Im ersten Fall Selbs Justiz" (verfasst mit Co-Autor Walter Popp) wird der Privatdetektiv von einem alten Freund beauftragt, einem Hacker das Handwerk zu legen, der das werkseigene Computersystem durcheinander bringt. Bei der Lösung dieses Falles wir er zudem mit seiner eigenen Vergangenheit als junger, schneidiger Nazi-Staatsanwalt konfrontiert.
Der zweite Fall, "Selbs Betrug", führt des Öfteren zu Reflexionen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ministerialdirigent Salger aus Bonn ersucht ihn, dessen verschwundene Tochter Leonore, zu finden. Doch der Auftraggeber ist nicht der, für den sich dieser ausgibt: Salger ist bereits tot! Es handelt sich vielmehr um den Ex- oder Noch-immer-Terroristen Helmut Lemke. Doch bevor Selb dies herausfindet, hat er die Leo genannte "Tochter" gefunden, die mit verändertem Aussehen und unter anderem Namen als Kindermädchen arbeitet. Sie gerät jedoch erneut in die Fänge des Terroristen und es kommt zum Showdown.
Mit Selbs Mord" endet nun diese Trilogie: dieses mal geht es um einen sehr sonderbaren Auftrag, der den Auftraggeber eigentlich gar nicht interessieren kann und Selb im Grunde ebenso wenig. Dennoch verstrickt er sich immer tiefer darin. Die Spur des Geldes einer Schwetzinger Bank führt den Privatdetektiv tief in den deutschen Osten, nach Cottbus, mitten hinein in die Niederlagen der Nachwendezeit.
Mit dem 68jährigen, eigenbrötlerischen und schrulligen Privatdetektiv und Schachliebhaber Gerhard Selb schufen die beiden Autoren eine Figur, die durchaus mit Marlowe und Maigret, den beiden Größten unter den Privatdetektiven mithalten kann. Originell und spannend aufgebaute Plots, ausgefeilte und ausgereifte Figuren, verpackt in unangestrengt zu lesende Literatur, gewürzt mit einer wohl dosierten Prise frischem Humor und dazu ein Protagonist, der so gar nicht in irgendwelche Klischees passen will: der mit allerlei Macken ausgestattete kauzige Privatdetektiv Gerhard Selb nebst Kater Turbo, die man beide einfach ins Herz schließen muss!
Schlinks Sprache ist präzise und packend, reich an gut sitzenden Pointen, voller versteckter Ironie und zum guten Teil auch bitter böse und sarkastisch. Diese drei gesellschaftskritischen Kriminalgeschichten sind durch die Bank komplex aufgebaut, nicht immer ganz logisch und in der einen oder anderen Szene hat man schon ein bisserl geistige Arbeit zu verrichten, sollte man zwischen den Zeilen lesen können, um nicht den berühmten roten Faden zu verlieren! Der raffiniert angelegte Spannungsbogen entschädigt aber immer wieder für diese kleinen Lesestaus und treibt einen immer und immer wieder weiter.
Wählt man nun für diese Kriminalgeschichten noch einen Sprecher aus, der den kauzigen Privatdetektiv authentisch und glaubwürdig herüber zu bringen vermag und in der Lage ist, den Plot einigermaßen spannend vorzutragen - dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen! Konnte auch nicht, denn Hans Korte - der Vorleser schlechthin - zelebriert diese Selb-Trilogie nicht nur, er ist Selb! Er macht aus einer handwerklich gut gemachten Kriminal-Trilogie ein herrliches und immer fesselnder werdendes Hör-Erlebnis, das leider nur 22 Stunden dauert!