In dem Selenbuch von Josef Beuth und Verena Drebing wird erklärt, wozu das Selen im Körper überhaupt gebraucht wird.
Es ist nämlich weder gut noch böse, sondern ein Spurenelement, das in einigen wichtigen Eiweissen für die Funktion dieser Eiweisse nötig ist.
Als besonders wichtig beschreibt Beuth dabei die Gluthathion Peroxidase, weil sie vielleicht die Wirkung von freien Radikalen vermindert, die bei vielen Alterungsprozessen der Zelle eine Rolle spielen und vielleicht auch bei der Krebsentstehung.
Aber die Lebenserwartung von Krebspatienten hängt wahrscheinlich mehr vom Wachstum ihrer Metastasen ab, als von den normalen Alterungsprozessen der Zellen und der Entstehung neuer Krebse, die eine gut mit Selen versorgte Glutathion Peroxidase vielleicht verhindert.
Leider verhindert das Selen nicht, dass schon vorhandener Krebs zurückkommt.
Dazu beschreibt Beuth eine Untersuchung an behandelten Hautkrebspatienten, bei denen die Selenbehandlung keine Auswirkungen auf die Wiederkehr der Krankheit hatte.
Es gab aber einen interessanten Nebenbefund: Andere Krebsarten, besonders Darmkrebs, traten bei den mit Selen versorgten Menschen wesentlich seltener auf. Warum?
Mir fiel dazu die gutartige Schilddrüsen Vergrößerung bei Jodmangel auf. Vielleicht regt auch der Selenmangel die Zellteilung der Darmzellen an. Und Zellteilungen sind ja eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Krebszellen.
Vielleicht könnte genug Selen in der Nahrung diese Anregung der Zellteilung vermindern. Hier könnten weitere Untersuchung mehr Grundlagen schaffen.
Es ist sehr gut, dass Beuth und Drebbing auf diese möglichen Zusammenhänge aufmerksam machen.
Das könnte es sinnvoll machen, zu versuchen den Selenmangel zur Krebsvorbeugung auszugleichen. Aber eben Selenmangel. Bevor man sich entschließt, Selen vielleicht über Jahre einzunehmen, sollte man seinen Selenspiegel messen lassen. Und man muss Beuth und Drebing dankbar sein, dass sie darauf aufmerksam machen, dass es diese Möglichkeit gibt.
Dazu führen Beuth und Drebing eine Arbeit an, in der nach Selenmangel bei Menschen in Deutschland gesucht wurde. Er wurde auch gefunden. Und zwar bei etwa 5% der Bevölkerung. Für diese Menschen, die einen Selenmangel haben, könnte die Einnahme von Selenpräparaten von Vorteil sein.
Vorkommen kann Selenmangel zum Beispiel bei Fruchtbarkeitsstörungen, auf die die Autoren nur wenig eingehen. Vermutlich weil die meisten Leute die sich für Selen interessieren mit Krebserkrankungen zu kämpfen haben.
Immerhin schimmert durch, dass sowohl die Prostata als auch die Schilddrüse mit Eiweissen arbeiten, die Selen brauchen. Ohne diese Spurenelemente ist deren Funktion vielleicht gestört.
Gerade bei Schilddrüsenkrankheiten oder wenn man Schwierigkeiten hat, ein Kind zu bekommen, ist der Selenmangel ein Problem, das man untersuchen und angehen kann.
Was fehlt, ist der Selemangel bei Brustkrebs. Auch Brustkrebszellen bilden nämlich Selen haltige Enzyme für die Jodverarbeitung. Da liegt daran, dass die Brust eine Drüse ist,, die den Säugling mit Milch versorgt und die Milch mit den wichtigen Dingen angereichert wird, die der Säugling braucht, eben mit Jod.
Auch in Brustkrebszellen sind die Selen haltigen Eiweisse des Jodstoffwechsel aktiv und schnappen anderen Zellen nicht nur Jod, sondern auch Selen weg. Diese Funktion ist sogar gut untersucht, weil sie zur Radiojodbehandlung von Brustkrebs genutzt werden kann. Deshalb wäre es nicht schlecht, in einer späteren Ausgabe darauf hinzuweisen.
Dass so viele Organe Selen brauchen, könnte auch erklären, warum so viele Krebsarten mit Selenmangel einher gehen. Wie die normalen Zellen dieser Organe, bilden auch die Krebszellen Selen haltige Eiweisse.
Das könnte gerade bei Metastasen zu einem Selenmangel führen. Denn die immer häufiger werdenden Krebszellen nehmen den normalen Zellen natürlich das Selen weg und so kann durch den sich ausbreitenden Krebs ein Selenmangel entstehen.
Diesen auszugleichen kann für die Funktion der Schilddrüse von Vorteil sein und so das Wohlbefinden erhöhen. Das ist ja schon mal was.
Die ersehnte Krebsbehandlung, die Erkrankung zum Verschwinden bringt, ist es leider nicht. Wenn man das gut lesbare Buch aufmerksam liest, schreiben die Autoren das auch.
Dass das Buch trotzdem vordergründig den Eindruck einer Selenreklame macht, hat vielleicht andere Gründe, die mit den heutigen Zwängen der Forschungsfinanzierung zusammenhängen könnten.