Wenn man dieses schwarze Buch dann tatsächlich in der Hand hält, sind die gestellten Erwartungen sehr groß. Gerade der Erfolg des ersten Teils war sicherlich das Hauptproblem der Autoren, musste doch der zweite Teil sich erheblich vom ersten absetzen, um ähnlich erfolgreich zu werden.
Und dies ist den Autoren auch tatsächlich gelungen. Das Äußere vermittelt eine größere Härte: mehr Irrwitziges, mehr Skurriles, mehr Bahn und mehr Realität. Das Schwarzbuch wird seinem Namen gerecht und vermittelt uns, wie schlimm es tatsächlich um unsere Bahn steht. Der tägliche Kampf zwischen Bahnbediensteten und Beförderungsfällen ' auch Reisende genannt ' steht im Fordergrund. Viele kleine Geschichten aus dem Alltag sind in gewohnter Form dargestellt, selbstredend mit einer großen Portion Sarkasmus und Realitätsverlust. Doch man merkt an vielen Stellen, dass das System 'Bahn' diesmal genauer betrachtet wurden. So finden nun auch Dinge ihren Platz, die in Wirklichkeit tatsächlich passiert sind. So stellt man sich schnell die Frage, wie schnell das erste Buch wohl im Lesezirkel der Plüschetage der Bahn vergriffen war und findige Manager wohl versucht haben, dieses Buch als Ratgeber zu interpretieren. Das Absurde scheint in der Realität angekommen zu sein und so stellt man auch nach dem Lesen des zweiten Buches fest. Dass vieles, was dort beschrieben wurde, gar nicht so unmöglich erscheint, es erscheint sogar möglicher als früher. Ob dafür nun die Autoren verantwortlich sind, oder doch die Bahnchefs, die ihr Unternehmen börsenreif prügeln wollen, kann jeder für sich entscheiden. Man darf aber nicht vergessen: 'Aktio ist gleich Reaktio.'
Höhepunkte gibt es freilich sehr viele in diesem Buch, wo da die persönlichen Vorlieben liegen sei jedem selbst überlassen. Da gibt es beispielsweise das Gespräch zwischen einem gestrandeten Passagier im strömenden Regen, der vergeblich auf seinen Anschluss wartet und dabei ein Gespräch mit dem Kundenservice der Bahn zwecks Kundenzufriedenheit führen muss. Dabei reden beide quasi aneinander vorbei und wer kennt diese Situation von einer Servicehotline nicht? Da werden einem die Antworten in den Mund gelegt (da sie vorgegeben sind) und so bleibt generell wenig Platz, um seine Meinung differenziert darzustellen. So geschieht es jenem Reisenden, der eigentlich nur wissen will, ob und wann wieder ein Zug fährt, doch dafür scheint die Dame am anderen Ende der Leitung wenig Interesse zu haben. Warum auch.
Dieses Buch knüpft einerseits an das erste an, ist jedoch relativ eigenständig und hält dabei viel Neues bereit, ohne dabei jedoch ganz vom Thema abzuschweifen. Platz für ein drittes Buch gibt es aber weiterhin.