Kurzbeschreibung
Im ganzen Altertum war niemand soviel wie er: Staatsmann, Finanzgenie und Pädagoge, Philosoph, Redner und Dramatiker. Aus der Provinz, dem spanischen Corduba kommend, hat er als Intellektueller in Rom politische Karriere gemacht; vom Prinzenerzieher stieg er auf zum Leiter der kaiserlichen Amtsgeschäfte. Durch Claudius wurde er verbannt, und zuletzt zwang Nero, sein einstiger Schüler, ihn zum Selbstmord. Doch Seneca war längst unsterblich geworden.
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Der Konflikt zwischen Macht und Geist ist nicht neu, es gibt ihn seit den Anfängen der menschlichen Zivilisation, und die Zahl der historischen Beispiele ist Legion. Vom erzwungenen Selbstmord des Sokrates in der Antike über den Kampf der Kirche gegen die Naturwissenschaften in der Neuzeit bis zu den verfolgten Intellektuellen der Gegenwart. Manfred Fuhrmann, ein weit über die Grenzen seines Faches hinaus bekannter Altphilologe, hat sich in seinem jüngsten Buch einem klassischen Beispiel angenommen:
Seneca und Kaiser Nero. Die Studie beschränkt sich aber nicht auf die Analyse der Beziehung zwischen berühmtem Philosoph und berüchtigtem Diktator, sondern bietet eine umfangreiche Behandlung von Leben und Werk des Seneca, wobei auch das historische und kulturelle Umfeld ausgiebig berücksichtigt wird.
Ein Biograph Senecas steht vor einer grundlegenden Schwierigkeit, nämlich der spärlichen Quellenlage über dessen Leben. Es gibt gerade für die erste Lebenshälfte nur spärliche Zeugnisse. Erschwerend kommt noch hinzu, daß der Philosoph in seinen Werken -- im Gegensatz beispielsweise zu Cicero -- kaum autobiographische Anmerkungen macht. Fuhrmann löst diese Schwierigkeit, indem er sorgfältig die Umstände seiner Herkunft aus Spanien rekonstruiert, einen Blick auf die rhetorische Tradition wirft und ausführlich auf die Verhältnisse am damaligen Kaiserhof eingeht.
Seneca kam um das Jahr Null in Cordoba zur Welt, sein Vater war der Rhetor Lucius Annaeus Seneca. In Rom erhielt er dann eine umfassende Ausbildung in Rhetorik und Philosophie, wobei ihn besonders die Lehre der Stoiker beeindruckte, die er später übernahm. Nachdem er als Advokat, Quästor und Rhetor eine immer wichtigere politische Rolle zu spielen begann, wurde er 41 n.Chr. nach Korsika verbannt. Begründet wurde die Verbannung mit einem inszenierten Ehebruch. 49 n.Chr. wurde Seneca von der Verbannung zurückgerufen, weil ihm die Erziehung Neros, des Adoptivsohns von Kaiser Claudius, anvertraut werden sollte. Nachdem Nero, kräftig unterstützt von seiner intriganten und machtgierigen Mutter Agrippina, den Kaiserthron bestieg, wurde Seneca zu einem der mächtigsten und reichsten Männer des römischen Reiches. Zwar sah die stoische Philosophie eine öffentliche Betätigung für ethisch durchaus geboten an, aber wie vertrug sich die enorme Macht und der große Reichtum Senecas mit dem Mäßigungsgebot des Stoizismus? Wie die Ideale der Gerechtigkeit und der Weisheit mit dem Dienst unter einem Tyrannen?
Nachdem das Verhalten Neros immer exzentrischer und grausamer wurde, sucht Seneca 62 um Entlassung an und zieht sich langsam aus dem politischen Leben zurück. Drei Jahre später wird er verdächtig an der pisonischen Verschwörung beteiligt zu sein, und Nero schickt nun -- nach der Ermordung seiner Mutter und seiner Gattin -- auch noch seinen alten Lehrer in den Tod, in dem er ihn zum Selbstmord zwingt.
Manfred Fuhrmann stellt diese hier nur grobmaschig skizzierten Ereignisse ausführlich und spannend dar. Er schreibt allgemeinverständlich und wissenschaftlich exakt, eine Tugend die bei unseren Gelehrten bekanntlich nur sehr selten anzutreffen ist. --Christian Köllerer