In dem kleinen und sehr gut lesbaren Buch von Bernhard Trager geht es um ergebnisorientierte Selbstreflexion und um die Fragestellung, welche Auswirkungen Selbstreflexionsprozesse im Coaching haben.
Vor sich hin Grübeln hat überhaupt nichts mit Selbstreflexion zu tun. Das hat eher damit zu tun, sich gedanklich im Kreise zu tun. Viele Menschen in Organisationen tun dies z.B. nach Krisen und kritischem Feedback. Oft ist die Ursache für das Grübeln Feedback. Das kann auch in Form von Veränderungen entstehen, die sich auf Grund des dynamischen Marktes entwickeln. Das Unternehmen wird übernommen und der neue Arbeitsplatz ist nun in Spanien. Das was gestern noch verlässliche Struktur und Sicherheit bot, gilt ab heute nicht mehr.
Das eigene Selbstkonzept wird dadurch unter Umständen sehr in Frage gestellt. Darauf lässt sich ganz unterschiedlich und individuell reagieren. Die Ursache lässt sich negieren, es kann vermieden werden wieder in ähnliche Situationen zu kommen, das Selbstkonzept kann an die neue 'Realität' angepasst werden oder es kann eine ergebnisorientierte Selbstreflexion zusammen mit einem externen Coach gestartet werden. Das trifft jedoch selten zu, da wir Menschen die Tendenz haben unser Selbstbildgefühl zu schützen.
Dazu kommt, dass Manager, die selbst sehr handlungsorientiert sind, sich mit Selbstreflexion und auch Coaching eher schwer tun. Da spielt dann sicher auch die Organisationskultur eine Rolle.
Mehrere Studien zeigen auf, dass die Aktivierung von Selbstreflexionsprozessen die Wirksamkeit von Coaching steigert. Nach M. Offermanns empfinden Klienten das Feedback und den Einsatz von Fragetechniken von Coaches besonders hilfreich andere Sichtweisen zu generieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Dies zeigt sich auch in der kleinen Studie von Herrn Trager, die ausführlich die Auswirkungen von Selbstreflexionsprozessen auf Klienten diskutiert.
In seinem Modell, der Auswirkungen von Selbstreflexionsprozessen im Coaching werden auch die Reaktionen des Umfeldes berücksichtigt. Diesen Aspekt kann ich aus praktischen Erfahrungen gerne unterstreichen. Veränderungen beim Klienten bewirken einen Anpassungsdruck im Umfeld und dies wirkt wieder auf den Klienten. Das ist ganz systemisch gedacht. An dieser Stelle möchte ich an Niklas Luhmann erinnern: 'Nur was in der Kommunikation bleibt, wirkt in der Organisation.' Die Veränderung des Klienten sollte in der Organisation also positiv konnotiert werden.
Das Buch ist aus meiner Sicht eine wertvolle Ergänzung zu den vielen Büchern zu Coaching und Coaching Werkzeugen. Es wendet sich an Personalentwickler, Coaches, Klienten, sowie an Studenten und Wissenschaftler.
Es bietet Gelegenheit über ergebnisorientierte Selbstreflexion und Selbstkonzepte zu reflektieren.