Auf 533 Seiten haben die beiden Herausgeber 33 Beiträge von 57 Autoren aus 35 verschiedenen Institutionen zusammengefasst, eingeteilt in vier große Themenblöcke: 1. Grundlagen (hier genannt: Einstiegspunkte), 2. Anwenderperspektive, 3. Organisatorische Perspektive, 4. Methoden und technische Infrastruktur. Klaus Tochtermann und Hermann Maurer - mit dem Know Center unbestritten zwei Pioniere auf diesem Gebiet verfassten einen exzellenten Einstieg. Im Anschluss an die Einleitung geben Blumauer & Pellegrini eine terminologische, einfach gehaltene Einführung und erklären kurz die Begriffe Semantik, Metadaten, Ontologie und Wissensmanagement. Bernardi et al beschreiben komplexe Arbeitswelten in der Wissensgesellschaft, das etwas oberflächlich gehalten ist. Galinski stellt die wichtigsten Normen dar, allerdings mit Wiederholung der Definition von Semantik (Seite 54), die schon auf Seite 9-10 gegeben wurde; der Normungsteil ist jedenfalls eine gute Übersicht und der Artikel enthält auch einiges an relevanter Literatur. Birkenbihl stellt ab Seite 73 Standards für das Semantic Web vor allerdings verschwendet er etwas zu viel Platz für Erklärungen von URL, HTTP, HTML (eine ganze Seite wie ein HTML Text aussieht ist für dieses anspruchsvolle Werk etwas zu flach), dafür werden die Web Ontology Language (OWL) auf die der Leser schon neugierig gemacht wird, zu kurz behandelt, auch sind die Literaturhinweise dünn (von 41 Referenzen nur ein einziger Zeitschriftenartikel (der von Tim Berners-Lee) und kein einziges weiterführendes Buch macht stutzig)). Weber & Fröschl beschreiben profund das Semantic Web als Innovation in der ökonomischen Koordination (augezeichnete Literaturliste!). Wohlkinger & Pellegrini gehen vor allem auf zukünfige Technologiepolitik der EU, insbesondere auf das FP7 (2007 bis 2013) ein. Henze beschreibt personalisierbare Informationssysteme, aufbauend auf Brusilovsky (1996), gut aber etwas zu kurz. Lindstaedt & Ulbrich geben eine gute Übersicht über die Integration von Arbeiten und Lernen. Sauermann stellt ab Seite 161 den Arbeitsplatz der Zukunft vor. Buzinkay geht unter dem Titel Funneling auf Aspekte der Orientierung und Navigation ein (Duftspuren, Personas, Nutzungsszenarien, leider wieder nur Weblinks als Referenzen). Schuster & Rappold beschreiben ab Seite 189 Social Semantic Software (Weblogs), Druckfehler in der Literaturliste (Seite 198). Burkhard widmet sich der Knowledge Visualization, zwar etwas durcheinander, aber auf sehr gut fundierter Literatur aufgebaut. Sauberer schließt schließlich das Kapitel Anwender mit einem dünnen, unklaren Artikel über Informationskompetenz ab (Schlüsselqualifikationen verändern sich laufend? sind das dann noch Schlüsselqualifikationen?). Im dritten Teil Organisationsperspektive beginnen auf Seite 227 Blumauer & Fundneider mit einem profunden Architekturkapitel über Semantische Technologien in integrierten Wissensmanagement Systemen. John & Drescher geben eine gute Zusammenfassung über Anwendungen betrieblichen Informationsmanagement; der Beitrag von Beier beschäftigt sich etwas sehr plakativ mit dem betrieblichen Wissensmanagement. Schmitz et al geben hingegen ab Seite 273 eine sehr gute Einführung zum kollaborativen Wissensmanagement und stellen u.a. Folksonomies (Tupel F:= (U, T, R, Y, ) und das formale Folksonomy-Modell kurz, knapp, klar dar (bravo!). Sure & Tempich berichten ausgezeichnet klar über Wissensvernetzung in Organisationen. Werther & Borovicka widmen sich dem e-Commerce, geben einen sehr guten Einblick in die Interoperabilität im e-Tourismus (am Beispiel des Projektes Harmonise und betonen dabei auch die Wichtigkeit des Nutzerverhaltens (Seite 311). Fill et al. beschreiben Web-Service und Geschäftsprozesse (ab Seite 321) und widmen sich am Beispiel der Wirtschafts-Informatik der Metamodellierung (Modellierungsansatz eduWEAVER am Beispiel Lernen in komplexen Organisationen) und dem betriebswirtschaftlichen Nutzen von Web-Services. Angele et al beschäftigen sich ab Seite 337 fundiert mit Anwendungen und Good Practices semantischer Technologien und stellen als Praxisbeispiel den SemanticMiner® vor. Kienreich & Strohmeier beschäftigen sich mit der Modellierung von Wissen allerdings fehlt die kognitionswissenschaftliche Komponente vollständig (Semantische Netze kommen ursprünglich aus der Kognitionswissenschaft, die Autoren sollten hier z.B. Marvin Minsky (1968) oder Quillian (1967) usw. berücksichtigen)). Koller geht in seinem Kapitel Web Content und CMS auf strukturierten Content ein, der Absatz (der als Kapitel mit der Überschrift Empfehlungen bei der Auswahl eines CMS geführt wird) ist allerdings ungenügend. Reitbauer beschreibt ab Seite 387 etwas oberflächlich (und redundant) die Thematik Integration und Interoperabilität, der Ansatz zur Entwicklung semantischer Interfaces (Seite 402) ist kurz aber gut und setzt auf AI Grundlagen auf (die leider nicht beschrieben werden, und daher in der Literaturliste auch nicht angegeben werden). Reif widmet sich der semantischen Annotation und gibt dazu einige praktische Beispiele. Baumgarter beschäftigt sich ab Seite 419 mit Methoden und Werkzeugen zu Webdatenextraktion (Information extraction), präsentiert sehr solide die Grundlagen und stellt (leider etwas kurz) das interessante Lixto Projekt vor (Sehr gute Literaturliste, wirklich brauchbar). Granitzer (Seite 437) beschreibt solide die statistischen Verfahren der Textanalyse und geht dabei u.a. auch auf NLP Möglichkeiten ein (m.E. der beste Artikel in diesem Sammelband). Budin (Seite 453) gibt einen profunden Überblick über Terminologiemanagement und terminologische Interoperabilität. Dabei wird das Standards-based Access Service to Multilingual NLP-Lexicon and human-oriented Terminology Resources (SALT) Projekt vorgestellt. Einen klassischen Artikel präsentieren ab Seite 469 Ehrig & Studer mit dem Schwerpunkt im graphischen Mapping von Ontologien. May beschäftigt sich solide mit dem Reasoning im und für das Semantic Web geht allerdings nochmals (redundant mit den Seiten 80-86) auf Metadaten ein (lässt aber OWL wieder etwas unvollständig). Der letzte Artikel schließlich von Polleres et al mit dem Titel Semantische Beschreibung von Web Services, passt als Abschluss ganz gut. Ein Nachwort von Capurro schließt das Werk ab. Obwohl die Qualität der Artikel stark variiert ist dieses Buch als Ganzes uneingeschränkt empfehlenswert. Allerdings gibt es zwei riesengroße Wermutstropfen: 1) Die Medizin fehlt definitiv (namentlich medizinische Informationsverarbeitung und Informationssysteme) obwohl paradoxerweise im Vorwort als wichtig angesprochen! 2) Usability bzw. Mensch-Maschine Kommunikation wird in genau 17 Zeilen auf Seite 179 angesprochen und in einer kurzen Zeile auf Seite 246 1/4 Seite von 533 Seiten! (Andreas Holzinger, Med.Uni Graz)