Aus der Amazon.de Redaktion
Annette Humpe und Adel Tawil gelang mit dem gleichnamigen Debütalbum ihres gemeinsamen Projekts Ich + ich vor zwei Jahren ein Überraschungstreffer. So unbeschwert und zugleich zeitgemäß kann Popmusik aus Deutschland klingen, ohne jemals in die Niederungen glattpolierter Chartsware hinabzusteigen. Humpe und Tawil bewahren auch auf dem Nachfolgewerk
Vom selben Stern die fragile Balance aus nachdenklichen Balladen und lupenreinen Pop-Hymnen. Ich + Ich stellen ihre eigenen Regeln auf und erfüllen damit doch genau die Erwartungen ihrer Fans. Die Bandbreite reicht diesmal von spartanisch instrumentierten, vom Tonfall fast schon sakralen Nummern wie "Schütz mich", bei dem Annette Humpe als Sängerin glänzt, über federleichte Pop-Songs wie "Nichts bringt mich runter" bis hin zu soundtechnisch fast schon typischen Tracks wie der ersten Single
Vom selben Stern, mit dem das Album eröffnet wird. Ich + Ich haben auch diesmal wieder viel neues ausprobiert ohne die bewährten musikalischen Bahnen dabei zu verlassen. Ein Song wie "Wenn ich Tot bin" wäre in dieser Form auf dem Debüt allerdings noch nicht möglich gewesen. Hier zeigt sich, dass gerade Adel Tawil sich in den letzten zwei Jahren als Sänger enorm weiterentwickelt hat. Und auch eine Nummer wie "Junk", der wohl bemerkenswerteste Titel des ganzen Albums, verpackt seine Kritik an der Konsumgesellschaft eben nicht in platte, wohlfeile Wortspiele, sondern wird mit Zeilen wie "Hör auf zu konsumieren! Hör auf zu funktionieren" mehr als deutlich. Das Duo aus Berlin hat mit
Vom selben Stern ein Werk geschaffen, das trotz der eingängigen Elektronik-Sounds und Gesangsharmonien, über einen beachtlichen Tiefgang verfügt. Selbst ein zartbitterer, von einer wundervollen Melodie getragener Song wie "Stark", hat da textlich eben weit mehr zu bieten, als nur die üblichen Allgemeinplätze.
--Norbert Schiegl
kulturnews.de
Ich + Ich haben aufgehört, mit sich selbst zu spielen. Das ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, denn skippt man wahllos durchs Album, kann man öfter den Eindruck gewinnen, es handele sich um Adel Tawil solo. Der Clash zwischen ihm und Annette Humpe steht nicht mehr so im Vordergrund wie auf dem Debüt. Einerseits schade, denn der Kontrast zwischen sonorem Soul und mädchenhaftem Synthiepop war von großem Reiz. Andererseits traut sich das ungleiche Duo, gemeinsam den eigenen musikalischen Kosmos zu sprengen, was ebenfalls zu hübschen Ergebnissen führt. Poppiger und vielfältiger ist das zweite Album dadurch geworden. Mal erinnert ihr fröhlicher Gitarrensound an Jack Johnson, dann meint man in den Rufen "Junk, Junk" ein augenzwinkerndes "Jump, jump" zu hören. Annette Humpe zieht sich mit zwei ruhigen Solostücken ein bisschen vom Trubel zurück. Und falls der Titelsong euch Rätsel aufgibt, hört einfach noch mal in die zweite Gorillaz-Platte rein ... (kab) www.kulturnews.de