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Selbstbestimmen: Gehirnforschung und die Frage: Was sollen wir tun?
 
 
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Selbstbestimmen: Gehirnforschung und die Frage: Was sollen wir tun? [Taschenbuch]

Manfred Spitzer
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 426 Seiten
  • Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 1 (17. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827420814
  • ISBN-13: 978-3827420817
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 194.196 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Manfred Spitzer
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Produktbeschreibungen

wissenschaft-online

Wir sind ständig damit beschäftigt, Entscheidungen zu treffen: Angefangen bei der wahrscheinlich häufigsten Entscheidung unseres Lebens - etwa 3 Mal pro Sekunde entscheiden wir, wohin wir unseren Blick bewegen - bis hin zu der (weniger häufigen) Frage, welches Auto wir kaufen oder wen wir heiraten sollen. Doch wie verarbeitet das Gehirn Bewertungen, und wie schlagen sich diese Bewertungen in Werten nieder, die uns beim Handeln leiten wie die Grammatik beim Sprechen? Und wenn Werte und Erfahrungen das Gerüst für Entscheidungen und Handeln bilden, wie zuverlässig sind diese als Kompass für den Alltag oder als Seismograph in Hinblick auf bevorstehende Veränderungen? Manfred Spitzer hat sich der Frage angenommen, wie das Gehirn unsere Entscheidungs- und Denkvorgänge und schließlich unser Handeln steuert, und damit ein Buch geschrieben, das alle, die über ihr eigenes Tun reflektieren, brennend interessieren sollte!
Der Autor macht zunächst mit einigen Grundlagen und Erkenntnissen der Neurowissenschaft vertraut - also keine Angst vor Fachbegriffen! Auch wenn der Plauderton und die zahlreichen Anekdoten aus dem persönlichen Erfahrungsschatz des Autors das Thema anfangs etwas verwässern, sind wir nach den ersten Kapiteln gerüstet, um mit Manfred Spitzer auf eine spannende Reise durch die aktuellsten Forschungsgebiete der Neurowissenschaft zu gehen. Dabei wird übrigens auch neueste Fachliteratur einbezogen, so dass sich hier nicht nur dem Laien eine interessante Lektüre bietet.
Wir erfahren etwas über die Entwicklung des Gehirns und den Einfluss von genetischer Veranlagung und Umwelt (z.B. Stress), lernen aus kuriosen Fallgeschichten beispielsweise über die Bedeutung von Emotionen für Bewertungsprozesse, und lesen schmunzelnd die Ergebnisse eines Experiments, das endlich zeigt was wir schon immer wussten: Männer mögen schnelle Autos - sowohl die visuellen Areale im Gehirn als auch das "Lustzentrum", der Nucleus accumbens, sind beim Betrachten von Sportwagen aktiver als bei Kleinwagen.
Wirklich um Entscheiden geht es dann jedoch erst im dritten Teil des Buches. Am Beispiel der Greifbewegung wird erläutert, wie wir uns den Ablauf eines Entscheidungsvorgangs auf Ebene der Nervenzellen vorzustellen haben. Die Neuroökonomie, mit der sich Manfred Spitzer anschließend auseinandersetzt, zieht Prinzipien der statistischen Zukunftsvorhersage aus der Wirtschaftswissenschaft zum Verständnis neuronalen Entscheidens heran, andersherum befasst sie sich mit den biologischen Grundlagen ökonomischer Entscheidungen.
Solche Exkurse in andere Wissenschaftsgebiete und -traditionen erleichtern das Verständnis komplexerer Gedankengänge und erreichen eine Synthese bislang isolierter Perspektiven. So auch bei der Diskussion der Frage, ob der Mensch als frei zu verstehen sei, selbst wenn das Gehirn und die Natur um ihn herum einem deterministischen Regelwerk folgen.
Was lehrt uns die Lektüre dieses Buches und warum sollten wir es lesen? Der Autor stattet seine Leser mit Wissen und Argumenten und nicht zuletzt mit Fragen aus, die uns helfen können, die neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Neurowissenschaften zu verfolgen und besser einzuordnen. Darüber hinaus leistet das Buch auch einen ganz persönlichen Beitrag, denn nur wenn wir verstehen, wie und warum wir handeln und welche Fehler wir dabei machen können, haben wir eine Chance, die Frage danach, was wir tun sollen, sinnvoll und besser als bisher zu beantworten! --Miriam Spering -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

In diesem Buch über Gehirnforschung geht es nicht um schnelle Antworten, sondern darum, besser zu verstehen, wie wir bewerten, entscheiden und handeln. Pro Mente Sana (...) eine äußerst kurzweilige und ansprechende Lektüre (...) fachbuchjournal Empfehlenswert für alle, die sich mit der Frage der Selbstbestimmung und dem freien Willen auseinander setzen möchten. Der Leser erfährt, wie der Mensch denkt, bewertet und entscheidet und was im Gehirn dabei abläuft. Ein Buch, das Aspekte aus Neurologie, Psychologie und Verhaltensbiologie vereint. Physiopraxis Ein Plädoyer für den freien Willen. Bücher Das Buch hilft zu verstehen, wie und warum wir was tun und welche Fehler wir dabei machen, im Denken und im Handeln gleichermaßen. Begreifen wir diese Vorgänge, haben wir eine Chance, die Frage, was wir tun sollen, sinnvoll und besser als bisher zu benatworten - und ganz in dem Sinn des Buches zu handeln: Selbstbestimmt. Amtlicher Schulanzeiger für den Regierungsbezierk Niederbayern Anhand zahlreicher gelungener Beispiele erklärt Manfred Spitzer, wie wir bewerten, entscheiden und handeln: selbstbestimmt Psychologie Heute (...) Genetik und Gehirnforschung gelten derzeit als die spannendsten und aktivsten Wissenschaften. Eine Einführung in diese Welt zu bieten, ist das Ziel dieses anspruchsvollen, für den daran interssierten Leser spanndenen und weiterführendes Buch. Bücher Schau (...)Das Buch ist sowohl für Facheleute, als auch für interessierte Laien geschrieben. (...) sandammeer.de (...) Der Autor stattet seine Leser mit Wissen und Argumenten und nicht zuletzt mit Fragen aus, die uns helfen können, die neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Neurowissenschaften zu verfolgen und besser einzuordnen.(...) wissenschaft-online (...) Spannend. hi!tech (...) So ist das Buch "Selbstbestimmen" vor allem ein Plädoyer, die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Denn eines können wir nicht: nicht handeln. Biologie in unserer Zeit In dem informationsdichten Werk geht Spitzer im Kern der zurzeit wissenschaftlich kontrovers diskutierten Frage nach, ob wir in unserern Entscheidungen determiniert oder vielmehr frei sind. Wer der Antwort auf diese spannende Frage näher kommen will, dabei auch einiges über sich selbst erfahren kann (...) und sich dabei an Spitzers positiver Weltsicht erfreuen will, dem sei dieses Buch zur fachlichen und persönlichen Lektüre als unbedingt lesenswert empfohlen. L.O.G.O.S interdisziplinär (...) Er versucht, mit Erkenntnissen aus der Gehirnforschung den zugrunde liegenden Prozessen auf die Spur zu kommen. Dabei ist kein dröges Lehrbuch der Neurowissenschaften entstanden, sondern ein spannender Reisebericht durch den Dschungel menschlichen Verhaltens. (...) Die Deutsche Schule (...) Trotzdem belegt der Gehirnforscher die menschliche Fähigkeit zur freien Selbstbestimmung mit Sinn und Verstand. Spannend. hi! tech (...) Dabei richtet sich sein Buch weniger an angehende Mediziner und Psychologen, vielmehr an alle, die an einem Mehr an Selbsterkenntnis, Selbsterfahrung, einem Hinterfragen Ihrer ganz alltäglichen wie größen Entscheidungen interessiert sind. Manfred Spitzer erläutert, allgemeinverständlich und mit vielen Fallbeispielen aus Alltag wie Labor, die Funktionsweise unseres Gehirns. Die Berliner Literaturkritik Der Gehirnforscher Manfred Spitzer macht Hoffnung. Nicht etwa, weil er erklärt, dass die Funktionsweise des Gehirns viel mit Demokratie zu tun habe - der am häufigsten benutzte Trampelpfad gräbt sich automatisch ein und setzt sich durch-, sondern weil es ihm gelingt, die Fallen und Untiefen unserer Wahrnehmung und Verarbeitung anschaulich, amüsant und ausgesprochen kurzweilig aufzuzeigen und trotzdem ein bisschen Hoffnung auf mehr zu machen. taz

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
64 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe "Musik im Kopf", "Nervensachen", "Geist im Netz" und "Lernen", alles Bücher von Spitzer, gelesen. Das Buch "Selbstbestimmen" kam mir nun vor wie eine Zusammenfassung der vorherigen. Zu meiner Universitätszeit nannte man dies "Kleben" statt "Neuschreiben" und meinte damit ein neues Buch aus den Fragmenten vorheriger zu erstellen. Was sich gesteigert hat, ist die Aufmachung, die bessere Vermarktung. Für mich war besonders interessant die Auswahl des "Geklebten" zu verfolgen. Kann man darin eine Weiterentwicklung der Spitzer'schen Meinungen erkennen? Ich glaube schon. Schade ist nur, dass Spitzer zunehmend dogmatischer wird. Man hat das Gefühl, je mehr er selbst versteht, was in unseren Gehirnen vorgeht, desto mehr schwindet seine Toleranz gegenüber denen, die andere Interpretationen bei gleichen Forschungsergebnissen vornehmen. Wenn das mal nicht ins Auge geht. Spitzers Verdienst, komplizierte neurologische Erkenntnisse populär zu machen ist gross, dies darf aber nicht zu Lasten der Kritikfähigkeit gegenüber der eigenen Wissenschaft werden. Etwas mit einfachen, leicht verständlichen Worten darzustellen bedeutet nicht, dass die Erkenntnisse und die Forschungsergebnisse einfach waren. Der Titel "Selbstbestimmen" sollte die Idee der Freiheit aufgreifen, nicht bloss als subjektiv erlebte Freihet, sondern als tatsächliche Freiheit. Ob Neurologie darauf jemals eine Antwort hat ist offen. Spitzer hat es jedenfalls versucht und seine Argumente auf dem gegenwärtigen Stand seines Wissens sind interessant. Früher hatte er bestehende Forschungergebnisse zusammengetragen und durch eigene ergänzt. (Daher die vielen Beispiele, die man aus anderen Quellen bereits kennt, z.B. Phineas Gage.) Nun beginnt er philosophische Grundbehauptungen aufzustellen. Dies kann nur im Dialog mit Philosophen, niemals durch allein eigene Schlussfolgerung gelingen. Ein eigenes Philosophiestudium schützt auch Spitzer nicht vor den Risiken des Aufbaus einer Meinung auf ausschliesslich eigenen Gedanken. Philosophie ist eine Diskurs-Wissenschaft die man auch im greifteren Alter niemals allein betreiben kann.
Warum ich 5 Sterne vergebe? Weil es ein hervorragendes Buch für den ist, der noch keine Spitzer-Bücher gelesen hat.
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77 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Fuchs Werner Dr #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Der Leiter der psychiatrischen Universitätsklinik Ulm studierte Medizin, Psychologie und Philosophie und gilt als Vielschreiber. Diesen Ruf scheint er hartnäckig verteidigen zu wollen. Allein in den beiden Jahren 2002/03 erschienen so gewichtige Werke zur Neurologie wie: "Nervensachen", "Musik im Kopf", "Lernen" und nun "Selbstbestimmung". Die lange Liste der Danksagungen erklärt nur teilweise, wie der Psychiater, Gastprofessor, Klinikleiter und Buchautor alles unter einen Hut bringt. Im letzten Jahr erhielt Spitzer den Forschungspreis der Cogito-Stiftung zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Geistes- und Naturwissenschaft. Den Preis gönne ich ihm. Doch sein unermüdlicher Output wird langsam beängstigend und könnte seinem Ruf schaden. Denn sein neustes Buch "Selbstbestimmung" hat mich als Leser seiner bisherigen Werke doch leicht enttäuscht. Weshalb trotzdem fünf Sterne? Weil Manfred Spitzer über den neurologischen Tellerrand hinausblickt, komplizierte Zusammenhänge einfach darstellt, eine gute Auswahl trifft und seine Leserschaft auch an seinen persönlichen Gedankengängen teilhaben lässt. Nebst den Büchern von Gerhard Roth und Antonio Damasio also die ideale Einsteigerlektüre für wissbegierige Laien.

Zu diesen Laien gehören aber all jene nicht mehr, die Manfred Spitzers Buch „Lernen" gelesen haben. Und die werden sich vielleicht ebenfalls daran stören, dass ganze Passagen wörtlich ins neue Buch übernommen wurden, zumal doch das zweite Kapitel „Spuren" ganz andere Erwartungen weckt. Denn eine anschaulichere Metapher für eine wichtige Funktionsweise unseres Gehirns, der Prägung, habe ich noch nie gesehen. Die tolle Umsetzung dieser Analogie ist ein kleines Meisterwerk. Doch verblasst es mit fortschreitender Lektüre. Denn es hapert bei der "Modellpflege". Zu vieles, was verbesserungswürdig wäre, hat der Autor belassen. So hätte ich mir gewünscht, auf neue Beispiele zu stossen oder sprachliche Unebenheiten nun geglättet vorzufinden. Wer sich intensiv mit den faszinierenden Erkenntnissen der Neurologie auseinandersetzt, möchte nicht immer die gleichen Geschichten hören. Gerade von einer Wissenschaft, die zu Recht darauf hinweist, fast täglich Neues zu entdecken, erwarte ich auch neue Beispiele. Immer wieder den von einer Eisenstange durchbohrten Schädel von Phineas Gage ansehen zu müssen, langweilt. Bei der Sprache stören mich die herben Wechsel zwischen lupfigen Kapitelüberschriften und Restbeständen einer überholten Mediziner- oder Beamtensprache. Nur wenige Kollegen würden es Manfred Spitzer wohl übel nehmen, wenn er "wissenschaftliche" Formulierungen noch konsequenter ausgemerzt hätte. Und was mich bereits bei "Lernen" störte, traf ich auch im neuen Buch wieder an: Einige Studien werden so breit beschrieben, dass man ihnen als Leser automatisch exemplarischen Charakter zuspricht, was aber nur selten der Fall ist.

Fazit: Für Neueinsteiger ein tolles Buch, für Spitzerkenner ein zu schnell verfasster Nachfolger von "Lernen". Wer nicht im Schuldienst tätig ist und sich nicht um die Resultate der PISA-Studie zu kümmern braucht, kann das Vorgängerbuch überspringen und gleich mit dem neusten Buch einsteigen. Denn es enthält das wunderschöne Kapitel „Spuren", ist alltagstauglicher und hat die Literaturliste auf den neusten Stand nachgeführt.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
eher philosophisch! 28. Mai 2010
Von Stefan Erlemann HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Eine der wichtigsten Fragen, die sich jeder Mensch immer wieder stellt, ist die, ob es ein selbstbestimmtes Handeln gibt. Ist der Mensch frei zu tun, was er will, oder ist er unfrei, determiniert und objektiv fremdbestimmt? In seinem erstmals 2002 erschienen Sachbuch "Selbstbestimmen" versucht der Ulmer Universitätsprofessor Manfred Spitzer dies aus der Sicht des Neurobiologen, gepaart mit psychiatrischen, philosophischen und didaktischen Erkenntnissen, zu klären. Oder besser, dem Leser Material zur Verfügung zu stellen, das es ihm ermöglicht, diese Frage rein subjektiv, aus seiner eigenen Sicht zu entscheiden.

In vier Kapiteln versucht Spitzer dabei einen sinnvollen, didaktischen Prinzipien folgenden Aufbau anzubieten, der in meist sehr einfacher Sprache Forschungsergebnisse präsentiert und Schlüsse daraus zieht. Jedem einzelnen Unterkapitel stellt der Autor eine These voran und fasst die Erkenntnisse in einem kurzen Fazit noch einmal zusammen. Demzufolge ist die Lektüre einfach und ohne wissenschaftliche Vorbildung leicht nachzuvollziehen. Einzig einige der Beispiele sind weniger populärwissenschaftlich verfasst und in der Kürze der Darstellung schwieriger zu verstehen. Dies ist aber nicht unbedingt notwendig, um dem Gedankengang Spitzers folgen zu können. Jedes einzelne Experiment wird zusammengefasst, in seiner Zielrichtung deutlich gemacht und in einfachsten Worten noch einmal wiederholt.

Fast schon zu simpel erscheint der Gang der Diskussion, sehr viele Erkenntnisse geraten so fast zu Behauptungen des Autors, die nur wenig aus den angeführten Beispielen erklärbar sind. Dies ist zum einen dem Umfang des Buches geschuldet, zum anderen aber Kalkül des Autors. Er will Ergebnisse darstellen, nicht den langwierigen Weg dorthin.

Nach einer kurzen Einführung in den Gegenstand der Betrachtung, das menschliche Gehirn und seinen äußerst komplexen Aufbau, versucht der Autor in den Kapiteln "Erfahren", "Bewerten" "Entscheiden" und "Handeln" sich seinem Thema zu nähern. Sprich, die subjektiv eindeutige Tatsache, dass man frei entscheidet und nicht fremdbestimmt ist, zu erläutern und zu verifizieren. In den vier Unterkapiteln "Spuren", "Vernetzte Ebenen", "Entwicklung" und "Genetik und Umwelt" des ersten Kapitels gelingt ihm eine wundervoll simple und humorvolle Darstellung der physiologischen Grundlagen des menschlichen Gehirns.

In "Bewerten" schildert der Autor in "Von der Lust zur Bedeutung", "Vom Bewerten zu Werten", "Fakten und Werte" und "Nicht wissen, aber glauben", wie das Gehirn seine Daten gewinnt, verarbeitet und welche Irrwege es geben kann.
Anschließend widmet der Autor sich in "Entscheiden" der Frage, inwieweit der Mensch zu einer freien Entscheidung überhaupt fähig ist, respektive, wie die Wissenschaft sich dieser Frage experimentell nähert.

Abschließend untersucht Manfred Spitzer Biologie und Verhalten im Kapitel "Handeln" die Frage, inwieweit der Mensch handelt, handelt sollte oder nicht handelt. In "Einsicht, "Moral und Ethik", "Selbstbehinderung" und "und endlich: Liebe Ulla!" zieht er ein humorvolles Fazit aus seiner wissenschaftlichen Forschung. Sehr liebenswert ist das abschließende Kapitel "Liebe Ulla!", das sich direkt an seine nun volljährige Tochter wendet und ihr Mut macht, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wenn dieses Kapitel auch einen allgemeinen Nutzwert hat, dann den, sich immer und jederzeit seiner Entscheidungen und den damit einher gehenden Beschränkungen im weiteren Leben klar zu werden. Zwar ist jeder Mensch frei, macht sich aber jeden Tag ein wenig unfreier - und das möglichst wissentlich.

"Selbstbestimmen" ist sehr wenig Fachbuch und sehr viel Lebensphilosophie. Spitzer wirft Jahrzehnte Erfahrung in die Waagschale, um dem Leser klar zu machen, dass er selber in seinem Inneren immer das Gefühl der Freiheit hat und ihm das kein Wissenschaftler je nehmen kann. Nicht immer sauber verbindet der Autor Experimente, seine Schlüsse daraus und seine Folgerungen für die Freiheit des Menschen. In diesem Sinn ist dieses Buch exzellente Lebenshilfe, die vieles erklärt, manches andeutet, aber nur sehr wenige Gewissheiten liefert. Vor allem aber ist es eine eloquente, leicht zu lesende und sehr humorvoll geschriebene Geschichte über die Freiheit des Geistes.

Stefan Erlemann
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