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Selektion in der Heilanstalt 1939-1945: Neuausgabe mit ergänzenden Texten
 
 
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Selektion in der Heilanstalt 1939-1945: Neuausgabe mit ergänzenden Texten [Taschenbuch]

Gerhard Schmidt , Frank Schneider
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Frank Schneider
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Gerhard Schmidt wurde im Juni 1945 kommissarischer Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing/Haar bei München und beschrieb in einem Buch, was er dort vorgefand: Beweise für die Tötung von Patienten der Klinik, Kindern und Erwachsenen, durch Medikamente und durch Verhungern. Weil die wissenschaftliche Gemeinschaft sich lange nicht zur eigenen Verantwortung bekannte, konnte sein Bericht erst 1965 publiziert werden. Das Buch erscheint nun in einer neuen Auflage, ergänzt durch Beiträge renommierter Autoren zur Psychiatrie im Nationalsozialismus.

Buchrückseite

Wie es zu Hitlers „Gnadentoddekret“ kam, wie es von Ärzten in die Tat umgesetzt wurde, und was uns das heute noch angeht. Gerhard Schmidt, der im Juni 1945 zum kommissarischen Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Egelfing/Haar bei München bestellt wurde, beschrieb in dem Buch „Selektionen in der Heilanstalt 1939 – 1945“ etwas, was er dort vorgefunden hatte: Das Töten von Patienten der Klinik, Kindern und Erwachsenen, durch Medikamente und durch Verhungern. Fast 20 Jahre lang war das Buch unerwünscht. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat versagt, sich zu der eigenen Verantwortung zu bekennen. Erst 1965 konnte das Buch erscheinen. Gerhard Schmidt hat diesen Weg in seinem Text „Das unerwünschte Buch“ beschrieben. Die erstmals vergebene Wilhelm-Griesinger-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde wurde 1986 an Gerhard Schmidt verliehen. Das Buch erscheint nun in einer neuen Auflage, erweitert um wichtige Texte zur Psychiatrie im Nationalsozialismus.

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Mörderische Psychiatrie 10. März 2012
Von ejw VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
"Wir haben gelernt", betont der Herausgeber Frank Schneider, klinischer Psychiater in Aachen. Das möchten wir gerne glauben.

Es hat allerdings Jahrzehnte gedauert, bis sich die etablierte deutsche Psychiatrie dazu überwinden konnte, die Schreckensbilanz aus der Heilanstalt Eglfing-Haar während der Nazizeit zur Kenntnis zu nehmen. Der Neurologe und Psychiater Gerhardt Schmidt übernahm im Juni 1945 die undankbare Aufgabe einer Bestandsaufnahme der verbrecherischen Vorgänge in Eglfing-Haar: hundertfacher Mord an hilfebedürftigen Patienten und Kindern, tödliche "Behandlungen". Heraus kam ein "unerwünschtes Buch", das niemand haben, geschweige denn lesen wollte. Es wurde erst 20 Jahre später gedruckt, 1983 als Neudruck und nunmehr 2012 mit ergänzenden Texten von einem Wissenschaftsverlag herausgegeben.

Der Text des Autors Schmidt bemüht sich spürbar um Neutralität und emotionale Zurückhaltung bei der Schilderung der vorgefundenen Abscheulichkeiten. So oft wie möglich lässt er die Überlebenden aus der Hölle von Haar selbst zu Wort kommen. Aus seinem Bericht wird auch deutlich, wie eine solche Tötungsmaschinerie inszeniert wird, wie sie funktioniert und wie die Verbrechen anschließend vertuscht werden können (z. B. mit Hilfe ärztlicher Kunst). In puncto Rassenwahn, "Gnadentod" und "Euthanasie" arbeiten alle zusammen: Staat, Justiz, Kommunen, wissenschaftliche Institutionen, Ämter, Polizei, Schwestern, Pfleger und Ärzte. Tatsächlich endeten nur wenige Täter am Strang und wie anderswo auch gelang es manchen, sich mit Lug und Trug in Amt und Würden zurückzulügen. Wer wollte im Nachkriegsdeutschland von Psychiatrieopfern oder gar deren Entschädigung hören?

Die vorliegende Neuausgabe hat diesem Buch gut getan. Neben dem Basistext finden sich noch weitere kürzere und zusammenfassende Texte desselben Autors, ein Nachruf sowie ein Vorwort des Herausgebers und ein Geleitwort des Philosophen Karl Jaspers.

Dieses Buch ist ein Lehrstück zum Artikel 1 Grundgesetz: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wer sich darüber hinwegsetzt und mordet, traumatisiert sich selbst und wird fortan in der Hölle seiner Alpträume weiterleben müssen.

Ich wünschte mir, es hätte sich hier ein Kollege aus der Psychiatrie zu diesem Buch geäußert. Gesunder Menschenverstand und ein gesundes Misstrauen gegenüber Ärzten und Psychiatern im besonderen ist grundsätzlich ratsam. Man muss auch heute oft Widerstand leisten und unbequeme Fragen stellen, um das Recht auf Menschenwürde in der Psychiatrie durchzusetzen. Da sollte man sich nichts vormachen.
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