Der verrückte General Ripper gibt seinen B-52 Bombern den Angriffsbefehl auf die Sowjetunion. Die Piloten, die ihre Maschinen autonom auf ihre Ziele zusteuern, glauben, dass die USA durch einen sowjetischen Erstschlag getroffen wurden. Den beiden Atommächten werden ihre ersonnenen Kriegspläne und -maschinerien zum Verhängnis. Was innerhalb der Bahnen militärischer Logik effektive Ideen zu sein schienen, verselbstständigt sich aufgrund kleiner und großer Zufälle und Unwägbarkeiten. Das Ende lässt sich nicht mehr aufhalten. Aber trotz ihrer offensichtlichen Kurzschlüssigkeit ist den Protagonisten kein Ausbruch aus dem Teufelskreis der Abschreckungslogik möglich.
"Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" von 1963/1964 ist eine schwarze Komödie mit Peter Sellers in einer dreifachen Rolle als pflichtbewusster britischer Group Captain Mandrake, als besorgt-diplomatischer US-Präsident Muffley und als Ex-Nazi-Wissenschaftler Dr. Strangelove/Seltsam. Der Film hat im Grunde nur drei Schauplätze: Das Innere eines B-52 Bombers, in dem übrigens James Earl Jones sein Filmdebüt in einer Nebenrolle gibt, die Befehlszentrale im US-Kriegsministerium und den Air-Force-Stützpunkt von General Ripper.
Es ist kaum möglich, den Film hier angemessen (und also ausgiebig) zu analysieren. Bleibt nur zu sagen, dass er eine außergewöhnliche, in Schwarz-Weiß gedrehte Satire mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor ist, um den irrwitzigen Wettlauf der Supermächte um atomare Abschreckung und Vormachtstellung in ihrer Absurdität und Ohnmacht bloß zu stellen. Zahlreiche satirische Pointen, Sellers in seiner Dreierrolle, haufenweise Stereotype in eigentlich gar nicht so unrealistischer Überzeichnung, Anspielungsreichtum, die filmerische und visuelle Umsetzung durch Altmeister Stanley Kubrick sowie der bizarr einfache Soundtrack haben einen eindeutigen Kultfilm und Klassiker geschaffen. Der Film war so ungewöhnlich und beißend, dass er trotz vier Nominierungen keine Chance auf Oscars hatte, aber Filmkritikern und Publikum gilt er bis heute als einer der besten Filme aller Zeiten. Wie für richtige Kultfilme üblich, kann man ihn so oft sehen, wie man will. Er wird nicht langweilig oder alt.