Sie klingt ja wirklich märchenhaft, die Geschichte von Semmler, dem eine geheimnisvolle Fremde vom Deal erzählt, den man mit dem Universum schließen kann. Jeder Wunsch wird einem erfüllt, vorausgesetzt man erbringt dafür ein adäquates Opfer...
Ein wenig erinnert die Story an das Märchen von den drei Wünschen: was eigentlich ein Traum sein könnte, führt sogar den wohlhabenden und erfolgreichen Semmler gnadenlos auf die Verliererstraße - zur Bestrafung seiner Hybris. Aber es kommt auch - wie im Märchen - zur Erkenntnis und zu einer Läuterung der Hauptperson, hier in einer leicht metaphysischen Wendung der Geschichte.
"Semmlers Deal" ist darüber hinaus auch das genau beleuchtete Psychogramm zweier ehemaliger Schulkollegen und deren ambivalentes Verhältnis zueinander. Christian Mähr folgt den beiden in einer unprätentiösen und lebhaft-exakten Sprache. Der Text ist unterhaltsam, tragikomisch und spannend ohne Leerläufe bis zum Schluss; besonders erfreulich, wie der Autor die literarische Form des Romans formal beherrscht.
Und dennoch: "Semmlers Deal", blendend geschrieben, ist einfach ein Unterhaltungsroman. Dass er nie vorgibt, mehr zu sein, macht ihn besonders sympathisch.