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Selbs Justiz
 
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Selbs Justiz [Taschenbuch]

Bernhard Schlink , Walter Popp
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (32 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 27., Aufl. (1987)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257215436
  • ISBN-13: 978-3257215434
  • Größe und/oder Gewicht: 18,3 x 11,3 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (32 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 121.775 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Amazon.de-Hörbuchrezension

Acht Stunden nichts als die Stimme eines Ich-Erzählers. Acht Stunden Hans Korte. Hält man das aus? Man hält es sehr gut aus. Das sanft raue Organ entspricht genau der Figur des Privatdetektivs Gerhard Selb. Der Sprecher ist Jahrgang 1929 und damit nur unwesentlich älter als der Held, der im Roman 68 Jahre zählt. Kortes Stimme stellt mühelos einen älteren, noch sehr vitalen Mann vor uns hin, dem man auch die geschilderten Liebesverwicklungen ohne weiteres abnimmt.

Beeindruckend, wie Korte Ironien gelingen: mit einem unterlegten Lachen, so kunstvoll kunstlos, dass es eine Freude ist. Auch die Charakterisierungen von rund einem Dutzend Nebenfiguren bewältigt der bekannte Fernsehschauspieler bravourös mittels winziger Nuancierungen, Schlinks dialogstarke Prosa wird zum Hör-Erlebnis.

Der Krimi zeigt die Welt der Bundesrepublik südlich des Mains in den satten Jahren vor 1989. Die einst jungen, ehrgeizigen Nazis, die in den 40er Jahren Verbrechen begangen und später mitgeholfen haben, Deutschmark-Land aufzubauen, stehen damals am Ende ihres Berufslebens und fürchten die Leichen im Keller. Von der Entdeckung solcher Leichen handelt der Roman, lehrreich, detailgenau und, was den Alltag an Rhein und Neckar angeht, sarkastisch und humorvoll.

Ungekürzte Lesung des Romans, Gesamtspieldauer 487 Minuten, 7 CD, sehr knapp gehaltenes Booklet.

--Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Mit Bernhard Schlink und Walter Popp ist ein äußerst vielversprechendes deutsches Autorenduo hervorgetreten, das im Bereich des gut geschriebenen und gesellschaftskritischen Kriminalromans neue Akzente setzt. Ein Buch, das größtes Lesevergnügen verspricht." (Volksstimme, Wien)
"Selb hat alle Anlagen, den großen englischen, amerikanischen und französischen Detektiven, von Philip Marlowe bis zu Maigret, Paroli zu bieten, auf seine ganz spezielle, deutsche, selbsche Art." (Wochenpresse, Wien)

"Selb hat alle Anlagen, den großen englischen, amerikanischen und französischen Detektiven, von Philip Marlowe bis zu Maigret, Paroli zu bieten, auf seine ganz spezielle, deutsche, Selbsche Art." (Wochenpresse)

"Man darf mit Recht gespannt sein auf die angekündigten weiteren Ermittlungen Selbs." (Mannheimer Morgen)


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen begnadeter Erzähler, 22. Oktober 2006
Von 
helmut seeger "liberaler" (karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Schlinks (und Popps - der Einfachheit halber beschränke ich mich auf den ersten) Ermittler muss ja Mitte der 80er (als das Buch erschien) mindestens Ende 60 sein, damit die Geschichte plausibel wird, dass er im ersten Drittel der 40er Jahre als Nazi-Staatsanwalt das Todesurteil für zwei leitende Mitarbeiter eines Chemiewerkes betreiben konnte. Nun stellt er in diesem Fall 40 Jahre später fest, dass der damalige Prozess von einem dritten Mitarbeiter der Angeklagten, ausgerechnet seinem Schwager, aus Karrieregründen manipuliert wurde und er selber als Werkzeug für die Erlangung des Todesurteils missbraucht.

Für meinen Geschmack ist die Geschichte in allen Details ein wenig zu konstruiert und insbesondere im theatralischen Finale weit überzogen, wenn auch der Ansatz für die Konstruktion sehr intelligent ist.

Auch der Fortgang der Handlungsstränge scheint teils ziemlich an den Haaren herbeigezogen, weil von absurden Zufällen gesteuert.

Es ist zudem schwer nachzuvollziehen, wie der 68jährige Selb Wein flaschenweise trinken und danach noch nächtliche Actionszenerien durchlaufen oder in den Rhein springen kann, um seinen Verfolgern zu entkommen, wie er Wiener Schlägertypen so brutal ins Kreuzverhör nehmen kann, dass diese auspacken und wieso laufend halb so alte Frauen an ihm interessiert sind. Hie rhat Schlink wohl die Freuden des Alters ein wenig arg überschätzt.

Auch macht der Ermittler, weil ihn der Fall betrifft, ständig Spesen, ohne dass jemand dafür aufkommt - eine ehrenwerte, aber nicht unbedingt realistische Annahme.

Wenn man von diesen Mängeln abstrahiert, ist dies dennoch einer der bemerkenswerten Bände der SZ-Reihe. Jeder, der - wie ich - in den 80ern in Mannheim gelebt hat, wird allein schon durch die Mannemer Atmosphäre gefesselt. Selb durchläuft alle üblichen Stationen und Anlaufpunkte der städtischen Kultur- und Kneipenszene dieser Zeit - und man nimmt teil, als wäre man selber wieder dabei. Die Personen sind allesamt wie aus dem richtigen Leben gegriffen (auch wenn die alten Männer ein wenig zu viril scheinen), die Dialoge treffen exakt den Punkt.

Dazu kommt ein wenig Lebens- und Freundschaftsphilosophie der gehobenen Art. In den besten Szenen des ersten Drittels erreicht der Roman fast das Niveau der Basel-Krimis Hansjörg Schneiders.

Auch wenn zum Schluss ein paar kleinere Längen auftreten, ist man nie versucht, ein paar Seiten auszulassen, wie einem dies bei anderen Bänden der Reihe geschieht. Dazu ist Schlink einfach ein zu begnadeter Erzähler. Die Geschichte und die Persönlichkeit Selbs vermögen bis zum Schluss zu fesseln.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Intelligent und spannend, 25. Juni 2005
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Selbs Justiz (Taschenbuch)
Das Chemiewerk der RCW beherrscht Ludwigshafen, und das Werk wird beherrscht von Korten, der nach dem zweiten Weltkrieg eine kometenhafte Karriere im Betrieb absolvierte. Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung ist ein dubioser Prozeß, der während der Nazizeit gegen drei Forschungsmitarbeiter geführt wurde, darunter ein jüdischer Zwangsarbeiter. Staatsanwalt in diesem Prozeß war Gerhard Selb, Schwager von Korten, und inzwischen Privatdetektiv, der seine unrühmliche Vergangenheit bewältigt zu haben scheint.

Als merkwürdige Computerprobleme auftauchen, etwa sämtliche Sekretärinnen plötzlich 500 DM mehr Gehalt bekommen oder alle Konten gelöscht werden, die mit der Zahl "13" beginnen, ruft Korten seinen Schwager zur Hilfe. Relativ rasch findet Selb den vermeintlichen Täter. Ohne viel Aufsehen wird das Problem beseitigt. Nachdem Selb aus seinem anschließenden Urlaub zurückkehrt, muß er feststellen, daß das Problem doch recht gründlich beseitigt wurde ...

Schlink und Popp haben mit Gerhard Selb keinen Antihelden kreiert, sondern einen reflektierenden, gewissenhaften, recht hedonistischen Spätsechziger, der sich so seine Gedanken macht, mit offenen Augen durch die Welt geht und sich - letztlich - nicht instrumentalisieren läßt, weil das während der Nazizeit bereits im Übermaß geschehen ist. Selb wirkt sympathisch-distanziert, aber nicht überzogen selbstbewußt; es macht einfach Spaß, ihm nicht nur bei der Arbeit zuzusehen, sondern auch bei seiner Art, mit Menschen umzugehen, zu flirten, zu essen, Musik zu hören oder seinen Kater "Turbo" zu verwöhnen.

Spannende, intelligente und vortrefflich erzählte Lektüre. Die Nachfolger "Selbs Betrug" und "Selbs Mord", die Schlink dann alleine verfaßt hat, liegen schon bereit.

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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Nicht nur die Atmosphäre stimmt, 30. Dezember 2005
Nun werde ich zwar immer misstrauisch, wenn man mir einen "Krimi mit Anspruch" anbietet, denn in den meisten Fällen leidet darunter entweder der Krimi oder der Anspruch (oder beide), aber Schlink gelingt hier -- zusammen mit Walter Popp -- genau das, was ihm im "Vorleser" noch gründlich danebenging: Die Reflexion über die jüngste deutsche Geschichte.
Der immerhin schon 68jährige Privatdetektiv Gerhard Selb lässt sich auch von Rheuma und ähnlichen altersgemäßen Gebrechen nicht davon abhalten, seinen Beruf ernstzunehmen. Während er nun im Auftrag eines großen Chemiekonzerns nach einem Hacker fahndet, der im firmeninternen, streng abgeschirmten digitalen Netz allerlei Schabernack treibt, wird er immer intensiver mit seiner eigenen Vergangenheit als ehrgeiziger junger Staatsanwalt im Dritten Reich konfrontiert.
Was hier, in einem Satz zusammengefasst, gar zu konstruiert wirkt, entwickelt sich in der Romanhandlung ganz kontinuierlich, eins kommt zum andern. Die Spannung steigt allmählich aber stetig. Schließlich bestimmt Selb das Tempo, und der ist nicht mehr der Jüngste.
Dieser Krimi lebt jedoch nicht nur von seinem wichtigsten Handlungsstrang. Im Gegensatz zu vielen anderen zeitgenössischen Krimis mit starkem Lokalkolorit spielt hier das Milieu eine entscheidende Rolle, wird nicht zur schicken Zutat degradiert. Schlink und Popp kennen den Großraum Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg, keine Frage. Sie kennen ihn so gut, dass sie nicht nur mit wenigen Andeutungen eine dichte Atmosphäre schaffen, wie sie für diese Region charakteristisch ist; sie kennen auch die Mentalität. Figuren wie Mischkey, der Hacker mit moralischem Impetus, oder wie der Kellner Giovanni, wie Selbs Freund Philipp (schrullig genug, um nicht allzu mondän zu wirken) oder der vielleicht gar nicht so biedere Hauptkommissar Nägelsbach sind keine Typen, die man in jede beliebige Gegend oder in jedes Milieu verpflanzen könnte. Jeder von ihnen hat Züge, wie sie für die immer ein klein wenig renitente Kurpfalz typisch sind. Und genau dies macht den Charme dieses Krimis aus, der seine Möchtegern-Konkurrenten aus Venedig und anderswo souverän hinter sich lässt. Doch bleiben diese Charakteristika klug im Hintergrund; man kann den Roman genauso gut genießen, wenn man den Menschenschlag nicht kennt oder wenn man nicht weiß, wo in Mannheim der "Suezkanal" ist und wie's weiland in der Heidelberger Frauenbuchhandlung "Xanthippe" aussah.
Aber nicht nur die Figuren sind unspektakulär schrullig, auch die Handlung lockert mit gut plazierten Intermezzi das schwergewichtige Thema auf. Ob's um 100.000 Rhesusäffchen auf dem Betriebsgelände geht oder um einen bemerkenswerten Trick, im Restaurant feinstes Essen serviert zu bekommen, oder um den Kater Turbo, dessen Leistungen Selb den vorbildlichen Karrieren andrer Leute Nachwuchs entgegenhält -- die Witze sind keine Schenkelklopfer, sondern feine kleine, mitunter melancholische Variationen über das Thema "Realität".
Schade, dass in den beiden folgenden Bänden die Handlung allzu konfus wird; Selb hätte ein würdigeres Ende verdient. Dies aber nur am Rande.
Was "Selbs Justiz" betrifft: Genug gelobt. Dieser widersprüchliche Nachfolger von Maigret und Wachtmeister Studer schafft die Synthese von Vergangenheitsbewältigung und Krimi auf seine ganz eigene Art.
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