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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Plädoyer für ein tugendhaftes Leben.,
Von Solzimer (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Seneca für Zeitgenossen: Ein Lesebuch zur philosophischen Lebensweisheit (Taschenbuch)
Seneca hält das vernunftgeleitete Leben für das gelungene. Der sprachgewandte Stoiker lehrt, dass Tugend die Voraussetzung für eine gelungene Existenz ist. Selbsterkenntnis, Mäßigung und Güte führen zu einem glücklichen Dasein in innerer Ruhe.Man soll nicht gut sein einer bestimmten übergeordneten Idee wegen (sei es nun Gott, Menschenliebe, bessere Welt). Tugend ist ultimativ, sie bedarf keine Rechtfertigung. Auf Lust gerichtete Leben sieht Seneca dagegen als Irrweg an (interessant im Kontext des gegenwärtigen Anbetung des Genusses). In der Essay-Sammlung empfiehlt er u.a. die Masse zu meiden (würde ihn wohl heutzutage als anmaßend und nicht teamfähig gelten lassen) und präsentiert viele weitere Ideen - von Umgang mit der Zeit bis zum Selbstmord. Der wortgewandte Römer besticht durch seine durchweg dezidierte Überzeugungen, die sich von der gegenwärtig dominierenden weichgespülten pseudo-"anything go" Attitüde wohltuend abheben. Nicht alles, was er predigt ist überzeugend oder widerspruchsfrei, doch tut dies dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Texte sind leicht leserlich geschrieben, sie hintereinander weg zu konsumieren wäre jedoch zu viel Moral auf einmal. Besser, Sie legen das Buch in griffbereiter Nähe und schmökern zur Selbsterbauung ab und zu darin. Sie werden übrigens feststellen, dass die Menschen sich in den letzten 2000 Jahren nicht geändert haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ansichten eines kollaborateurs,
Von
Rezension bezieht sich auf: Seneca für Zeitgenossen: Ein Lesebuch zur philosophischen Lebensweisheit (Taschenbuch)
seneca (4-65 n. chr.) war zeitgenosse des jesus von nazareth. während der am ende gekreuzigte in der auseinandersetzung mit der römischen besatzungsmacht und den pharisäern im eigenen lande zum anfangspunkt einer uns bekannten religion wurde, arrangierte sich der politische antipode mit der macht: seneca war begüterter, nutznießender staatsmann im römischen reich und machte mancherlei konzession gegenüber den unmenschlichkeiten der arrogant mordenden römischen kaiser-cliquen (caligula, claudius, nero). anders als der widerspenstige sokrates, der allzu deutlich auf den schierlingsbecher zusteuerte, anders als ein schillerscher wutentbrannter michael koolhaas, nicht einmal wie ein rührender don quichote - seneca suchte sich keinerlei wünschenswertes gegenprofil. seine rhetorischen gefälligkeiten (genügsamkeit und pflichtschuldigkeiten verabreichend) sind ähnlich den humanistischen durchhalteparolen der studienräte des 1000jährigen reiches, die auch tapferkeit und selbstlosigkeit predigten. den charme des deserteurs, den uns eine till eulenspiegel-figur vermittelt, den charme, den jedes denken doch zumindest erreichen sollte: man sucht ihn bei seneca vergebens. er ist der kollaborateur pur. und typisch für das schicksal aller masochisten: alle ergebenheit gegenüber dem kaiser nero (dessen muttermord seneca so elegant gerechtfertigt hatte), alle biegsamkeit half ihm nicht heraus aus der lebenslang drohenden willkür einer hohnlachend mit todesurteilen um sich werfenden soldaten-kultur. jesus starb am kreuz, seneca mußte sich in einer art harakiri-stimmung mitsamt seiner frau einen theatralischen selbsttod verabreichen, der, folgt man der beschreibung des tacitus, sehr dilettantisch organisiert war. erst schnitt er sich unzureichend die pulsadern auf, dann erst genehmigte er sich den schierlingstrank, der nun aber nicht mehr wirken konnte, da die blutzirkulation herabgestuft war. der dritte trick, dass man ihn ins dampfbad schleppte, führte letztlich zum erstickungstod. als ähnlich vermurkst muss auch bei genauerer betrachtung die halbphilosophische, allzu diplomatisch-biegsame und bigotte leistung des reichen seneca betrachtet werden, der so günstig alle armen, weniger begüterten und nicht mit 500 elfenbeintischchen bestochenen untertanen dressierte: seine zeitgenössischen als auch jene, die jahrhunderte später die schulbänke drückten...
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