Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Die Zeit, 20.03.2003
Ein großer Wurf ist Emine Özdamar in den Augen Sigrid Scherers mit ihrem Berlin-Roman gelungen, den die Rezensentin "oft komisch, manchmal ironisch", aber immer "voller Kunst und voller Leben" findet. Die Bachmann-Preisträgerin von 1992 breite darin das Panorama der geteilten Stadt dar. Unschwer lasse sich die Autorin in der Hauptperson erkennen, eine junge Schauspielerin, die, 1976 vor der türkischen Militärdiktatur nach Berlin entflohen, zwischen West und Ost hin- und herpendelt, um bei Benno Besson brechtsches Theater zu lernen. Doch ist der Roman für die Rezensentin weniger Autobiografie als vielmehr ein sehr genaues Buch über Teilungen: über die geteilte Stadt, die geteilte deutsch-türkische Gedankenwelt und die zwischen mehreren Männern aufgeteilte Liebe. Dies alles halte Özdamar in einer Collage aus Erzähltext, Gedichten und Schlagzeilen fest, die die Welt anzuhalten scheinen, obwohl doch alles in ihr in Bewegung sei, wie Scherer es seltsam und schön zugleich findet.
© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 27.05.2003
Alle reden vom Berlin-Roman, spottet Christoph Bartmann, "hier ist einer!" Auch wenn keine Russenmafia und keine Love Parade darin vorkämen. Dieser Roman sei "auf sensationelle Weise von gestern", schwärmt der Rezesent weiter. Denn rund 25 Jahre hat die türkische Schauspielerin und Autorin Özdamar ihr Tagebuch aus ihren Berliner Anfängen liegen lassen, das etwas sehr Schwärmerisches hat, wie Bartmann findet. Damals war Özdamar nach einer gescheiterten Ehe in einer politisch unruhigen Zeit von Istanbul nach Berlin gekommen und hatte sich bei Benno Besson an der Volksbühne im Osten als Hospitantin beworben. Das WG-Zimmer im Westen, arbeitete Özdamar im Osten, was ihr eine doppelte Perspektive ermöglichte, schreibt Bartmann; hier die Westberliner Kommunardenzeit und Subventionskultur, dort die kritisch-loyale DDR-Hochkultur, die den Herrn Brecht beerbt. Auch wenn verschiedene Protagonisten noch leben und wirken - Biermann, Langhoff, Besson, Castorf - so wirke alles unendlich weit weg oder unendlich lange her. Gerade das macht für Bartmann den Reiz dieser Tagebücher aus, die trotz der hochpolitischen Zeiten ungemein viel Liebes-, Lebens- und Diskussionshunger verraten.
© Perlentaucher Medien GmbH
Pressestimmen
"Ein deutsch-türkisches Wintermärchen." (FAZ)
"Das Buch ist hoffnungsvoll, oft komisch, manchmal ironisch, voller Kunst und voller Leben ... man muss Emine Sevgi Özdamar dafür dankbar sein." (Die Zeit)