Ich war ziemlich begeistert, als ich dieses Buch hier fand und dachte, das wäre der Schlüssel zur Lösung meines Problems mit der Eßsucht. Und die Idee ist auch wirklich sehr gut. Man arbeitet das Buch durch, bekommt immer wieder Aufgaben gestellt, die einen dazu anregen, sich über sein Verhalten klar zu werden und den gesamten Essen-Diäthalten-Kreislauf zu durchdringen. Es gefällt mir auch, wie das Buch aufgebaut ist: die Kapitel sind unterteilt mit vielen verschiedenen Übungen, bei denen auch immer ausreichend Platz gelassen wird für Notizen usw. Monika Schimpf ist es gelungen, das Buch so zu schreiben, als würde man sich von Angesicht zu Angesicht mit ihr unterhalten und sie bringt Argumente verständlich rüber. Außerdem schafft sie es, der Leserin mit ihren Worten echten Mut zu machen.
Das negative an dem Buch ist, daß es einfach viel zu lange dauert. Die meisten Übungen und Aufgaben belaufen sich auf einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen! Schon im Einführungstext schreibt die Autorin, daß man ungefähr ein Jahr braucht, bis man es vollkommen durchgearbeitet hat und alle Übungen gewissenhaft durchgeführt hat. In meinen Augen ist ein Jahr ein viel zu weitläufig gesteckter Zeitraum. Natürlich kann man keine Veränderung von heute auf morgen erwarten, aber nachdem ich nun schon zwei Monate mit dem Buch beschäftigt bin, kann ich sagen, bei mir hat sich nicht mal die kleinste Kleinigkeit dadurch geändert. Ich finde, als Ansporn hätten wenigstenst die Übungen in den ersten zwei oder drei Kapiteln von kürzerer Dauer sein können.
Außerdem sind die Aufgaben teilweise irgendwie unrealistisch angedacht. Zum Beispiel soll man sich zwei Wochen lang vor dem Essen eine Münze werfen - wenn Zahl fällt, heißt das, etwas vom Essen übrig zu lassen. Wenn Kopf fällt, darf man alles aufessen. Was würden wohl die Mitmenschen sagen, wenn man ständig mit Münzen herumwirft? Wenn ich einen 150 g Becher mit Joghurt esse, soll ich von diesem bißchen dann noch die Hälfte wegwerfen? Mal abgesehen davon, daß ich die Sachen ja bezahlen mußte.
Außerdem wird ständig davon geredet, man soll ins Restaurant essen gehen, weil sich dort viele Übungen viel besser durchführen lassen. Wer kann es sich schon leisten, drei- oder viermal in der Woche so viel Geld auszugeben?
Am albernsten finde ich es aber, wenn hinter einer Übung steht, man soll sich über seine Antworten Gedanken machen und daraus Schlußfolgerunen ziehen. Natürlich kann man das, aber ist es denn auch richtig, was man sich überlegt? Ich selbst bin doch viel zu sehr mit meinem Problem verbunden, als daß ich eine objektive Folgerung daraus schließen könnte.
Also ich werde das Buch weiter durcharbeiten - allerdings mit für mich passend gesetzte Zeiträume. Und wirklich überzeugt davon, daß es mir hilft, bin ich nicht.
Eine begleitende Therapie dazu, mit jemandem der das Buch auch kennt, wäre da vielleicht hilfreicher.