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Selbs Justiz
 
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Selbs Justiz [Gebundene Ausgabe]

Bernhard Schlink , Walter Popp
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (32 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung; Auflage: 1 (25. November 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866152736
  • ISBN-13: 978-3866152731
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (32 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 273.040 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Amazon.de-Hörbuchrezension

Acht Stunden nichts als die Stimme eines Ich-Erzählers. Acht Stunden Hans Korte. Hält man das aus? Man hält es sehr gut aus. Das sanft raue Organ entspricht genau der Figur des Privatdetektivs Gerhard Selb. Der Sprecher ist Jahrgang 1929 und damit nur unwesentlich älter als der Held, der im Roman 68 Jahre zählt. Kortes Stimme stellt mühelos einen älteren, noch sehr vitalen Mann vor uns hin, dem man auch die geschilderten Liebesverwicklungen ohne weiteres abnimmt.

Beeindruckend, wie Korte Ironien gelingen: mit einem unterlegten Lachen, so kunstvoll kunstlos, dass es eine Freude ist. Auch die Charakterisierungen von rund einem Dutzend Nebenfiguren bewältigt der bekannte Fernsehschauspieler bravourös mittels winziger Nuancierungen, Schlinks dialogstarke Prosa wird zum Hör-Erlebnis.

Der Krimi zeigt die Welt der Bundesrepublik südlich des Mains in den satten Jahren vor 1989. Die einst jungen, ehrgeizigen Nazis, die in den 40er Jahren Verbrechen begangen und später mitgeholfen haben, Deutschmark-Land aufzubauen, stehen damals am Ende ihres Berufslebens und fürchten die Leichen im Keller. Von der Entdeckung solcher Leichen handelt der Roman, lehrreich, detailgenau und, was den Alltag an Rhein und Neckar angeht, sarkastisch und humorvoll.

Ungekürzte Lesung des Romans, Gesamtspieldauer 487 Minuten, 7 CD, sehr knapp gehaltenes Booklet.

--Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Nichts ist, wie es scheint. Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek.

50 große Kriminalromane, ausgewählt und präsentiert von der Feuilletonredaktion der Süddeutschen Zeitung. „Blutspuren aus den feinsten Federn, eine wohlexplosive Mischung aus Klassik, Moderne und Neuland des Genres.“ Fred Breinersdorfer, Tatort-Autor und Krimischriftsteller


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
begnadeter Erzähler 22. Oktober 2006
Von helmut seeger TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Schlinks (und Popps - der Einfachheit halber beschränke ich mich auf den ersten) Ermittler muss ja Mitte der 80er (als das Buch erschien) mindestens Ende 60 sein, damit die Geschichte plausibel wird, dass er im ersten Drittel der 40er Jahre als Nazi-Staatsanwalt das Todesurteil für zwei leitende Mitarbeiter eines Chemiewerkes betreiben konnte. Nun stellt er in diesem Fall 40 Jahre später fest, dass der damalige Prozess von einem dritten Mitarbeiter der Angeklagten, ausgerechnet seinem Schwager, aus Karrieregründen manipuliert wurde und er selber als Werkzeug für die Erlangung des Todesurteils missbraucht.

Für meinen Geschmack ist die Geschichte in allen Details ein wenig zu konstruiert und insbesondere im theatralischen Finale weit überzogen, wenn auch der Ansatz für die Konstruktion sehr intelligent ist.

Auch der Fortgang der Handlungsstränge scheint teils ziemlich an den Haaren herbeigezogen, weil von absurden Zufällen gesteuert.

Es ist zudem schwer nachzuvollziehen, wie der 68jährige Selb Wein flaschenweise trinken und danach noch nächtliche Actionszenerien durchlaufen oder in den Rhein springen kann, um seinen Verfolgern zu entkommen, wie er Wiener Schlägertypen so brutal ins Kreuzverhör nehmen kann, dass diese auspacken und wieso laufend halb so alte Frauen an ihm interessiert sind. Hie rhat Schlink wohl die Freuden des Alters ein wenig arg überschätzt.

Auch macht der Ermittler, weil ihn der Fall betrifft, ständig Spesen, ohne dass jemand dafür aufkommt - eine ehrenwerte, aber nicht unbedingt realistische Annahme.

Wenn man von diesen Mängeln abstrahiert, ist dies dennoch einer der bemerkenswerten Bände der SZ-Reihe. Jeder, der - wie ich - in den 80ern in Mannheim gelebt hat, wird allein schon durch die Mannemer Atmosphäre gefesselt. Selb durchläuft alle üblichen Stationen und Anlaufpunkte der städtischen Kultur- und Kneipenszene dieser Zeit - und man nimmt teil, als wäre man selber wieder dabei. Die Personen sind allesamt wie aus dem richtigen Leben gegriffen (auch wenn die alten Männer ein wenig zu viril scheinen), die Dialoge treffen exakt den Punkt.

Dazu kommt ein wenig Lebens- und Freundschaftsphilosophie der gehobenen Art. In den besten Szenen des ersten Drittels erreicht der Roman fast das Niveau der Basel-Krimis Hansjörg Schneiders.

Auch wenn zum Schluss ein paar kleinere Längen auftreten, ist man nie versucht, ein paar Seiten auszulassen, wie einem dies bei anderen Bänden der Reihe geschieht. Dazu ist Schlink einfach ein zu begnadeter Erzähler. Die Geschichte und die Persönlichkeit Selbs vermögen bis zum Schluss zu fesseln.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Intelligent und spannend 25. Juni 2005
Von Thomas Liehr TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Das Chemiewerk der RCW beherrscht Ludwigshafen, und das Werk wird beherrscht von Korten, der nach dem zweiten Weltkrieg eine kometenhafte Karriere im Betrieb absolvierte. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung ist ein dubioser Prozeß, der während der Nazizeit gegen drei Forschungsmitarbeiter geführt wurde, darunter ein jüdischer Zwangsarbeiter. Staatsanwalt in diesem Prozeß war Gerhard Selb, Schwager von Korten, und inzwischen Privatdetektiv, der seine unrühmliche Vergangenheit bewältigt zu haben scheint.

Als merkwürdige Computerprobleme auftauchen, etwa sämtliche Sekretärinnen plötzlich 500 DM mehr Gehalt bekommen oder alle Konten gelöscht werden, die mit der Zahl "13" beginnen, ruft Korten seinen Schwager zur Hilfe. Relativ rasch findet Selb den vermeintlichen Täter. Ohne viel Aufsehen wird das Problem beseitigt. Nachdem Selb aus seinem anschließenden Urlaub zurückkehrt, muß er feststellen, daß das Problem doch recht gründlich beseitigt wurde ...

Schlink und Popp haben mit Gerhard Selb keinen Antihelden kreiert, sondern einen reflektierenden, gewissenhaften, recht hedonistischen Spätsechziger, der sich so seine Gedanken macht, mit offenen Augen durch die Welt geht und sich - letztlich - nicht instrumentalisieren läßt, weil das während der Nazizeit bereits im Übermaß geschehen ist. Selb wirkt sympathisch-distanziert, aber nicht überzogen selbstbewußt; es macht einfach Spaß, ihm nicht nur bei der Arbeit zuzusehen, sondern auch bei seiner Art, mit Menschen umzugehen, zu flirten, zu essen, Musik zu hören oder seinen Kater "Turbo" zu verwöhnen.

Spannende, intelligente und vortrefflich erzählte Lektüre. Die Nachfolger "Selbs Betrug" und "Selbs Mord", die Schlink dann alleine verfaßt hat, liegen schon bereit.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
Nun werde ich zwar immer misstrauisch, wenn man mir einen "Krimi mit Anspruch" anbietet, denn in den meisten Fällen leidet darunter entweder der Krimi oder der Anspruch (oder beide), aber Schlink gelingt hier -- zusammen mit Walter Popp -- genau das, was ihm im "Vorleser" noch gründlich danebenging: Die Reflexion über die jüngste deutsche Geschichte.
Der immerhin schon 68jährige Privatdetektiv Gerhard Selb lässt sich auch von Rheuma und ähnlichen altersgemäßen Gebrechen nicht davon abhalten, seinen Beruf ernstzunehmen. Während er nun im Auftrag eines großen Chemiekonzerns nach einem Hacker fahndet, der im firmeninternen, streng abgeschirmten digitalen Netz allerlei Schabernack treibt, wird er immer intensiver mit seiner eigenen Vergangenheit als ehrgeiziger junger Staatsanwalt im Dritten Reich konfrontiert.
Was hier, in einem Satz zusammengefasst, gar zu konstruiert wirkt, entwickelt sich in der Romanhandlung ganz kontinuierlich, eins kommt zum andern. Die Spannung steigt allmählich aber stetig. Schließlich bestimmt Selb das Tempo, und der ist nicht mehr der Jüngste.
Dieser Krimi lebt jedoch nicht nur von seinem wichtigsten Handlungsstrang. Im Gegensatz zu vielen anderen zeitgenössischen Krimis mit starkem Lokalkolorit spielt hier das Milieu eine entscheidende Rolle, wird nicht zur schicken Zutat degradiert. Schlink und Popp kennen den Großraum Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg, keine Frage. Sie kennen ihn so gut, dass sie nicht nur mit wenigen Andeutungen eine dichte Atmosphäre schaffen, wie sie für diese Region charakteristisch ist; sie kennen auch die Mentalität. Figuren wie Mischkey, der Hacker mit moralischem Impetus, oder wie der Kellner Giovanni, wie Selbs Freund Philipp (schrullig genug, um nicht allzu mondän zu wirken) oder der vielleicht gar nicht so biedere Hauptkommissar Nägelsbach sind keine Typen, die man in jede beliebige Gegend oder in jedes Milieu verpflanzen könnte. Jeder von ihnen hat Züge, wie sie für die immer ein klein wenig renitente Kurpfalz typisch sind. Und genau dies macht den Charme dieses Krimis aus, der seine Möchtegern-Konkurrenten aus Venedig und anderswo souverän hinter sich lässt. Doch bleiben diese Charakteristika klug im Hintergrund; man kann den Roman genauso gut genießen, wenn man den Menschenschlag nicht kennt oder wenn man nicht weiß, wo in Mannheim der "Suezkanal" ist und wie's weiland in der Heidelberger Frauenbuchhandlung "Xanthippe" aussah.
Aber nicht nur die Figuren sind unspektakulär schrullig, auch die Handlung lockert mit gut plazierten Intermezzi das schwergewichtige Thema auf. Ob's um 100.000 Rhesusäffchen auf dem Betriebsgelände geht oder um einen bemerkenswerten Trick, im Restaurant feinstes Essen serviert zu bekommen, oder um den Kater Turbo, dessen Leistungen Selb den vorbildlichen Karrieren andrer Leute Nachwuchs entgegenhält -- die Witze sind keine Schenkelklopfer, sondern feine kleine, mitunter melancholische Variationen über das Thema "Realität".
Schade, dass in den beiden folgenden Bänden die Handlung allzu konfus wird; Selb hätte ein würdigeres Ende verdient. Dies aber nur am Rande.
Was "Selbs Justiz" betrifft: Genug gelobt. Dieser widersprüchliche Nachfolger von Maigret und Wachtmeister Studer schafft die Synthese von Vergangenheitsbewältigung und Krimi auf seine ganz eigene Art.
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Die neuesten Kundenrezensionen
Ein unaufgeregter Krimi
Dieses Buch hat mir gut gefallen. Es erzählt leise ohne Effekthascherei, es ist nicht blutrünstig sondern setzt mehr auf "Grips". Lesen Sie weiter...
Vor 9 Monaten von fritzCard veröffentlicht
einfach gut erzählter Krimi
Nachdem mich "Der Vorleser", "Liebesfluchten", "Sommerlügen" und "Das Wochenende" gefesselt haben, hat Schlink (er ist einfach ein begnadeter Erzähler) dies nun auch... Lesen Sie weiter...
Vor 9 Monaten von gigi veröffentlicht
Die Stimme macht das Hörbuch aus....
Die Rezension bezieht sich ausdrücklich auf das Hörbuch mit dem Sprecher Hans Korte!
Durch Freunde kam ich auch die Selbs Trilogie, von denen ich mit "Selbs... Lesen Sie weiter...
Vor 11 Monaten von Nocure veröffentlicht
Kriminalliteratur um Schuld, Vertuschung und Sühne /...
Erstklassige Kriminalliteratur und Unterhaltung garantiert das Diogenes Hörbuch SELBS JUSTIZ von Bernhard Schlink, denn es vermengt gekonnt die Atmosphäre eines... Lesen Sie weiter...
Vor 14 Monaten von Thorsten Wiedau veröffentlicht
Eins ist keins
Viele Merkmale aus anderen Werken von Bernhard Schlink finden sich in diesem Buch wieder: Da sind zum einen die präzisen Charakterisierungen anderer Menschen, die... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 11. August 2009 von Ben
komplex, raffiniert und spannend
Walter Popp und Bernhard Schlink schufen mit dem eigenbrötlerischen und schrulligen Privatdetektiv Gerhard Selb eine Figur, die durchaus das Zeug dazu hat, Marlowe und... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. Januar 2009 von Wolfgang Gonsch
Selbs Justiz
Gerhard Selb ist Privatdetektiv und hat scheinbar seine besten Jahre hinter sich. Er bekommt Aufträge, wie sie jeder Privatdetektiv bekommt, Observationen, Nachforschungen... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 16. Dezember 2008 von Dodgelike
Krimis sind nicht sein Ding...
Mit Leidenschaft lese ich Schlinks Lyriker, Belletristik in Form von Krimis sollte er meiner Meinung nach den Könnern dieses Genres überlassen... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. Mai 2008 von Buchstabensuppe
Der Hans Filbinger der Belletristik
"Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein." - Es ist dies der Leitsatz, der Hans Filbinger zum Symbol für die Uneinsichtigkeit ehemaliger NS-Funktionäre... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. Juni 2007 von Martyn
Nicht ganz überzeugend
Bislang bestand mein einziger Berührungspunkt mit Bernhard Schlink in seinem zusammen mit Bodo Pieroth veröffentlichen Lehrbuchklassiker, doch auch durch das Werben eines... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 2. Januar 2007 von Dennis B.
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