehmste, günstige, immer noch zuverlässigste Verkehrsmittel ist - auch wenn Mehdorn und Konsorten im Börsenwahn das gerade massiv gefährden.
Was uns zu "Senk ju vor träwelling" führt und dem ganz normalen Wahnsinn der Bahn. Für "Stuttgart 21", hohe Vorstandsprämien, Unternehmensberater usw. ist Geld da, das anderswo fehlt. Die Stärke des Buchs sind die genauen Beobachtungen dessen, was Spörrle und Schumacher dann zuspitzen. Aufs Korn genommen werden die Verspätungen, vollen Züge und technischen Probleme sowie das schauderhafte Pseudo-Englisch und die Bahn-Sprache (das "Heißgetränk in unserem Bordbistro"). Den Lachanfall im Abteil bei so etwas kennt ein Bahnfahrer. Hier im Buch spießen die beiden Autoren, laut eigener Angabe Bahndauerkunden, so etwas auf. Nebenbei erschaffen sie in '"Senk ju vor träwelling": Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen' Figuren, die mit allen ihren Macken doch meist liebenswürdig gezeichnet sind.
Neben bereits erwähnten kleinen "Durchhängern", die einen Stern kosten, ist das Buch für so einige Lacher gut - wobei wir sie doch immer noch lieb haben, unsere Deutsche Bahn.