Und das meine ich nicht spöttend, sondern in vollster Ehrfurcht. Ich war sehr beunruhigt ob der Tendenzen in Amerika, als ich "Stupid White Men" gelesen habe.
Ich war erschüttert über seine Enthüllungen, als ich "Fahrenheit 9/11" gesehen habe. Aber Chalmers Johnsons Buch ist in der Tat niederschmetternd. Denn wo Moore, trotz brauchbarer Recherche und Fakten, doch sehr viel mit Polemik und Satiere arbeitet (und daher auch sehr breitenwirksam ist), spart sich Johnson solchen Firlefanz und bleibt bei den kalten, harten Fakten, massiv zusammengetragen, logisch strukturiert und dank Johnsons langjähriger, politischer Erfahrung auch einleuchtend analysiert.
Und die Quinzessenz des Buches kann vernichtender nicht sein. Wer meint, die Angst vor dem bösen Russen war berechtigt, der möge sich bitte im Keller verstecken und beten. Denn die Amis kommen, nein schlimmer, sind schon längst da und tun die gleichen, unwürdigen Dinge, die man in der westlichen Welt i.a. der Sowjetunion vorwirft. Darunter wären: Unliebsame Regierungen stürzen, Diktatoren einsetzen, Diktaturen wirtschaftlich und militärisch absichern, Massenmorde an Volksgruppen tolerieren oder aktiv unterstützen, Korruption und Mißwirtschaft fördern etc.
Und das alles am Rücken der amerikanischen Bevölkerung, die - meist ahnungslos und völlig manipuliert durch kontrollierte Medien - diesem Wahnsinn auch noch das Wort redet.
Johnsons Analyse spannt einen weiten Bogen, beginnend bei den ersten Ansätzen amerikanischen Imperialismuses Anfang des 20.Jahrhunderts, geht detailiert und schonungslos ein auf die militärischen, politischen und wirtschaftlichen Engagements in Ost- und Zentralasien, rechnet mit dem völlig aufgeblähten und völlig außer Kontrolle geratenen Militärapparat der USA ab, welcher dem amerikanischen Volk finanziell recht bald das Genick brechen wird, und räumt in einem Atemzug auch noch auf mit der Lüge der Globalisierung und dem Trugbild der amerikanischen Freiheit und Demokratie.
Am Ende des Buches wird man dann - ein etwas offener Geist vorausgesetzt - rekapitulieren, daß die USA anno 2005 sich von der zerfallenen Sowjetunion in nicht viel mehr unterscheiden als durch die Tatsache, daß es die USA noch gibt. Und man wird feststellen, daß die militaristisch-imperiale Fratze, mit der sich die USA zur Zeit der Welt präsentieren, nicht erst durch GWB und seinen Schergen entstanden ist, sondern jetzt lediglich ungeniert zur Schau gestellt wird.
Ich kann nur unbedingt empfehlen, dieses Buch zu lesen. Man wird die Welt danach mit etwas anderen Augen sehen.